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Hanoi vor Nordkorea-Gipfel : Die Frisuren stehen schon

Gia Huy, 9 Jahre, und Le Phuc Hai, 66, mit ihren neuen Haarschnitten in Hanoi. Bild: Reuters

In Vietnams Hauptstadt laufen die Vorbereitungen für das zweite Treffen zwischen Donald Trump und Kim Jong-un. Einer der Teilnehmer könnte per Zug anreisen. Aber was eigentlich bei dem Gipfel herauskommen?

          Ein Friseursalon in Hanoi bietet neuerdings kostenlose Haarschnitte nach dem Vorbild des nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-un an. Wer möchte, kann sich aber auch den charakteristischen blonden Donald-Trump-Look verpassen lassen. Das Angebot gelte bis Ende des Monats, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters. Am 27. und 28. Februar werden sich die beiden Staatsmänner, nach dem historischen Treffen in Singapur vergangenen Juni, in Hanoi zu einem zweiten Gipfel zusammenfinden. „Es war eigentlich nur ein Spaß, aber ich war erstaunt, wie die Leute darauf angesprungen sind“, verriet der Besitzer des Friseursalons der Agentur. „Ich liebe Frieden und hasse den Krieg. In meiner Familie sind viele gestorben. Deshalb unterstütze ich diesen Gipfel“, sagte Le Tuan Duong.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Das Frisurenangebot gehört zu den kurioseren unter den Maßnahmen, mit denen sich die vietnamesische Hauptstadt auf den Gipfel vorbereitet. Staatstragender sind da schon die amerikanischen und nordkoreanischen Flaggen, die an einigen Orten bereits hängen sollen. Eine der wenigen Klarheiten besteht derzeit darüber, wo die Journalisten aus dem In- und Ausland für die Zeit des Gipfels untergebracht werden. Der Kulturpalast für Freundschaft war ein Geschenk der Sowjetunion. Nun wird er mit Telefonleitungen, LCD-Bildschirmen und Internet bestückt. Wo sich die beiden Gipfelteilnehmer die Hände schütteln werden, ist dagegen noch nicht bekannt. Nach südkoreanischen Berichten haben die Nordkoreaner ein Konferenzzentrum als Treffpunkt aus Sicherheitsbedenken abgelehnt.

          Anreise per Zug?

          Als mögliche Gipfelorte gelten noch das Staatsgästehaus, ein Hotel und das berühmte Opernhaus von Hanoi. Spekulationen gibt es auch darüber, ob Kim Jong-un mit dem Flugzeug anreist oder die rund 4000 Kilometer Strecke von Pjöngjang eventuell sogar mit dem Zug zurücklegt. Traditionell bevorzugen Nordkoreas Machthaber die Schiene. Angeblich soll eine nordkoreanische Delegation schon den Ort Lang Son an der Grenze zu China besichtigt haben, der nur über einen Bahnhof verfügt. Aber auch Kims Ilyushin IL-62 könnte den Weg bis Hanoi bewältigen. Nach Singapur war Kim mit einem Passagierflugzeug der Air China geflogen.

          Mittlerweile scheint dank mehrerer gleichlautender Presseberichte ziemlich klar festzustehen, dass Kim schon am 25. Februar, einige Tage vor dem Gipfel, zu einem offiziellen Staatsbesuch in Vietnam eintreffen wird. Den Gerüchten zufolge soll er dabei Industriepark in Haiphongs und der Provinz Bac Ninh sowie womöglich die pittoreske Halong-Bucht besuchen. Man erhofft sich offenbar, dass Vietnams Dynamik seit der wirtschaftlichen Öffnung  auch bei Kim einen Eindruck hinterlässt.

          „Sherpas“ sind vor Ort

          Wie schon in der südostasiatischen Finanzmetropole werden die Planungen auch in Vietnam bis zur letzten Minute andauern. Dafür ist Kim Jong-uns Stabschef Kim Chang-son seit dem Wochenende in Hanoi. Sein Gesprächspartner aus dem Weißen Haus ist der Vize-Stabschef Daniel Walsh. Außerdem sollen die Sondergesandten Kim Hyok-chol und Stephen Biegun vor Ort sein. Für die beiden Verhandlungspartner ist es mittlerweile die dritte Zusammenkunft. Nach einem Treffen Anfang Februar hatte Biegun gesagt, es gebe vor dem Gipfel noch viel zu tun.

          Denn unklar ist weiterhin, was bei dem Gipfel mit Hinblick auf das nordkoreanische Atomwaffenprogramm an Substanz erreicht werden kann. In dieser Hinsicht hatte der Gipfel in Singapur nur vage Versprechungen hervorgebracht. Präsident Donald Trump dämpft in dieser Frage jetzt schon die Erwartungen. Er sagte, es gebe „keine Eile“ bei der Denuklearisierung Nordkoreas, so lange es keine weiteren Tests unternehme. Nach einem Bericht des Nachrichtensenders CNN werde aber ernsthaft die Einrichtung von Verbindungsbüros der jeweiligen Gegenseite in Washington und Pjöngjang erwägt. Das wäre ein erster Schritt auf dem Weg zur Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen den offiziell verfeindeten Ländern.

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