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Nach Gruppenvergewaltigung : Inder fordern Zwangskastration und Todesstrafe für Täter

Demonstranten gehen in Kalkutta nach der Vergewaltigung einer 27 Jahre alten Tierärztin auf die Straße. Bild: dpa

Die Vergewaltigung einer 27 Jahre alten Tierärztin ruft in Indien große Wut hervor. Politiker und Demonstranten schießen allerdings über das Ziel hinaus.

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          Nach einem besonders brutalen Verbrechen gehören Zorn und Rachegelüste zu den natürlichen Reaktionen. Nach der Vergewaltigung und Ermordung einer 27 Jahre alten Tierärztin sind in Indien manche Politiker und Demonstranten allerdings über das Ziel hinausgeschossen. Sie forderten nicht nur die Todesstrafe für die mutmaßlichen Täter. Auch Zwangskastrationen und das öffentliche Aufhängen der vier Männer, die sich nacheinander an der Frau vergangenen haben sollen, gehörten zu den Vorschlägen. „Diese Art von Leuten muss in die Öffentlichkeit gezerrt und gelyncht werden“, sagte die Abgeordnete Jaya Bachchan am Montag in der Rojya Sabha, der zweiten Kammer des indischen Parlaments.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Am selben Tag gingen laut indischen Medienberichten in Delhi Dutzende Menschen auf die Straße, um harte Strafen für die Täter zu fordern. Sie trugen Plakate mit Slogans wie „Hängt die Vergewaltiger!“ oder „Wir fordern Gerechtigkeit!“. Emotional waren die Reaktionen wohl auch deshalb, weil es nicht der erste Vorfall dieser Art ist. Im Jahr 2012 hatte die Gruppenvergewaltigung einer Studentin in einem Bus in Delhi in ganz Indien Entsetzen hervorgerufen. Landesweit waren die Menschen wochenlang auf die Straße gegangen. Damals war das Thema Gewalt gegen Frauen und Mädchen ins öffentliche Bewusstsein gerückt. Da es regelmäßig zu solchen Gewaltexzessen kommt, ist es nicht wieder verschwunden.

          Sie taten so, als wollten sie helfen

          Auch im gegenwärtigen Fall waren die Täter mit roher Gewalt über ihr Opfer hergefallen. Wie die Polizei im Bundesstaat Telangana mitteilte, war die Tierärztin aus der Stadt Hyderabad am vergangenen Mittwoch auf einem Motorroller unterwegs. Nachdem sie ihn in der Nähe einer Mautstation abgestellt hatte, soll einer der Männer einen Reifen zerstochen haben. Als die Frau zum Roller zurückkehrte, hätten die Männer ihr Hilfe angeboten. Vor der Vergewaltigung gelang es ihr demnach noch, ihre Schwester anzurufen. Sie berichtete ihr, dass sie sich vor den Männern fürchte. Ihr Gefühl trügte nicht. Denn anstatt den Roller zu reparieren, verschleppten sie die Frau an einen versteckten Ort in der Nähe und vergewaltigten sie nacheinander.

          Am Ende der Tortur wurde die Frau den indischen Medienberichten zufolge von einem der Männer erstickt. Ihren leblosen Körper setzten sie demnach unter einer Autobahnbrücke, 25 Kilometer vom Ort der Vergewaltigung entfernt, mit Benzin in Brand. Dort wurden die Überreste ihres Leichnams am frühen Donnerstagmorgen gefunden. Einige Stunden später wurden vier Verdächtige verhaftet. Ihnen droht auch nach den jetzt geltenden Gesetzen die Todesstrafe. Nach dem Vergewaltigungsfall in Delhi 2012 hatte die indische Regierung die Höchststrafe ändern lassen. Für Unmut sorgt derzeit, dass die Urteile gegen die damaligen Täter bis heute nicht vollstreckt wurden.

          Vor der Polizeistation in Hyderabad, in der die vier Täter festgehalten wurden, kam es am Wochenende zu Protesten. Etwa 100 Demonstranten forderten „sofortige Gerechtigkeit“. Nur mit Mühe gelang es der Polizei, die aufgebrachte Menge von der Erstürmung der Station abzuhalten. Die Polizei hat auch wütende Reaktionen auf sich gezogen, weil die Beamten offenbar mit Verzögerung ermittelt hatten, als die Familie der Tierärztin diese als vermisst meldete. Die Angehörigen wiesen die Beileidsbekundungen von Politikern und Polizeivertretern zurück. Das Eingangstor zu der Wohnanlage, in der die Familie lebt, ist derzeit geschlossen: „Keine Medien, keine Polizei, keine Außenstehenden – Kein Beileid, nur Taten, Gerechtigkeit“, heißt es den Berichten zufolge auf einem Schild am Eingang.

          Die Politiker beeilten sich dennoch, die Tat zu verurteilen. Der Ministerpräsident des Bundestaats Telangana sprach von einem „grausamen Verbrechen“ und ordnete ein Schnellverfahren zu Verurteilung der Täter an. Der Oppositionspolitiker Rahul Gandhi schrieb auf Twitter: „Wie jemand einen anderen Menschen solch einer schrecklichen, unprovozierten Gewalt aussetzen kann, geht über jede Vorstellungskraft hinaus.“ Indiens Verteidigungsminister Rajnath Singh sagte, die Tat habe Schande über das ganze Land gebracht. Er signalisierte Offenheit der Regierung für eine weitere Gesetzesverschärfung.

          Für viele ist der neue Fall ein Zeichen dafür, dass sich seit 2012 nur wenig verbessert hat. Allein im Jahr 2017 wurden mehr als 32000 Vergewaltigungen zur Anzeige gebracht. Es wird aber vermutet, dass die Dunkelziffer in dem Land mit 1,3 Milliarden Menschen deutlich höher liegt.

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