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Haiders Nachfolger : Aus hartem Holz geschnitzt

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Gerhard Dörfler mit seiner Frau Margret und seiner Tochter Stephanie am Sonntag bei der Stimmgabe in Himmelberg Bild: dpa

Der Mythos Jörg Haider lebt - das zeigt das Wahlergebnis für das „Bündnis Zukunft Österreich“, das der Kärntner Landeshauptmann einst gegründet hatte. Sein Nachfolger Gerhard Dörfler wird bald aus seinem Schatten treten müssen - und eigene Akzente setzen.

          Letzten Endes ist Gerhard Dörfler nicht nur dort angekommen, wohin es ihn schon 2004 drängte. Damals ließ ihn sein großes Vorbild zappeln. Dörfler hatte sich in Stellung gebracht, als Jörg Haider in einem seiner Stimmungstiefs wieder einmal darüber räsonierte, ob er alles hinschmeißen und sogar das Amt des Kärntner Landeshauptmanns aufgeben sollte. Doch war dann alles beim Alten geblieben und Dörfler schließlich sogar zum Landeshauptmannstellvertreter aufgestiegen.

          Aus der Position des Zweiten in der Kärntner Regierung rückte er im Oktober vorigen Jahres quasi automatisch an die Spitze auf, da es kurz nach der Schreckstarre wegen des Unfalltods Haiders galt, dessen Platz für die Übergangszeit bis zur regulären Landtagswahl zu besetzen. Diese endete vergangenen Sonntag im Triumph für das BZÖ (Bündnis Zukunft Österreichs), jene Partei, die Haider im April 2005 schuf, indem er sich von der FPÖ löste.

          „Die Sonne, die vom Himmel fiel“, strahlt nun auf Dörfler

          Die FPÖ hatte er zwischen 1986 und 2000 in vorher nie gekannte Höhen geführt und deren von ihm eingefädelte Regierungsbeteiligung sodann 2002 in Zügen, die an Selbstzerstörung grenzten, ad absurdum geführt. Erst der Wiederaufstieg eines geläutert scheinenden Haider an der Spitze des BZÖ in der Nationalratswahl 2008 schuf die Grundlage dafür, dass „die Sonne“, die mit seinem jähen Tod drei Wochen lang „in Kärnten vom Himmel gefallen“ schien (Originalton Dörfler), das Land am Fuße der Karawanken nun doch wieder erhellt.

          Der umstrittene österreichische Rechtspopulist Jörg Haider, gestorben im Oktober 2008

          Und den 53 Jahre alten Dörfler beleuchtet, der sich jetzt nicht länger hinter der Position „eines nur vom Schicksal gewählten Landeshauptmanns“ verbergen muss. Denn die Kärntner haben ihm und seiner Partei mit 45,8 Prozent der Stimmen und 17 Landtagsabgeordneten ein Ergebnis geliefert, von dem man nicht weiß, ob es Haider, wäre er noch am Leben, je erzielt hätte. Dass der „Mythos Haider“ dabei mitwirkte, weiß niemand besser als der Sieger und die arg gebeutelte SPÖ als Verlierer in einem Land, in dem diese von Kriegsende an gesiegt und 43 Jahre lang unumschränkt geherrscht hatte.

          Warten auf eigene Akzente

          Eine Abschwächung des Personenkults um Haider ist daher unter Dörfler vorerst nicht zu erwarten. Dennoch wird er nicht umhin können, alsbald eigene Akzente zu setzen. Die Voraussetzungen, die er dazu mitbringt, sind nicht die schlechtesten. Seitdem Haider den gelernten Bankkaufmann und späteren Geschäftsführer der Klagenfurter Schleppe-Brauerei 2001 in die Politik holte, hat sich Dörfler immer wieder als umtriebiger, manchmal aktionistischer Landespolitiker erwiesen.

          Dörfler, am 29. Mai 1955 in Deutsch-Griffen (im Bezirk St. Veit/Glan) geboren, lebt mit seiner Familie in Himmelberg, einer von neun Gemeinden an der „Kärntner Holzstraße“, einem Überlandtransportweg von alters her, an dem entlang die Menschen aus hartem Holz geschnitzt sind. Der Vater zweier Töchter gibt sich jovial, nimmt das Du schnell in den Mund, was in Kärnten ebenso gang und gäbe ist wie sonst wo in Österreich.

          Bisweilen ringt er aber auch um Contenance, dem Vernehmen nach besonders dann, wenn er in Gefahr gerät, dass ihn der Zug zur Macht übermannen könnte. Wenn er sich selbst dabei ertappe, heißt es, lenke er seine überschüssige Energie ins Holzfällen um, eigenem Bekunden nach sein Steckenpferd. Weshalb er auch dienstlich schon einmal selbst zur Motorsäge greift, um eigenhändig und publizistisch wirkungsvoll Bäume zu fällen, die einem Verkehrsprojekt im Wege stehen.

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