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Hunderttausende obdachlos : Halb Beirut von Explosion betroffen

Der Tag danach: Beirut am Mittwoch Bild: AFP

Bis zu 300.000 Libanesen verlieren bei der Katastrophe im Hafen der Hauptstadt ihre Bleibe. Internationale Hilfe läuft an. Die deutsche Marine schickt eine Korvette.

  • Aktualisiert am
          4 Min.

          Nach der verheerenden Explosion im Hafen von Beirut werden die Schäden für die libanesische Hauptstadt immer deutlicher. Die Zahl der Toten stieg auf mindestens 100, wie das libanesische Rote Kreuz am Mittwoch erklärte. Demnach wurden etwa 4000 Menschen verletzt. Rettungshelfer suchten in den Trümmern nach weiteren Opfern. Der Generalsekretär des Roten Kreuzes im Libanon, George Kattanah, sagte der Deutschen Presse-Agentur, die Zahl der Opfer werde wahrscheinlich weiter steigen.

          Aus Sicherheitskreisen hieß es, es würden noch mindestens 100 Menschen vermisst. „Es liegen noch immer viele Menschen unter den Trümmern“, sagte ein Offizieller, der ungenannt bleiben wollte. Die schweren Schäden machten viele Häuser unbewohnbar. Zwischen 200.000 und 250.000 Menschen hätten ihre Unterkünfte verloren, sagte Gouverneur Marwan Abbud dem libanesischen Fernsehsender MTV. Sie würden mit Lebensmitteln, Wasser und Unterkünften versorgt. Die Nachrichtenagentur AFP berichtete von bis zu 300.000 Betroffenen. Es seien Schäden in Höhe von drei bis fünf Milliarden amerikanischen Dollar entstanden – „möglicherweise mehr“, so Abbud der Nachrichtenagentur NNA zufolge.

          Fachleute warnten vor den Auswirkungen auf die Wirtschaft des Landes, die seit Monaten ohnehin unter einer der schwersten Krisen in der Geschichte des Libanons leidet. „Diese Explosion ist der Sargnagel für die Wirtschaft des Libanons und für das Land im Allgemeinen“, sagte der Analyst Makram Rabah der Deutschen Presse-Agentur. Die Menschen könnten ihre Häuser nicht wieder aufbauen, weil ihnen das Geld fehle. Der Hafen in Beirut sei zudem die Lebensader des Landes. Da dort unter anderem Getreidesilos zerstört worden sei, müsste das Land jetzt mit Hunger und Engpässen bei Brot rechnen.

          Mehrere Länder kündigten inzwischen an, Beirut zu helfen. Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums sagte am Mittwoch, die Bundesregierung bereite Hilfsmaßnahmen vor. Auf Bitten der libanesischen Regierung könnte noch am Mittwoch eine 47 Personen starke Einheit des Technischen Hilfswerks in die libanesische Hauptstadt starten, um bei der Bergung von Verschütteten zu helfen. Zudem werde ein Botschaftsunterstützungs-Team entsandt, das zur Arbeitsfähigkeit der deutschen Vertretung im Libanon beitragen soll.

          Das Verteidigungsministerium zog am Nachmittag Angaben des Sprechers zurück, wonach die Bundeswehr eine in Zypern ankernde Marine-Korvette in Richtung Libanon entsandt habe. Entsprechende Pläne seien anders als zunächst mitgeteilt noch nicht umgesetzt worden, es habe sich um einen „Kommunikationsfehler“ gehandelt, erklärte das Ministerium. Zur genauen Zahl der verletzten Deutschen konnte die Bundesregierung weiterhin keine Angaben machen.

          Dieses Bild gibt eine Ahnung vom ganzen Ausmaß der Verwüstung in Beirut. Bilderstrecke
          Bildergalerie : Die Apokalypse von Beirut

          Die EU aktivierte auf Bitte der libanesischen Behörden am Mittwoch ihren Zivilschutzmechanismus; die EU-Kommission koordiniert damit die Hilfe und übernimmt den größten Teil der Logistikkosten. Als erste konkrete Hilfe wollen die Niederlande, Griechenland und die Tschechische Republik einhundert Feuerwehrleute mit Suchhunden und Bergungsfahrzeugen entsenden, die auf Rettungseinsätze im urbanen Raum spezialisiert sind. Wie die EU-Kommission weiter mitteilte, haben auch Frankreich, Polen und Deutschland Hilfe über den Zivilschutzmechanismus angeboten. Die EU stellt den libanesischen Behörden außerdem Satellitenaufnahmen zur Verfügung, um das Ausmaß der Schäden erfassen zu können. „In dieser schwierigen Lage bietet die Europäische Union dem libanesischen Volk ihre ganze Unterstützung an“, teilte der für Katastrophenhilfe zuständige EU-Kommissar Janez Lenarčič mit. Man stehe bereit, um weitere Hilfen zu mobilisieren.

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