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Haftstrafe für Fillon : Ein unvorstellbares Urteil

Der frühere Premierminister François Fillon und seine Frau Penelope am Montag im Gericht in Paris Bild: Reuters

Ein ehemaliger Regierungschef hinter Gittern? Das war in Frankreich früher undenkbar. Die Haftstrafe für François Fillon zeugt von dem politischen Sittenwandel, den das Land erlebt.

          3 Min.

          In Frankreich war es bislang unvorstellbar, einen ehemaligen Regierungschef hinter Gitter zu schicken. Deshalb hat der Urteilsspruch gegen den früheren Premierminister François Fillon am Montagnachmittag die Wirkung eines politischen Erdbebens entfaltet. Die Richter verurteilten den 66 Jahre alten Politiker wegen der Scheinbeschäftigung seiner Ehefrau zu einer Haftstrafe von fünf Jahren, davon drei auf Bewährung. Es könnte also durchaus sein, dass Fillon seine lange politische Karriere in einer Haftanstalt beenden muss, auch wenn seine Anwälte einen Berufungsprozess anstrengen wollen, wie sie mitteilten.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Fillons Ehefrau Penelope wurde zu einer Bewährungsstrafe von drei Jahren verurteilt. Beide müssen zudem eine Geldstrafe in Höhe von jeweils 375.000 Euro zahlen. Zudem entschied das Gericht, dass das Ehepaar Fillon und der ehemalige Abgeordnete Marc Joulaud, der für Fillon nachgerückt war, der Nationalversammlung eine Million Euro zurückzahlen müssen. Joulaud wurde ebenfalls zu einer Bewährungsstrafe von drei Jahren verurteilt, weil er Penelope Fillon als parlamentarische Mitarbeiterin weiter beschäftigt hatte, ohne erwiesene Gegenleistungen zu verlangen. Die Nationalversammlung war als Nebenkläger in dem Prozess aufgetreten.

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