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Nach amerikanischem Luftschlag : Assad noch fester in der Hand von Putin

Aus Sicht Frolows war der Angriff vom Dienstag die Variation eines „klassischen Themas“, nämlich „der Schwanz wackelt mit dem Hund“. Assad kann sich in seinem ein ums andere Mal verkündeten Ziel, ganz Syrien zurückerobern zu wollen, auf seinen zweiten großen Verbündeten verlassen, das iranische Regime. An Assads fortgesetzten Angriffen krankte zuletzt auch der Verhandlungsprozess von Astana mit den „Garantiemächten“ Russland, Iran und Türkei. Wegen Verletzungen der Waffenruhe durch Assad lehnten die Aufständischen nach eigenen Angaben eine Teilnahme an den Gesprächen ab. Für Anfang Mai ist eine neue Gesprächsrunde in Astana angesetzt. Der Versuch Assads, mit dem Chemiewaffenangriff Russland vor vollendete Tatsachen zu stellen, sei offensichtlich, schrieb Frolow am Donnerstagabend, Stunden vor Trumps Angriff.

Nach Berichten über Verletzungen der Waffenruhe im Umfeld der Gespräche in Kasachstan hatte Moskau mitunter etwas Distanz von Assad erkennen lassen. Doch nach dem Angriff vom Dienstag stellte man sich vor den Verbündeten. Moskau hätte auf einer internationalen Untersuchung bestehen und zugleich hervorheben können, dass man sich, sollte Assad wirklich Sarin eingesetzt haben, von ihm distanziere. Damit hätte man sich noch immer nicht gegen ihn festgelegt, aber zugleich die Bedeutung des „Deals“ von 2013 zur Vernichtung der syrischen Chemiewaffen hervorgehoben, der nicht nur in Moskau als Erfolg russischer Diplomatie gilt (und dort überdies, den öffentlichen Klagen über den angeblichen Interventionisten Obama zum Trotz, als Beleg für die Schwäche der amerikanischen Außenpolitik, die Russland Raum zur Entfaltung geschaffen hat).

Moskauer Normalität

Doch statt rhetorisch-taktischer Distanz zu Assad forderte Moskau zwar eine gründliche Untersuchung des Vorfalls, trat aber zugleich mit einer Version des Geschehens hervor, die den Aufständischen, die, so das Verteidigungsministerium, Chemiewaffen produziert hätten, die Verantwortung für die Giftgastoten zuschob. Internationale Fachleute zerpflückten die Darstellung sofort. Die Reaktion des russischen Außenministeriums, das die Aufnahmen der Toten aus Idlib als „gestellt“ und als „Provokation“ bezeichnete, entsprach im Übrigen bis in die Formulierungen der Reaktion auf die Sarin-Angriffe von 2013. Womöglich rechnete Moskau auch dieses Mal damit, dass außer Bekundungen von Abscheu und Empörung im Westen neuerlich nichts folgen werde – und womöglich gibt der Kreml jetzt denjenigen Außenpolitikfachleuten Recht, die schon lange vor Trumps Unvorhersagbarkeit warnen.

Aber im Washingtoner Streit über Russlands Einflussnahme auf die amerikanischen Präsidentenwahlen war die Aussicht auf einen „großen Deal“ mit dem neuen Mann schon vor Wochen geschwunden. Um die Erwartungen, nun werde alles gut, auch in der Bevölkerung zu verringern, wurde Trump seit Mitte Februar auch in den gelenkten russischen Medien viel weniger erwähnt und erst recht nicht im heilsbringerischen Ton aus der Zeit von Wahlkampf und Amtsübernahme. Damit ist in Moskau die Normalität zurückgekehrt, in der die Vereinigten Staaten der große Widersacher sind, der für Missstände aller Art in der Welt und mittelbar auch in Russland selbst verantwortlich sei.

Die Aussichten für den Besuch des amerikanischen Außenministers Rex Tillerson in Moskau in der kommenden Woche, so der denn stattfindet, sind nach dem Angriff noch geringer. Die allfällige Moskauer Empörung umfasst nun die – jedenfalls demonstrative – Aussetzung eines Abkommens mit Washington, das Zwischenfälle der Luftwaffen beider Länder im Himmel über Syrien verhindern soll, sowie die Anrufung des UN-Sicherheitsrats. Doch militärisch und im Verhältnis zu Assad sind die Auswirkungen des Angriffs, die Zerstörung einiger syrischer Flugzeuge und der Tod einiger syrischer Soldaten, aus russischer Sicht nicht unbedingt von Nachteil: Der aufmüpfige Vasall ist nun noch abhängiger von Russlands Luftwaffe, in Idlib und darüber hinaus.

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