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Half Pakistan Usama Bin Ladin? : Gilani spricht von „absurden Vorwürfen“

  • Aktualisiert am

Bild: reuters

Pakistans Premierminister Gilani hat Vorwürfe als „absurd“ bezeichnet, sein Land habe Usama Bin Ladin geholfen. Der amerikanische Präsident Obama hatte zuvor Aufklärung darüber verlangt, wer den Al-Qaida-Führer unterstützt habe.

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          Der pakistanische Regierungschef Yousuf Raza Gilani hat Vorwürfe zurückgewiesen, dass sein Land Al-Qaida-Führer Usama Bin Ladin geholfen habe. Diese Vorwürfe seien „absurd“. Es sei unredlich, der Regierung oder den Geheimdiensten vorzuwerfen, mit dem Terrornetz gemeinsame Sache gemacht zu haben, sagte Gilani am Montag in seiner ersten Parlamentsansprache nach der Tötung Bin Ladins durch eine amerikanische Spezialeinheit vor einer Woche im pakistanischen Abbottabad.

          Der amerikanische Präsident Barack Obama hatte in einem Fernsehinterview am Sonntag dagegen davon gesprochen, dass Bin Ladin in Pakistan eine Art Netzwerk gehabt haben müsse, das ihn unterstützte. Andernfalls hätte Bin Ladin nicht über Jahre in Abottabad leben können, einer Stadt mit zahlreichen Militäreinrichtungen. Ob unter den Unterstützern Personen innerhalb oder außerhalb der Regierung gewesen seien, wisse er nicht, sagte Obama. Die Vereinigten Staaten wollten dazu weiter ermitteln, „und, was noch wichtiger ist, die pakistanische Regierung muss ermitteln“.

          Von direkten Beschuldigungen gegenüber Islamabad sah Obama ab. Seit den Anschlägen vom 11. September 2011 sei Pakistan ein starker Partner im Kampf gegen den Terror gewesen, sagte er. Zu den Einzelheiten der Kommandoaktion äußerte sich der Präsident in dem Interview nur zurückhaltend.

          Obama: „Die längsten 40 Minuten meines Lebens“

          Erstmals sprach Obama öffentlich über seine Gefühle, während er die Kommandoaktion gegen Usama Bin Ladin per Bildschirm im Situation Room des Weißen Hauses verfolgte. Dort sei es sehr still und angespannt gewesen.„Es waren die längsten 40 Minuten meines Lebens“, gab Obama zu. Nur als seine kleine Tochter Sasha im Alter von drei Monaten Meningitis gehabt habe, sei er ähnlich angespannt gewesen.

          Er habe die Operation angeordnet, weil er der Ansicht gewesen sei, dass die Chance, den Terroristenführer „endlich zu kriegen“ größer sei als die Risiken, erklärte Obama in einem am Sonntag ausgestrahlten Interview der Sendung „60 Minutes“ des Fernsehsenders CBS.

          Er sei zwar ob des Ausgangs der Aktion nervös gewesen, wegen der Möglichkeit, dass Bin Ladin dabei getötet werden könnte, habe er sich aber keine Gedanken gemacht. Jeder, der daran zweifle, dass der Al-Qaida-Führer sein Schicksal verdient habe, „muss seinen Kopf untersuchen lassen“, sagte Obama.

          Die Entscheidung, die Razzia anzuordnen, sei schwierig gewesen, sagte er. Es sei schließlich nicht sicher gewesen, dass sich Bin Ladin in dem Anwesen aufhalte, und für die Eliteeinheit Navy SEALs habe ein Risiko bestanden. „Aber letztlich hatte ich so viel Vertrauen in die Fähigkeit unserer Jungs, die Mission auszuführen, dass ich das Gefühl hatte, dass die Risiken vom potentiellen Gewinn wettgemacht werden, dass wir unseren Mann endlich kriegen“, sagte Obama.

          Pakistans Innenminister: „Niemand wird zurücktreten“

          Die pakistanische Führung will aus der Entdeckung und Tötung von Usama Bin Ladin keine personellen Konsequenzen ziehen. Innenminister Rehman Malik sagte der saudischen Zeitung „Okaz“: „Niemand wird zurücktreten, weder der Innenminister, noch der Ministerpräsident, nicht der Geheimdienstchef und auch nicht der Präsident.“

          Malik war nach Saudi-Arabien geflogen, um zu besprechen, was mit Bin Ladins Angehörigen geschehen soll, die noch in Pakistan sind. Die Familie des getöteten Terrorchefs stammt aus Saudi-Arabien. In dem Interview sagte er: „Der pakistanische Geheimdienst war nicht daran beteiligt, Bin Ladei zu schützen.“ Er räumte allerdings ein, dass es „Lecks“ bei den Sicherheitskräften seines Landes gibt. „Wir werden diese Löcher stopfen“, versprach er.

          Malik kritisierte, dass die amerikanische Einheit das Anwesen von Bin Ladi ohne jede Rücksprache mit den pakistanischen Behörden gestürmt hatte. „Wir erfuhren erst 15 Minuten nach der Operation davon“, sagte er.“

          „Abbottabad war ein aktives Kommandozentrum für Bin Ladin“

          Obamas Nationaler Sicherheitsberater Tom Donilon hatte am Sonntag die von ranghohen Mitarbeitern des Auslandsgeheimdienstes CIA geäußerte Überzeugung bestätigt, dass Bin Ladin von seinem Versteck in Abbottabad aus das Terrornetz und dessen Operationen im Jemen und in Somalia weiter geführt habe. Dies gehe aus dem umfangreichen Konvolut von Daten, Dokumenten und Videoaufnahmen hervor, die bei der Kommandoaktion gegen Bin Ladin sichergestellt werden konnten. „Die CIA sagt uns, dass es ungefähr die Größe einer kleinen College-Bibliothek hat“, sagte Donilon. Die Videos und die Datensammlung zeigten, „dass das Gelände in Abbottabad ein aktives Kommando- und Kontrollzentrum für den Al-Qaida-Führer war“, sagte ein CIA-Mitarbeiter.

          Das Pentagon veröffentlichte am Wochenende fünf Videoaufnahmen Bin Ladins aus dessen umfangreichem Bestand. Die Aufnahmen wurden ohne deren Tonspur veröffentlicht, um keine wichtigen Informationen oder Botschaften an die Öffentlichkeit gelangen zu lassen

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