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Haditha-Massaker : 13 Marines vor Mordanklage

  • Aktualisiert am

Zieht Parallelen zu Abu Ghraib: Senator John Warner Bild: REUTERS

Amerikanische Soldaten sollen im November 24 irakische Zivilisten getötet haben. Das mutmaßliche Massaker war „schlimmer als Abu Ghraib“, sagte ein Abgeordneter. John Warner, Vorsitzender des Streitkräfteausschusses im Senat, demonstriert Härte.

          Der Vorsitzende des Streitkräfteausschusses des Senats, der Republikaner John Warner (Virginia), hat Anhörungen zur Aufklärung des Vorfalls vom 19. November 2005 in der Stadt Haditha nordwestlich von Bagdad angekündigt, bei dem bis zu 24 irakische Zivilisten von amerikanischen Marineinfanteristen getötet wurden.

          „Ich kann der amerikanischen Bevölkerung versichern, daß ich als Ausschußvorsitzender genau das gleiche tun werde wie im Fall von Abu Ghraib“, sagte Warner in der Nacht zum Montag dem amerikanischen Fernsehsender ABC. Der demokratische Abgeordnete und hochdekorierte Vietnam-Veteran des „Marine Corps“ John Murtha (Pennsylvania), der sich seit längerem um die Aufklärung des Vorfalls bemüht, sagte dem gleichen Fernsehsender, das mutmaßliche Massaker von Haditha sei „schlimmer als Abu Ghraib“, das Gefängnis in Bagdad, in dem irakische Gefangene von Amerikanern mißhandelt worden waren.

          Demnächst Anklage gegen 13 „Marines“

          Zu dem mutmaßlichen Massaker kam es, nachdem ein Marineinfanterist bei einem Bombenanschlag getötet worden war. Soldaten der Einheit des getöteten Gefreiten sollen daraufhin zunächst auf ein Taxi gefeuert und dabei dessen Fahrer und die vier Passagiere - Studenten auf dem Weg nach Hause - getötet haben. Bei einer anschließenden Razzia in zwei Häusern wurden nach Untersuchungen von Menschenrechtsorganisationen bis zu 20 weitere Zivilisten getötet, unter ihnen viele Frauen, Alte und Kinder. Viele von ihnen wurden nach Überzeugung des Abgeordneten John Murtha „kaltblütig erschossen“.

          Zunächst hatten die amerikanischen Streitkräfte von 15 Toten gesprochen, die bei der Explosion der Bombe und bei einem anschließenden Feuergefecht zwischen den amerikanischen Marineinfanteristen und irakischen Aufständischen getötet worden seien. Die mit dem Fall befaßten Militärermittler der amerikanischen Kriegsmarine werden nach Angaben der Tageszeitung „Los Angeles Times“ vom Wochenende in dem Fall demnächst Anklage wegen Mordes, fahrlässiger Tötung, Pflichtverletzung und Falschaussage erheben. Nach Erkenntnissen der Ermittler haben sich 13 „Marines“ der Tötung unbewaffneter Zivilisten, unter ihnen Frauen und Kinder, schuldig gemacht und anschließend versucht, das Massaker zu vertuschen.

          50 Tote bei Anschlägen

          Unterdessen sind am Montag im Irak bei Anschlägen fast 50 Personen getötet worden. In der Hauptstadt Bagdad starben mindestens 30 Iraker, als eine Bombe in einem Bus explodierte. Zahlreiche weitere Menschen seien verletzt worden, berichteten irakische Fernsehsender. Bei einem weiteren Anschlag auf einen Bus kamen in der rund 60 Kilometer nördlich von Bagdad gelegenen Stadt Bakuba elf irakische Bauarbeiter ums Leben.

          Nach Krankenhausangaben gab es zudem neun Verletzte. Bei einem Attentat auf ein amerikanisches Militärfahrzeug in Bagdad wurden zudem fünf irakische Passanten getötet. Der amerikanische Fahrer des Geländefahrzeugs überlebte verletzt, hieß es. Bereits am Sonntag abend waren zwei britische Soldaten im südirakischen Basra bei einem Bombenanschlag getötet worden.

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