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Weltnaturkonferenz : Guterres: Orgie der Zerstörung stoppen

„Der einzige Planet, den wir haben“ – eine Projektion von Aktivisten begrüßt die Teilnehmer der Weltnaturkonferenz in Montreal. Bild: AFP

Auf der Weltnaturkonferenz in Montreal stehen schwierige Verhandlungen bevor. Umweltministerin Lemke kritisiert im F.A.Z.-Interview China.

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          In den Vorverhandlungen für ein neues, globales Rahmenwerk zum Schutz der Natur in Montreal ist kein Durchbruch gelungen. Beobachter bezeichneten die Ergebnisse bestenfalls als ambivalent. Die Fachleute, die vom 3. bis 5. Dezember versucht hatten, die zahlreichen offenen Fragen zu lösen, übergeben der Konferenz nun einen Grobentwurf, „der in vielen Elementen herausfordernd zu verhandeln sein wird“, hieß es.

          Katja Gelinsky
          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin

          Die Exekutivdirektorin des UN-Umweltprogramms, Inger Andersen, sowie die Chefin der UN-Biodiversitätskonvention, Elizabeth Maruma Mrema, mahnten am Dienstag in Montreal, es sei höchste Zeit, dass die Verhandlungsführer sich aufeinander zubewegten.

          In den Verhandlungen habe man sich zunächst auf die am wenigsten strittigen Punkte konzentriert, sagte der Geoökologe Axel Paulsch vom Institut für Biodiversität, der als Beobachter in Montreal ist, der F.A.Z. Über die Formulierung einiger weniger Ziele in dem geplanten Abkommen habe man sich geeinigt: über die Berücksichtigung indigener Völker und lokaler Gemeinschaften in Entscheidungsprozessen, über das Ziel der Gender-Gerechtigkeit sowie das der besonderen Berücksichtigung der Belange von Frauen und Mädchen.

          Zu Schlüsselfragen, wie dem Ziel, 30 Prozent der Land- und Meeresfläche unter Schutz zu stellen, sei aber keine Annäherung erzielt worden, ebenso wenig wie über die finanzielle Unterstützung der Entwicklungsländer beim Schutz der Artenvielfalt. Als schwierig wurden auch die geplanten Ziele für die Privatwirtschaft bezeichnet.

          Guterres schlägt Alarm

          Zur feierlichen Eröffnung der Konferenz am Dienstagnachmittag Ortszeit sprach unter anderem der kanadische Premierminister Justin Trudeau. China, das die Präsidentschaft der Konferenz innehat, wird durch den chinesischen Minister für Ökologie und Umwelt, Huang Runqiu, vertreten. Runqui sprach von einem „historischen Moment“. Es brauche effektive Lösungen, um die Biodiversitätskrise zu bewältigen. China werde sich bemühen, die Differenzen zwischen den Delegationen zu überbrücken.

          Eindringliche Appelle an die versammelten Delegationen richtete UN-Generalsekretär António Guterres. Es sei höchste Zeit, für einen „Friedensschluss mit der Natur“ und einem starken Abkommen zum Schutz der Artenvielfalt auf der Erde“, sagte Guterres am Dienstag in Montreal bei der Eröffnungsfeier des Gipfels. „Wir führen Krieg gegen die Natur.“

          Die Menschheit behandle die Natur wie eine Toilette, sagte Guterres weiter. „Und letztendlich begehen wir damit stellvertretend Suizid, denn der Verlust von Natur und Artenvielfalt kommt mit gewaltigen Kosten für die Menschheit.“ Beim Weltnaturgipfel müsse die „Orgie der Zerstörung“ beendet werden - „keine Ausreden. Keine Verzögerungen. Versprechen müssen gehalten werden“.

          Umweltministerin Steffi Lemke (Grüne), die Deutschland vertreten wird, übte im Interview mit der F.A.Z. indirekt Kritik an China: „Über die Position von Ländern, die zu globalen Playern des Wirtschaftswachstums und des Naturverbrauchs gehören, aber keine finanzielle Unterstützung leisten wollen, wird in Montreal sicherlich zu reden sein.“

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