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„Händler des Todes“ : Der Sieg des Viktor Bout

  • -Aktualisiert am

Diente als Vorbild für den Film „Lord of War”: Waffenhändler Viktor Bout Bild: AP

Der vielleicht mächtigste und fähigste Waffenhändler unserer Tage ist möglicherweise schon bald wieder auf freiem Fuß. Ein Richter in Bangkok hat entschieden, dass dem Auslieferungsbegehren der amerikanischen Regierung nicht entsprochen werden kann.

          Es war ein glänzendes Husarenstück, wie aus dem Lehrbuch für Agenten - oder auch aus einem Roman über Agenten. Die „Drug Enforcement Administration“ (DEA), die für den Kampf gegen Drogenschmuggel und -konsum zuständige Behörde des amerikanischen Justizministeriums, war schon lange hinter diesem „großen Fisch“ her. Der Mann war schwer zu fassen, er war erfahren und gerissen, und er hatte nicht nur sehr viel Geld, sondern zudem offenbar auch mächtige Beschützer.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Dann aber ging er den Beamten doch ins Netz. Es heißt, man habe damals, am 6. März 2008, als Viktor Bout in einem Luxushotel in Bangkok von der thailändischen Polizei festgenommen wurde, in den Büros der verantwortlichen DEA-Mitarbeiter buchstäblich vor Freude getanzt. Heute dürfte man sich dort die Haare raufen: Sollte alles umsonst gewesen sein? Jedenfalls hat ein Richter in Bangkok am Dienstag entschieden, dass dem Auslieferungsbegehren der amerikanischen Regierung nicht entsprochen werden kann und dass der 42 Jahre alte russische Staatsangehörige Viktor Anatoljewitsch Bout drei Tage nach dem Urteil freigelassen werden muss.

          Der „Händler des Todes“

          Bout ist der vielleicht mächtigste und fähigste Waffenhändler unserer Tage. Von ihm heißt es, er könne alles sofort überallhin liefern - von Boden-Luft-Raketen und AK-47-Sturmgewehren samt Munition über Frachtflugzeuge und Drohnen bis zu Gefrierhähnchen und Schnittblumen. Seine Laufbahn soll der in Duschanbe in der damaligen tadschikischen Sowjetrepublik geborene Bout bei der Luftwaffe begonnen haben, andere Quellen bringen ihn mit Spezialeinheiten der Sowjetarmee oder dem Geheimdienst KGB in Verbindung. Bout hat das Fremdspracheninstitut der Streitkräfte absolviert und soll neben Russisch und Englisch fließend Französisch, Portugiesisch und Arabisch sprechen.

          Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion machte er in den neunziger Jahren mit Dutzenden verschiedener Unternehmen für Luftfracht ein Vermögen. Zu seinen Kunden gehörten der frühere liberianische Präsident Charles Taylor, der sich derzeit in Den Haag vor dem Internationalen Sierra-Leone-Tribunal verantworten muss, allerlei Rebellenbewegungen in Afrika (zumal in Angola und im damaligen Zaire), im Nahen Osten (unter ihnen nach Überzeugung der CIA die libanesische Hizbullah) sowie schließlich in Afghanistan die einstige Nordallianz von Schah Massud und die Taliban, die er für deren Krieg gegeneinander gleichermaßen aufrüstete - oftmals mit den gleichen Waffen, die aus den gleichen Flugzeugen abgeworben wurde.

          Der bald als „Händler des Todes“ bekannte Bout flog aber auch im UN-Auftrag „Blauhelme“ in den Sudan, stellte afrikanischen Staatsoberhäuptern Charterflugzeuge zur Verfügung und transportierte Waffen für die neuen irakischen Streitkräfte nach der amerikanisch geführten Invasion vom März 2003 - wohlgemerkt im Auftrag Washingtons, wo man zu spät erkannte, wer hinter der beauftragten Firma steckte. In der Regel kamen die Waffen aus ehemaligen Ostblockstaaten wie Bulgarien, der Ukraine und Moldau, die Abnehmer waren in aller Welt. Bout leugnet die Waffenlieferungen nicht, er bestreitet aber, jemals etwas Illegales getan zu haben.

          Lebenslange Haft

          Fast zum Verhängnis wurde Bout, der wegen Ermittlungen von Interpol und einer Anklage wegen des Verdachts der Geldwäsche in Belgien nur noch selten von Russland aus ins Ausland reiste, die verdeckte Operation der amerikanischen DEA. Die hatte einen Agenten namens „El Comandante“ angeheuert, der sich als führendes Mitglied der „Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens“ (Farc) ausgab und sich an Luft-Boden-Raketen, Drohnen, Raketenwerfern sowie tausenden AK-47 samt Tonnen von Munition interessiert zeigte. Dem Agenten gelang es - offenbar in Zusammenarbeit mit dem thailändischen Geheimdienst -, Bout aus der Reserve und zum Abschluss des Geschäfts nach Bangkok zu locken.

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