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Kommentar zu Abschuss von MH17 : Ausgerechnet Schröder

Altkanzler Gerhard Schröder (links) mit dem russischen Ministerpräsidenten Medwedew und dem Aufsichtsratsvorsitzenden der Gazprom, Wiktor Subkow, bei der Amtseinführung Putins. Bild: dpa

Der Kreml weiß selbst am besten, wer für den Abschuss von MH17 verantwortlich ist. Ein ehemaliger Bundeskanzler aber beklagt lieber die Eigensucht Amerikas.

          Der Bundestrainer würde sich freuen, wenn die Bundeskanzlerin ein Spiel der Fußball-Nationalmannschaft in Russland besuchte. Der russische Präsident fühlte sich gewiss auch geehrt. Doch kann Merkel so tun, als gäbe es zwischen Russland und dem Westen nur den friedlichen Wettstreit, der in zum höheren Ruhme Putins herausgeputzten Fußballstadien ausgetragen wird? Wo die Bilder von den Schlacht- und Trümmerfeldern in der Ostukraine doch von einem grundsätzlichen Werte- und Systemkonflikt künden, der schon Tausende das Leben kostete – darunter auch dreihundert Menschen, die nach schwerlich noch zu bestreitenden Erkenntnissen von einer Rakete der regulären russischen Armee aus dem Himmel geschossen wurden?

          Die Ergebnisse der internationalen Untersuchungskommission, die Australien und die Niederlande dazu brachten, die russische Föderation „nach internationalem Recht verantwortlich zu halten für ihre Rolle beim Abschuss von MH17“, lassen sich nicht mit der üblichen Behauptung vom Tisch wischen, der Westen habe „keine Fakten genannt“, und wenn doch, dann handele es sich dabei um „Fakes“. Die russische Forderung, Beweise vorzulegen, ist auch in diesem Fall reiner Zynismus, da Moskau zweifellos selbst die besten Belege dafür in Händen hält, wer das Flugzeug abschoss.

          Auch jene EU-Staaten, die einer Lockerung der Sanktionen das Wort reden, die nach dem Abschuss gegen Russland verhängt worden waren, wissen gut genug, mit wem sie es in Moskau zu tun haben. Doch für sie geht, wie auch für einige ostdeutsche Regierungschefs, Handel vor Haltung – weil Handel sich immer noch so gut auf Wandel reimt und das Geschäft damit auch als politisches Konzept verbrämt werden kann. Denn auf den Wandel folgte schon zu Brandts Zeiten die Annäherung, jedenfalls in der Theorie. In dessen Spur sieht sich wohl auch der ehemalige Bundeskanzler Schröder, der jetzt Washington vorwirft, es wolle die zweite Gas-Pipeline durch die Ostsee nicht aus Solidarität mit Europa verhindern, sondern aus „eigensüchtigen Interessen“. Da hat er nicht ganz unrecht. Dass aber ausgerechnet Schröder – der nicht völlig selbstlos den Interessen des Kremls und dessen Vorstellungen von „Solidarität mit einigen europäischen Ländern“ dient – diesen Vorwurf erhebt, ist ein Treppenwitz, der sogar noch Lawrows Zynismus in den Schatten stellt.

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