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Opposition fordert Aufklärung : Hat Johnson eine Freundin bevorzugt?

Zwielichtige IT-Gründerin: Jennifer Arcuri und Boris Johnson 2013 in London Bild: Vicki Couchman/REX/Shutterstock

Als Boris Johnson Bürgermeister von London war, hat Start-up-Gründerin und Ex-Model Jennifer Arcuri Fördergelder der Stadt erhalten. Auch sonst setzte sich der Politiker für ihr Fortkommen ein. Nun prüft eine Behörde die Vorgänge.

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          Als hätte Boris Johnson nicht schon genügend Schwierigkeiten: Seit einigen Tagen häufen sich Fragen nach der Beziehung des Premiers zu einer Start-up-Gründerin, die mit Fördergeldern der Stadt London bedacht wurde, als er dort Bürgermeister war. Aufgebracht haben die Geschichte Recherchen der „Times“.

          Philip Plickert

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Jennifer Arcuri erhielt demnach mehrere Zuschüsse für Firmengründungen, insgesamt mehr als 126.000 Pfund (knapp 140.000 Euro). Eine 100.000-Pfund-Subvention für ein Cybersecurity-Unternehmen namens Hacker House ist jetzt zur Hälfte eingefroren worden, teilte Kultur- und Digitalminister Matt Warman mit.

          Die Regionalregierung des Großraums London gab am Freitag bekannt, sie habe die zuständige Behörde IOPC (Independent Office for Police Conduct) aufgefordert, zu prüfen, ob es hinreichende Gründe für die Eröffnung eines Strafverfahrens gegen Johnson gebe. Das IOPC bestätigte dies auf seiner Internetseite. Die Prüfung werde „Zeit brauchen“, heißt es in der kurzen Erklärung weiter.

          Arcuri, 34 Jahre alt, amerikanische Staatsbürgerin und früheres Fotomodell, kam vor gut einem halben Jahrzehnt zum Studium nach London. Außerdem betätigte sie sich als Serien-Firmengründerin in der IT-Branche. Und sie nannte Boris Johnson „einen meiner besten persönlichen Freunde“.

          Opposition wittert Freunderlwirtschaft

          Pikant ist die Sache, weil sich ihr guter Freund, der Politiker, sehr für ihr geschäftliches Fortkommen einsetzte. Sie durfte Johnson auf offiziellen Auslandsreisen begleiten, er besuchte Technologie-Foren, die ihre 2013 gegründete Firma Innotech Network ausrichtete. Sie verkündeten sogar gemeinsam Pläne für einen 100-Millionen-Pfund-Investmentfonds. Zweimal hat die Investmentagentur des Londoner Bürgermeisters Veranstaltungen von Innotech gesponsert.

          Die Opposition im Parlament von Westminster wittert nun Freunderlwirtschaft und verlangt Aufklärung von Johnson. Bislang hat nur Warman im Parlament geantwortet. Arcuris Stiefvater hat schon einmal dementiert, dass zwischen dem Premier und der Jungunternehmerin mehr als eine freundschaftliche Beziehung bestanden haben könnte.

          Vor zwei Jahren wurde Arcuri von der „Computer Weekly“ auf Platz 18 der Liste der „50 einflussreichsten Frauen in UK-Tech“ gewählt. Ob ihr Start-up Hacker House wirklich so eine Rakete ist, darf bezweifelt werden: Auf Anrufe von „Times“-Journalisten hin meldete sich unter der Telefonnummer des angeblichen Firmensitzes in London eine Frau, die sagte, sie sitze in Amerika.

          Unklar sind auch die Eigentumsverhältnisse. Arcuris Ehemann, der Brite Matthew Hickey, versuchte, seine Frau zu verteidigen, doch die Labour-Opposition bezweifelt, ob das Start-up die Kriterien für eine staatliche Förderung erfüllte. Alles zusammen ist ziemlich verworren: Boris Johnsons Glaubwürdigkeit dürfte die Affäre zusätzlich schaden.

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