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Harald Eia gegen den Gender-Mainstream : „Das wurde hässlicher, als ich gedacht habe“

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Dort, wo das Gender-Mainstreaming am weitesten fortgeschritten ist, in den skandinavischen Ländern, muss man sich plötzlich fragen: Sind Männer und Frauen vielleicht doch nicht so gleich?

Genau. Interessant ist, dass man meinen sollte, in einer gleichberechtigten Gesellschaft gebe es keine Unterschiede mehr. Aber das Paradoxe ist, dass in einer sehr freien Gesellschaft neue Unterschiede auftauchen. Und zwar angeborene Unterschiede. Wir müssen die biologischen und genetischen Fakten beachten, denn sie sind heute von größerer Bedeutung als früher.

Woher kommt die Angst vor dem Unterschied?

Das hat historische Gründe. Die Leute hören sofort die reaktionären, politisch rechten Stimmen von vor 50 Jahren. Die befragten Wissenschaftler haben mein Projekt mit diesen Stimmen in Verbindung gebracht.

Haben Sie noch Kontakt zu den Wissenschaftlern?

Grundsätzlich war es so: Je stärker ihre Forschung politisch motiviert war, desto verärgerter waren sie. Sie hatten das Gefühl, dass ich die Sozialwissenschaften betrogen hatte. Ein paar von ihnen wollen nichts mehr mit mir zu tun haben. Aber Norwegen ist ein kleines Land. Früher oder später trifft man sich auf der Straße. Das kann auch ein Problem sein, denn man traut sich nicht, hart zueinander zu sein. Jeder könnte die Cousine des Nachbarn sein. Also ist man freundlich.

Fühlen Sie sich schuldig?

Als die Debatte hier losbrach, sagten manche, ich sei in der Midlife-Crisis. Für die Gender-Wissenschaftler war es schlimmer. Einem wurde von politisch auf der Rechten stehenden Männern gedroht: „Wenn ich dich auf der Straße sehen, schlag ich dich zusammen.“ Und: „Du bist ein Verräter des männlichen Geschlechts.“ Er hatte Angst. Ich sagte ihm, dass diese Leute bellen, aber nicht beißen. Das war vor Anders Bering Breivik. Jetzt wissen wir, sie beißen auch. Manche Wissenschaftler sagten: „Du hast dunkle Mächte heraufbeschworen. Du hast ungesunde Ideen bei den Leuten geweckt.“ Aber „Gehirnwäsche“ ist kein rechtspolitisches Projekt. Ich bin nicht gegen Feminismus. Ich bin gegen schlechte Forschung. Ich wollte der Öffentlichkeit zeigen, wie dogmatisch manche Wissenschaftler in diesem Feld sind.

Wenn sich die Gender-Forschung dagegen wehrt, auch den biologischen Aspekt in Betracht zu ziehen, wohin führt das?

Es werden falsche Herangehensweisen gewählt. Es gibt in Norwegen und der EU eine Kampagne, die Mädchen für technische Berufe und Naturwissenschaften begeistern soll. Es ist lustig. Man sieht Mädchen mit Lippenstift, die Experimente machen. Aber Mädchen finden technische Berufe nicht unweiblich. Sie haben auch keine Angst davor, als Mann zu gelten. Sie finden es einfach langweilig.

Glauben Sie, dass auch in Deutschland eine solche Debatte möglich ist?

Absolut. Gerade planen wir „Gehirnwäsche“ in Schweden. Dort gibt es ein großes Einwandererproblem. Aber die Politiker trauen sich nicht, es anzusprechen, denn sie haben Angst, dann als rechts und rassistisch zu gelten. Es ist nicht gut, wenn man Angst hat, gewisse Probleme anzusprechen.

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