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Hariris Rückkehr : Der Libanon geht vor!

Saad Hariri begrüßt seine Anhänger in Beirut. Bild: HAMZEH/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Saad al Hariri ist zurück im Libanon. Das krisengebeutelte Land deutet das als Zeichen der Entspannung. Aber was ist der wahre Grund für die Heimkehr?

          Saad al Hariri ist angekommen. Es ist Nationalfeiertag, und als am Vormittag die Würdenträger in den Präsidentenpalast in Beirut strömen, steht der libanesische Ministerpräsident in einer Reihe mit Staatsoberhaupt Michel Aoun und Parlamentspräsident Nabih Berri und schüttelt Hände. Da hat er schon eine Hintertür durchschritten, die ihm in einem diplomatischen Kraftakt einen Spalt weit offengehalten worden war. „Ich habe Präsident Aoun meinen Rücktritt angeboten, und er bat mich, ihn vorerst nicht einzureichen, um weitere Beratungen über seine Gründe und seinen politischen Hintergrund zu ermöglichen“, erklärt Hariri der Presse.

          Christoph Ehrhardt

          Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Beirut.

          Er begründet seine Einwilligung mit der heiklen Lage und den besonderen Anstrengungen, die notwendig seien, um den Libanon zu schützen. Er fordert, die Politik seines Landes solle sich von äußeren und regionalen Konflikten abgrenzen – „von allem, was die innere Stabilität des Libanons und die Beziehungen mit seinen arabischen Brüdern stört“. Er, Hariri, hoffe auf einen „verantwortungsvollen Dialog“. Die Botschaft, die diese Worte aussenden, lautet: Eine Eskalation im saudisch-iranischen Machtkampf im Libanon ist abgewendet worden. Es wird weiter verhandelt – vor allem über die Umtriebe der von Iran gelenkten libanesischen Schiitenorganisation Hizbullah.

          Am Dienstagabend ist Saad al Hariri in sein Heimatland zurückgekehrt. Er zeigt sich zugeknöpft, besucht zunächst das Grab seines Vaters Rafik al Hariri, des als Volkshelden verehrten früheren Regierungschefs, der 2005 durch ein Bombenattentat in Beirut ermordet wurde. Am Mittwochmorgen sitzt Hariri junior an der Seite Aouns auf der Ehrentribüne, um die Militärparade am Tag der Unabhängigkeit abzunehmen. Es ist das Ende eines mehr als zwei Wochen dauernden mysteriösen Auslandsaufenthalts, der den Libanesen vor allem ihre vielschichtigen Abhängigkeiten vor Augen geführt hat.

          Eine zerstörerische Eigendynamik entwickelt

          Der Libanon ist schon lange ein Schauplatz regionaler Konflikte. Ein selbstkritischer Regierungsfunktionär hat es einmal folgendermaßen formuliert: „Die politischen Führer und auch ihre Anhänger beschweren sich ständig, Spielball fremder Mächte zu sein. Aber sobald irgendetwas nicht in ihrem Sinne läuft, rufen sie sofort ihre ausländischen Förderer zu Hilfe.“ Am 3. November reist Hariri, ein treuer Gefolgsmann und Erfüllungsgehilfe Saudi-Arabiens, nach Riad. Auf Druck seiner dortigen Förderer, wie es von westlichen Diplomaten einhellig heißt. Er verliest dort einen Tag später eine Rücktrittserklärung, die gespickt ist mit scharfen Angriffen auf Iran und von der Vertraute Hariris sagen, sie klinge nicht nach ihm. Hariri wird in der Presse und von Politikern als Geisel der Saudis bezeichnet. Der Inlandsgeheimdienst ISF, der als loyal gegenüber Hariri gilt, äußert Zweifel an dessen Darstellung, er sei von einem Mordanschlag bedroht. Präsident Aoun, der eigentlich zum Lager der Rivalen des Regierungschefs gehört, besteht darauf, seine Rücktrittserklärung persönlich in Beirut entgegenzunehmen. Hariri-Plakate mit Solidaritätsbekundungen hängen sogar an der Schnellstraße zum Flughafen, die durch das Südbeiruter Reich der Hizbullah führt. Nach einer französischen Vermittlungsinitiative fliegt der libanesische Ministerpräsident am Wochenende nach Paris, von wo er nach einem Zwischenstopp in der ägyptischen Hauptstadt Kairo zurück in den Libanon reist.

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