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Jovenel Moïse : Haitis Präsident bei Anschlag getötet

  • Aktualisiert am

Archivbild des Präsidentenpaars (Aufnahme von 2018) Bild: EPA

Mehrere Unbekannte sollen in die Residenz des haitianischen Präsidenten Moïse eingedrungen sein und ihn erschossen haben. Unklar ist der Zustand der Première Dame.

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          Der haitianische Präsident Jovenel Moïse ist tot. Das teilte der scheidende Ministerpräsident Claude Joseph in einer Erklärung mit, die mehrere haitianische Medien veröffentlichten. Joseph zufolge soll eine Gruppe von Unbekannten in der Nacht zu Mittwoch in die Residenz des Präsidenten in Port-au-Prince eingedrungen sein und den Staatschef tödlich verletzt haben. Auch seine Frau soll von Schüssen getroffen worden sein. Wie die Zeitung Haitian Times zwischenzeitlich berichtete, ist die Frau des Präsidenten, Martine Moïse, an den Folgen ihrer Verletzungen im Krankenhaus gestorben. Bestätigt wurde das nicht.

          Einige Angreifer sollen laut Angaben des Ministerpräsidenten auf Spanisch gesprochen haben. Joseph, der im einem Telefoninterview sagte, dass er im Moment das Land führe, rief zur Ruhe im Land auf und verurteilte den Anschlag als einen „widerlichen, unmenschlichen und barbarischen Akt“.

          Die Situation in Haiti ist seit vielen Jahren angespannt. Es gilt als sehr korruptes und das ärmste Land der westlichen Hemisphäre. 2010 erschütterte ein Erdbeben die Westhälfte der Karibikinsel Hispaniola. Mehr als 200.000 Menschen kamen ums Leben, mindestens 300.000 wurden verletzt. Das gesamte öffentliche Leben brach damals zusammen; 1,3 Million Haitianer wurden obdachlos.

          Land per Dekret regiert

          Beobachter sagen, dass es in Haiti seit Jahren keinen funktionierenden Staat mehr gebe. An dessen Stelle seien Gang- und Clan-Strukturen getreten, die eng mit den führenden Politikern verknüpft sein sollen, auch mit dem Präsidenten Jovenel Moïse, der nun getötet wurde.

          Moïse, 1968 im Nordosten des Landes geboren, war 2016 zum Präsidenten gewählt worden und hatte das Amt im Februar 2017 angetreten. Davor war er als Landwirtschaftsunternehmer tätig gewesen. Zuletzt hatte er Haiti per Dekret regiert, nachdem eine Parlamentswahl unter anderem wegen Protesten gegen ihn verschoben worden war. Befürworter und Gegner Moïses hatten unter anderem darüber gestritten, wann dessen Amtszeit begonnen hat. In Haiti dauert die Präsidentschaft fünf Jahre und beginnt stets am 7. Februar nach den Wahlen. Die Präsidentschaftswahl im Oktober 2015, bei der Moïse im ersten Wahlgang gewählt worden war, wurde wegen Betrugs annulliert.

          Binnen vier Jahren wechselte er sieben Mal den Ministerpräsidenten aus. Am Montag gab er die Ernennung des neuen Regierungschefs Ariel Henry bekannt, der Claude Joseph nach nur drei Monaten im Amt ablösen sollte.

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