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Guttenberg in Libyen : Klinkenputzen bei Gaddafi

Ein starker Tee für den Baron: Guttenberg auf dem Suk von Tripolis Bild: F.A.Z.

Deutschland will teilhaben am libyschen Wirtschaftswunder. In Tripolis wartet Wirtschaftsminister Guttenberg auf seiner dritten Auslandsreise zwar vergebens auf ein Treffen mit Gaddafi, meistert aber protokollarische Engpässe.

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          Karl-Theodor zu Guttenberg wäre ein schlechter fränkischer Freiherr, wenn ihm aus Anlass dieser Reise nicht Friedrich Rückert eingefallen wäre. Und er wäre nicht der medienbewusste Wirtschaftsminister, der er ist, wenn sich nicht auch in Libyen ein Plätzchen gefunden hätte, an dem man schöne Fotos machen kann.

          Berthold Kohler
          Herausgeber.

          Tripolis hat zwar keinen Times Square, aber einen alten Suk. Da muss der Afrika-Verein im Hotel eben noch etwas warten. Für zehn Minuten Selbstvermarktung hat Luft zu sein in diesen anderthalb Tagen, an denen der CSU-Mann im Dienste der deutschen Wirtschaft ansonsten in wenig fotogenen Sälen und Ministerien die Investitionsbrache Libyen beackert. Also auf zum Suk.

          In dem malerischen Hinterhof mit Wasserpfeife rauchenden Arabern auf Plastikstühlen, in den eine leibhaftige Prinzessin (von Bayern) den Baron entführt, sieht der Minister im dunklen Anzug aus wie ein Besucher vom andern Stern. Doch ist zu diesem Zeitpunkt noch unklar, ob das ultimative Libyen-Foto - das an der Seite des „Bruder Führers“ Gaddafi - zustande kommt. Da ist die Szenerie im Suk aus Tausendundeiner Nacht, gestellt für die „BamS“ (Schröder lässt grüßen), noch der beste fotografische Ersatzbeweis dafür, dass der rasende Minister nach Amerika und Russland nun den arabischen Teil Afrikas besucht hat, um auch dort das Geschäft deutscher Unternehmer zu unterstützen.

          Guttenberg mit seiner Ehefrau Stephanie in der imposanten Ruinenstadt Leptis Magna
          Guttenberg mit seiner Ehefrau Stephanie in der imposanten Ruinenstadt Leptis Magna : Bild: F.A.Z.

          Geld ist auch in der Krise mehr als genug da

          Unter denen ist Libyen begehrt wie nie. Der altersmilde gewordene Revolutionsführer Gaddafi hat mit seinem Ende 2003 verkündeten Beschluss, dem internationalen Terrorismus abzuschwören und seine Massenvernichtungswaffen-Programme den Amerikanern zur Aufbewahrung anzuvertrauen, sein Land zum Traum der schlaflosen Nächte rezessionsgeplagter Unternehmer in der ganzen Welt gemacht.

          Nach vierzig Jahren Diktatur des Grünen Buches und vierzehn Jahren Sanktionen gehörte Libyen, der viertgrößte Öllieferant Deutschlands, zu den rückständigsten Ländern Afrikas. Doch sitzt es auch auf riesigen Öl- und Gasvorräten und hat vor dem Einbruch des Ölpreises prächtig daran verdient.

          Um elf Prozent soll die libysche Wirtschaft zuletzt gewachsen sein und auch weiter so wachsen, wo doch sonst fast überall rote Zahlen regieren. Geld ist in Libyen auch in der Krise mehr als genug da und inzwischen auch der Wille, es zum Nutzen des Landes zu nutzen - schon allein um die bestehenden Herrschaftsverhältnisse zu stabilisieren. Dutzende von Milliarden will die libysche Führung jedes Jahr in die Maximierung der Energiegewinnung bis hin zur Nutzung von Solarstrom, in die Erneuerung der kompletten Infrastruktur, den Bau von Schulen und Krankenhäusern und in die Industrialisierung des Landes stecken. Ausländische Investitionen und entsprechendes Knowhow sind daher hochwillkommen - solange alles unter der Kontrolle des Gaddafi-Clans bleibt.

          Höchste Zeit, dass auch Berlin Flagge zeigte

          Längst balgen sich alle um ein großes Stück des libyschen Kuchens: Sarkozy, der den Obersten, der Gefallen an seinem neuen Prestige als geläuterter Bösewicht gefunden hat, in Paris zelten ließ; die Amerikaner, die den „tollwütigen Hund“ (Reagan) jetzt eher wie einen Königspudel behandeln; Berlusconi, der den Diktator zum G-8-Gipfeltreffen im Juli eingeladen hat; die Russen, die immer präsent sind, wenn Gefahr für ihr Gasmonopol droht; und natürlich die Chinesen, die die Preise verderben. Da war es höchste Zeit, dass auch Berlin Flagge zeigte.

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