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Großbritanniens Außenpolitik : Gegen Peking, gegen Moskau

Der britische Premierminister Boris Johnson empfängt den amerikanischen Außenminister Mike Pompeo. Bild: AP

Die Regierung Johnson legt sich gleich mit zwei Großmächten auf einmal an. Die neue Außenpolitik Londons folgt einer eigentümlichen Mischung aus Idealismus und Pragmatismus.

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          Bemerkenswert selbstbewusst trotzt das Vereinigte Königreich gleich zwei Großmächten auf einmal. Die Regierung Johnson bezeichnet Russland als „Bedrohung der nationalen Sicherheit“, verhängt im Alleingang Sanktionen gegen Moskauer Staatsbedienstete und gelobt, in den Worten des Außenministers, „Großbritannien und die Demokratie resolut gegen solch feindliche Länder zu verteidigen“. Gleichzeitig wehrt sich London gegen Pekings neues Sicherheitsgesetz, indem es drei Millionen Hongkongern eine Zuflucht anbietet, prangert die Menschenrechtsverletzungen in der Provinz Xinjiang an und drängt chinesische Kommunikationsunternehmen wie Huawei und womöglich auch Byte Dance (Tik-Tok) aus dem britischen Markt.

          Zuletzt gab es eine solche doppelte Frontstellung unter imperialen Vorzeichen – als die Briten im 19. Jahrhundert in Russland um die Krim kämpften und in China für eine Öffnung der Handelswege. Damals stand das britische Weltreich allerdings im Zenit seiner Macht, und China war ein Schatten seiner selbst. Im 21. Jahrhundert verteidigt Britannien nicht mehr hegemoniale Interessen, sondern ein bedrängtes Wertesystem. Krieg steht nicht auf dem Programm, und doch sind die geschrumpften militärischen Muskeln gespannt. Beharrlich dringt London auf eine stärkere Nato-Präsenz in den baltischen Staaten, und unlängst tat die Regierung kund, den Flugzeugträger „Queen Elizabeth“ ins Südchinesische Meer zu verlegen.

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