Gyula Horn gestorben : Das Gesicht der Öffnung des Eisernen Vorhangs

Der frühere ungarische Ministerpräsident Gyula Horn ist tot. Horn war zu Berühmtheit gelangt, als er im Juni 1989 als Außenminister symbolisch den Eisernen Vorhang zwischen Ost- und Westeuropa durchschnitt.
Der Fall des Eisernen Vorhangs lag noch in ungewisser, wenn auch nicht mehr ganz in unvorstellbarer Zukunft, da wurde der damalige ungarische Botschafter in Bonn, István Horváth, vom Außen-Staatssekretär Gyula Horn zu einem Spaziergang auf der Margareteninsel in Budapest nach Hause gerufen. Es ging um eine äußerst heikle Sache: Horn waren vom ungarischen Geheimdienst Vermerke und Protokolle des deutschen Auswärtigen Amtes über seine eigenen Äußerungen in Bonn vorgelegt worden. Diese Äußerungen waren sehr freimütig gewesen und gar nicht im Sinne eines Sozialismus, den in seinem Lauf weder Ochs noch Esel aufhielten. Offenbar hatte die DDR-Stasi diese Dokumente an sich gebracht. Horn mahnte Horváth zur Vorsicht, er dachte aber keineswegs daran, sich künftig anders zu verhalten. Vielmehr beauftragte er den Botschafter, Helmut Kohls Vertrauten Horst Teltschik vor einem Spion mit sehr gutem Zugang im Auswärtigen Amt oder im Kanzleramt zu warnen. Zum damaligen Zeitpunkt – nach Horváths Erinnerung im Februar 1986 – war das eine (weitere) äußerst mutige Tat. Horn hätte wegen Landesverrats angeklagt werden können.





