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Guantánamo : Jeder Häftling ein Problem für sich

  • -Aktualisiert am

Omar Khadr auf einer Videoaufzeichnung, die während eines Verhörs in Guantánamo entstand Bild: dpa

Die Schließung Guantánamos stellt die amerikanische Regierung vor mannigfaltige Probleme. Noch etwa 240 Häftlinge aus unterschiedlichen Nationen werden auf Kuba festgehalten - was soll mit ihnen passieren? Matthias Rüb stellt fünf Insassen exemplarisch vor.

          240 bis 245 Gefangene werden noch in Guantánamo festgehalten. Grob können sie in drei Gruppen unterteilt werden: etwa 60 gelten nach Erkenntnissen des Pentagons nicht mehr als gefährlich und können nach Ansicht der Regierung freigelassen werden. Gegen 60 bis 80 Männer soll Anklage erhoben werden, wobei den Militärtribunalen nur Anklageschriften gegen 21 Gefangene vorlagen, als Präsident Obama vorige Woche die Aussetzung der Tribunale verfügte.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Schließlich gibt es eine „mittlere“ Gruppe von 105 bis 125 Männern, die weiter als gefährlich gelten, gegen die aber derzeit keine Anklagen vorbereitet werden. Seit Eröffnung des Lagers im Januar 2002 wurden „mehr als 525“ Männer freigelassen, gut zwei Drittel von ihnen wurden in deren Heimatländer Afghanistan, Pakistan und Saudi-Arabien überstellt. Dagegen hatten Gefangene aus Algerien, China und Jemen bisher die geringsten Chancen, freizukommen. Jeder Fall stellte oder stellt die amerikanische Regierung vor eigene Probleme.

          Der Kindersoldat

          Omar Khadr wurde am 19. September 1986 in Toronto als Kind einer pakistanischen Einwandererfamilie geboren. Der 22 Jahre alte Kanadier mit der Gefangenennummer 766 ist heute der einzige Angehörige eines westlichen Staates unter den Gefangenen und zudem der jüngste Insasse. Die Regierungen in Ottawa wurden von der kanadischen Öffentlichkeit weithin kritisiert, weil sie sich nicht entschiedener für die Überstellung Khadrs eingesetzt haben. Zum Zeitpunkt seiner Festnahme bei einem Feuergefecht in Afghanistan am 22. Juli 2002 war der als „Kindersoldat von Guantánamo“ bekannte Khadr 15 Jahre alt.

          Omar Khadr auf einer Videoaufzeichnung, die während eines Verhörs in Guantánamo entstand Bilderstrecke

          Er wurde beim Abwurf zweier 500-Pfundbomben auf das Gebäude, in dem er sich aufhielt und aus welchem eine amerikanische Spezialeinheit beschossen wurde, sowie während des anschließenden Feuergefechts schwer verletzt, erblindete auf dem linken Auge. Nach Überzeugung der Anklage warf der schwer verwundete Jugendliche eine Handgranate, die den amerikanischen Sanitätssoldaten Christopher Speer tötete. Khadr gehört zur Gruppe der 21 Angeklagten in Guantánamo. Die Anklage lautet auf Mord, versuchten Mordes, Verschwörung, Unterstützung einer terroristischen Vereinigung und Spionage; im Falle einer Verurteilung droht Khadr eine lebenslange Freiheitsstrafe. Bei seinen bisherigen Anhörungen vor Gericht trug Khadr die weiße Kleidung der kooperationswilligen Gefangenen, nicht die orangefarbene der widerspenstigen oder besonders gefährlichen.

          Usamas Fahrer

          Mit dem Namen Salim Hamdans, der 1980 in Hadramaut im Jemen geboren wurde, ist das bahnbrechende Verfahren „Hamdan gegen Rumsfeld“ vor dem Obersten Gericht in Washington verbunden, das seine ehrenamtlich für ihn tätigen Anwälte angestrengt hatten. Das Gericht entschied im Juni 2006, dass die bis dahin praktizierten Verfahren vor Militärgerichten verfassungswidrig seien und gegen die Genfer Konvention verstießen. Daraufhin verabchiedete der Kongress im Oktober 2006 ein neues Gesetzespaket über Verfahren in Guantánamo, den Military Commissions Act (MCA), auf dessen Grundlage dann auch gegen Hamdan verhandelt wurde.

          Hamdan, der in Afghanistan als Fahrer Usama bin Ladins tätig war, war am 24. November 2001 nach einem Feuergefecht mit afghanischen Truppen festgenommen und den Amerikanern überstellt worden. Im August 2008 wurde Hamdan, Gefangenennummer 149, von einem Militärgericht in Guantánamo zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt, fünf Jahre der Internierung in Guantánamo wurden auf die Strafe angerechnet. Der Gerichtsvorsitzende bezeichnet Hamdan als „kleinen Fisch“ im Umkreis des von Bin Ladin geführten Terrornetzes Al Qaida. Die Anklage hatte wegen Verschwörung und Unterstützung einer terroristischen Vereinigung 30 Jahre bis lebenslange Haft gefordert. Das Urteil gegen Hamdan wurde in den Medien als Beweis bezeichnet, dass die Militärgerichte in Guantánamo in fairen Verfahren zu gerechten Urteilen kommen können. Im November 2008 wurde Hamdan nach Sanaa im Jemen geflogen, wo er heute mit seiner Frau und seinen beiden acht und sechs Jahre alten Töchtern leben soll.

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