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Nach amerikanischem Luftschlag : Assad noch fester in der Hand von Putin

Assad und Putin bei einem Treffen in Moskau: Die syrische Führung ist nun noch stärker von Russland abhängig. Bild: dpa

Moskau erfuhr wohl schon am Vorabend von dem amerikanischen Luftangriff in Syrien. Doch Putin musste tatenlos zusehen, wie Trump seinen Überraschungscoup landete. Und ist nun mit Assad in der Defensive.

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          Bis zum Aufstieg Donald Trumps, den Moskau lange wohlwollend bis euphorisch begleitet bis befördert hat, hatte Russlands Präsident Wladimir Putin ein Monopol auf militärische Überraschungscoups inne. Das ist spätestens seit dem amerikanischen Angriff auf die Luftwaffenbasis in der syrischen Provinz Homs in der Nacht auf Freitag vorbei. Laut dem amerikanischen Verteidigungsministerium war Moskau kurzfristig darüber informiert worden, dass Trump die Basis angreifen würde, als Reaktion auf den Luftangriff in der Provinz Idlib am Dienstag, der nach Überzeugung westlicher Staaten und Fachleute mit Chemiewaffen geführt wurde und Dutzende Menschen das Leben kostete.

          Friedrich Schmidt

          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Man habe nicht den Teil der Luftwaffenbasis angegriffen, auf dem russische Flugzeuge seien, hieß es aus Washington. Zur amerikanischen Warnung gab es aus Moskau zunächst keinen Kommentar. Moskau hat Abwehrraketen der Systeme S-300 und S-400 nach Syrien verlegt und damit, wie das kremltreue Portal „Wsgljad“ vor einem halben Jahr angab, „den Himmel über Syrien gegen amerikanische Marschflugkörper geschlossen“. Das russische Verteidigungsministerium spottete am Freitag zwar, nur 23 der von einem Kriegsschiff im Mittelmeer abgefeuerten 59 Marschflugkörper hätten ihr Ziel erreicht, nun suche man nach den übrigen Raketen und prüfe mögliche zivile Opfer. Aber über russische Versuche, die Marschflugkörper abzufangen, wurde nichts berichtet. Das Moskauer Verteidigungsministerium teilte nur mit, man werde die syrische Luftabwehr, die über ein älteres S-200-System verfügt, „in nächster Zeit“ stärken. Und nun hieß es aus dem Verteidigungsministerium nur noch, die eigenen Abwehrsysteme schützten „garantiert“ die russischen Stützpunkte in Syrien, neben der Luftwaffenbasis Hmeimim noch den Marinestützpunkt Tartus – also nicht mehr den ganzen Himmel über Syrien.

          Am Freitagmorgen reagierte das offizielle Moskau, der Bedeutung des Anlasses entsprechend, zuerst mit einer Mitteilung Putins. Der sehe den amerikanischen Angriff als „Aggression gegen einen souveränen Staat in Verletzungen von Normen des Völkerrechts“ unter einem „weit hergeholten Vorwand“, stand da. Der Angriff füge den russisch-amerikanischen Beziehungen „bedeutenden Schaden“ zu, „die auch ohnedies in einem jämmerlichen Zustand sind“. Zudem erschwere er die Gründung einer „internationalen Koalition“ zum Kampf gegen den Terror, die Trump im Wahlkampf als wichtiges Ziel herausgestellt habe. Putin sehe den Angriff als Versuch, die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit von zahlreichen zivilen Opfern im Irak abzulenken. Die syrische Armee habe keine Vorräte von Chemiewaffen, die Organisation für das Verbot Chemischer Waffen (OPCW) habe die Vernichtung der Vorräte bestätigt. Soweit der Präsident, und andere russische Politiker und das Außenministerium äußeren sich alsbald entsprechend.

          Moskau stellte sich auch nach dem Angriff am Dienstag vor den Verbündeten

          Mit dem Vorstoß zur Vernichtung der Chemiewaffen von Gewaltherrscher Baschar al Assad hatte Russlands Aufstieg in Syrien begonnen. Im August 2013 waren bei Angriffen mit dem Nervengas Sarin auf von Aufständischen gehaltene Vororte von Damaskus mehr als tausend Menschen getötet worden. Westliche Staaten, Trumps Vorgänger Barack Obama an der Spitze, erwogen einen Militäreinsatz. Russlands Außenminister Sergej Lawrow ergriff eine Initiative zur Vernichtung der syrischen Chemiewaffen, und Obamas „rote Linie“ an die Adresse Assads war Geschichte. „Sarin und andere nervenlähmende Giftstoffe sollten in Syrien im Prinzip nicht mehr sein“, schrieb der russische Außenpolitikfachmann Wladimir Frolow zum neuerlichen Sarin-Einsatz. Entweder seien nicht alle Vorräte syrischer Chemiewaffen deklariert und vernichtet worden, was schon lange vermutet worden sei, oder es sei eine neue Produktion begonnen worden, was wenig wahrscheinlich sei.

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