https://www.faz.net/-gpf-pwgj

Guantánamo : Militär untersucht Mißbrauchsvorwürfe

  • Aktualisiert am

Gefangener auf Guantanamo Bay Bild: picture-alliance / dpa

Ermittler der amerikanischen Bundespolizei FBI werfen dem Militär vor, auf dem Stützpunkt Guantánamo Gefangene mißhandelt zu haben. Ein FBI-Mann ist überzeugt: Rumsfeld billigte die entwürdigenden Methoden.

          1 Min.

          Das amerikanische Militär hat Ermittlungen zu den Vorwürfen der Gefangenenmißhandlung auf dem Militärstützpunkt Guantánamo eingeleitet. Wie ein Sprecher des Südlichen Kommandos in Miami, das das Militärgefängnis beaufsichtigt, mitteilte, werden sich die Untersuchungen auf Anschuldigungen konzentrieren, die Ermittler der Bundespolizei FBI erhoben haben.

          In Vermerken und elektronischen Postsendungen beschreiben FBI-Ermittler, die in Guantanamo tätig waren, daß Gefangene stundenlang unter extremen Temperaturen mit den Händen und Füßen an den Boden gekettet worden seien und sich dabei mit ihren eigenen Fäkalien beschmutzt hätten.

          FBI-Mitarbeiter: Rumsfeld billigte Methoden

          Einige der FBI-Berichte, deren Veröffentlichung zum Teil von Bürgerrechtlern erstritten worden war, entstanden Ende 2002, also ein Jahr bevor der Mißhandlungsskandal im irakischen Gefängnis Abu Ghraib bekannt wurde. In einem Bericht vom Januar dieses Jahres äußert ein FBI-Mitarbeiter die Überzeugung, daß die Verhörtechniken von Verteidigungsminister Rumsfeld oder von dessen Stellvertreter Wolfowitz gebilligt worden seien. Das Pentagon und das Weiße Haus haben dagegen stets versichert, es habe keine Regierungsanweisung zur Mißhandlung von Gefangenen gegeben.

          Die Untersuchungen zu Guantanamo werden von Brigadegeneral John Furlow geleitet, der noch diese Woche gemeinsam mit einem Militärjuristen auf dem Militärstützpunkt erwartet wird. Nach Angaben eines Militärsprechers soll Furlow Anfang Februar einen Bericht vorlegen. Doch gilt es als wahrscheinlich, daß er eine Verlängerung seines Untersuchungsauftrages beantragen wird. Nach Angaben des Pentagons sind bislang gegen 137 Angehörige der amerikanischen Streitkräfte Maßnahmen wegen der Mißhandlung von Gefangenen, vor allem im Irak, eingeleitet worden.

          Unterdessen behauptet ein australischer Guantanamo-Gefangener, der im Herbst 2001 als mutmaßliches Al-Qaida-Mitglied in Pakistan festgenommen worden war, amerikanische Ermittler hätten ihn in sein Geburtsland Ägypten gebracht, wo er sechs Monate lang unter anderem mit Elektroschocks gefoltert worden sei. Andere, mittlerweile freigelassene Guantanamo-Gefangene haben ausgesagt, der Häftling, Mamdouh Habib, sei bei seiner Ankunft in Guantanamo in einem „katastrophalen Zustand“ gewesen, unter anderem hätten ihm sämtliche Fingernägel gefehlt.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.