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Gebet in der Hagia Sophia : Kulturkämpfer Erdogan

Premiere nach 86 Jahren: Freitagsgebet in der Hagia Sophia Bild: dpa

Es soll wohl eine Demonstration der Macht sein. Wie stark der türkische Präsident wirklich ist, zeigt sich aber nicht daran, ob er die Kraft hat, die Hagia Sophia in eine Moschee zurückzuverwandeln.

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          Sechsundachtzig Jahre nach der Umwidmung in ein Museum und erstmals seit der Rückumwandlung in eine Moschee haben sich in der Hagia Sophia Muslime zum Freitagsgebet versammelt, natürlich in Anwesenheit des türkischen Präsidenten, des Betreibers dieses in vielerlei Hinsicht einschneidenden Schritts.

          Von einem symbolischen Akt von kaum zu überbietender Dramatik sprach der frühere EKD-Ratsvorsitzende Huber. Das Oberhaupt der orthodoxen Kirche Griechenlands nannte ihn sogar schändlich und unheilig. Erdogan dürfte entsetzte bis empörte Reaktionen wie diese erwartet haben, vermutlich hat er sie sogar erhofft. Denn seine Sache ist die des Kulturkampfs, ist die Mobilisierung des Nationalismus der türkischen Muslime. Es ist die Macht.

          Der türkische Präsident inszeniert sich als später Nachfolger des Eroberers von Konstantinopel und die Türkei als Nachfolgerin des Osmanischen Reiches, als Weltmacht also. Eine solche Inszenierung braucht Symbole – die einstige Kathedrale der Byzantiner.

          Ob und wie sehr die Allmachtsphantasien mit Erdogan durchgehen, wie belastbar die ökonomischen Grundlagen für eine Großmachtpolitik tatsächlich sind, sei mal dahingestellt. Aber wie sehr er von machtpolitischen Zielen getrieben ist, zeigt sein Vorgehen im Nahen Osten, im Mittelmeer und in Nordafrika. Erdogan, der gewählte Autokrat, hat offenkundig wenig übrig für religiöse Toleranz. Er berauscht sich ja auch lieber an seinem aggressiven Gebaren gegenüber westlichen Ländern.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

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