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Gaza-Konflikt : Israels Armee ändert ihre Strategie

Israel verlegt weitere Truppen an die Grenze zum Gazastreifen. Bild: AFP

Wieder feuern militante Palästinenser Raketen ab, wenn auch weniger als am Tag zuvor. Israel schlägt zurück, bemüht sich aber auffallend darum, die Hamas aus dem Konflikt herauszuhalten.

          2 Min.

          Mehrere Detonationen zerreißen am Mittwoch die Luft in Erez. Über dem Grenzübergang zwischen dem Gazastreifen und Israel sind wieder kleine weiße Rauchwolken zu sehen: Das israelische Abwehrsystem „Iron Dome“ hat mehrere Raketen in der Luft zerstört. Laut israelischen Presseberichten ist der Raketenbeschuss am Mittwoch jedoch spärlicher als am Dienstag, und die Geschosse gehen vor allem in der näheren Umgebung Gazas nieder. Dort bleiben Schulen und andere öffentliche Einrichtungen geschlossen, während in Tel Aviv wieder der Alltag zurückkehrt. Insgesamt wurden seit Dienstagmorgen mehr als 250 Geschosse auf Israel abgefeuert; die meisten von ihnen hat die „Eiserne Kuppel“ abgefangen.

          Christian Meier
          Redakteur in der Politik.

          Die Menschen, die am Kontrollpunkt der palästinensischen Autonomiebehörde auf einfachen Bänken warten, achten kaum darauf, was sich über ihnen am Himmel abspielt. Es sind Palästinenser, die zur Behandlung nach Israel müssen, UN-Mitarbeiter und Vertreter von Hilfsorganisationen. Für die meisten von ihnen ist dieser Anblick nicht neu. Sie sind dennoch besorgt, dass die bewaffnete Auseinandersetzung dieses Mal länger dauern könnte. Am Mittwochmorgen nutzen sie die wenigen Stunden, in denen die israelische Armee den einzigen Personenübergang nach Israel wieder geöffnet hat.

          „Noch mehr Schläge einstecken“

          Schon im Morgengrauen feuerte der „Palästinensische Islamische Dschihad“ (PIJ) Dutzende Raketen in Richtung Israel ab. Die israelische Armee schoss zurück und zerstörte eine Werkstatt, in welcher der PIJ angeblich Waffen herstellte.

          In Israel wurden seit Dienstag mehr als 60 Verletzte gemeldet. In Gaza teilte das palästinensische Gesundheitsministerium mit, bis Mittwochnachmittag seien weitere 13 Menschen ums Leben gekommen: Drei Kinder und zehn PIJ-Mitglieder, unter ihnen ein Kommandeur; zudem seien 60 Personen verletzt worden. Damit stieg die Zahl der seit Beginn der neuen Gewaltwelle getöteten Palästinenser auf 23. Die neue Konfrontation hatte begonnen, nachdem die israelische Armee den PIJ-Kommandeur Baha Abu al Ata am Dienstagmorgen gezielt getötet hatte.

          Auffallend ist, dass sich die Auseinandersetzung bislang fast ausschließlich zwischen Israel und dem PIJ abspielt. Nicht nur das israelische Militär wies in seinen Stellungnahmen immer wieder darauf hin, dass man nur PIJ-Angehörige angegriffen habe, die Raketen startklar machten sowie Waffenlager und -werkstätten der Gruppe. Der amtierende israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte am Mittwoch, der PIJ habe jetzt nur die Wahl, seine Attacken „zu beenden oder noch mehr Schläge einzustecken“.

          Israel bemüht sich offenbar rhetorisch wie militärisch, die Hamas soweit wie möglich aus diesem Konflikt herauszuhalten. Die israelische Zeitung „Maariv“ merkte am Mittwoch an, dass die israelische Armee seit Jahren zum ersten Mal von ihrem „felsenfesten Prinzip“ abgewichen sei, die regierende Hamas-Organisation für alles verantwortlich zu machen, was in Gaza geschehe. Bei den Vergeltungsangriffen sei klar zwischen Hamas und PIJ unterschieden worden.

          Die Hamas selbst hat sich bislang offenbar nicht am Kampfgeschehen beteiligt. Sie solidarisierte sich in Erklärungen mit dem PIJ, feuerte aber keine Raketen ab. Doch es ist fraglich, ob sie diese Zurückhaltung aufrecht erhalten kann, wenn die Intensität der israelischen Angriffe zunehmen oder die Zahl ziviler palästinensischer Opfer steigen sollte. Diese Gefahr ist im dicht besiedelten Gazastreifen groß.

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