https://www.faz.net/-gpf-9zsq2

Großbritannien : Erster Rücktritt in Affäre um Chefberater Cummings

  • Aktualisiert am

Bereut nichts: Regierungsberater Dominic Cummings Bild: AFP

Weil er die Corona-Reisebeschränkungen nicht beachtet hat, ist der britische Regierungsberater Cummings in die Kritik geraten. Nun hat Staatssekretär Douglas Ross sein Amt niedergelegt – aus Protest gegen Cummings’ Verhalten.

          2 Min.

          Aus Protest gegen das Verhalten des britischen Regierungsberaters Dominic Cummings in der Corona-Krise ist Staatssekretär Douglas Ross zurückgetreten. Cummings Interpretation der Ausgangsbeschränkungen „können die meisten Menschen, die die Regeln der Regierung befolgen, nicht nachvollziehen“, schrieb Ross am Dienstag an Premierminister Boris Johnson. In Johnsons Konservativer Partei hatte es schon zuvor scharfe Kritik an Cummings gegeben. Britische Kommentatoren schließen weitere Rücktritte nicht aus.

          „Ich habe Wähler, die sich nicht von ihren Liebsten verabschieden konnten, Familien, die nicht zusammen trauern konnten, Menschen, die nicht ihre kranken Verwandten besuchten, weil sie die Regeln der Regierung befolgten“, so der Staatssekretär für Schottland. Er könne doch nicht allen sagen, sie lägen falsch und Cummings richtig.

          Douglas Ross (rechts) im November 2019 mit Premierminister Boris Johnson auf dem Weg zu einer Wahlveranstaltung bei Elgin in Schottland
          Douglas Ross (rechts) im November 2019 mit Premierminister Boris Johnson auf dem Weg zu einer Wahlveranstaltung bei Elgin in Schottland : Bild: AFP

          Cummings hatte am Montag in einer einstündigen Pressekonferenz Vorwürfe, er habe Ausgangsbeschränkungen mit einer Reise zu seinen Eltern ignoriert, strikt zurückgewiesen. Er bedaure sein Verhalten nicht und habe auch nie einen Rücktritt in Erwägung gezogen, so Cummings, der als hochintelligent und unberechenbar gilt.

          Empörung in Großbritannien

          Der Chefberater hatte als Grund für die Reise Ende März nach Durham im Nordosten Englands angegeben, dass er so die Betreuung seines kleinen Sohnes sicherstellen wollte: Seine Frau sei an Covid-19 erkrankt, und er selbst habe mit einer Ansteckung gerechnet. Auf große Empörung stieß in Großbritannien, dass er von dort zu einem etwa 50 Kilometer entfernten Schloss gefahren war, um nach eigenen Angaben seine Sehkraft nach der überstandenen Infektion zu testen. Der Vorfall war durch eine Anzeige ans Licht gekommen.

          Es gebe große Bedenken beim staatlichen Gesundheitsdienst NHS, dass Cummings Äußerungen das Vertrauen in die Regierung und in Maßnahmen zur Pandemie-Eindämmung schwächen könnten, sagte Niall Dickson von der Dachorganisation NHS Confederation. „Man kann es gar nicht oft genug sagen, dass die Handlungsanweisungen tatsächlich schon Tausende Leben gerettet haben“, sagte er dem Sender BBC. Geistliche, die Cummings Verhalten kritisiert hatten, erhielten nach eigenen Angaben über soziale Medien Morddrohungen.

          Die mutmaßlichen Verstöße von Cummings stehen im krassen Gegensatz zur Politik Johnsons, der seit einer eigenen Covid-19-Erkrankung vehement auf die Einhaltung der Corona-Ausgangsbeschränkungen pocht. Dennoch hält Johnson bisher an seinem Topberater fest, der als der Stratege hinter dessen Brexit-Kurs gilt. Laut den britischen Corona-Verhaltensregeln muss sich jeder, der Symptome einer Corona-Infektion hat, in seiner eigenen Wohnung in Quarantäne begeben.

          Weitere Themen

          Trump will „patriotischen“ Unterricht an Schulen Video-Seite öffnen

          Nationale Einheit : Trump will „patriotischen“ Unterricht an Schulen

          Präsident Donald Trump hat für „patriotische“ Unterrichtsinhalte an Schulen geworben. Er übte Kritik an Programmen, die die Sensibilität für rassistische Verhaltensweisen und Einstellungen fördern sollen: Diese seien „ideologisches Gift“.

          Topmeldungen

          Neue Bundesliga-Saison : Ohne Bayern-Bonus

          Der Meister muss im leeren Stadion spielen, weil die Zahl der Neuinfektionen zu hoch ist. Doch vor dem Auftakt der Bundesliga spricht Trainer Hansi Flick auch über Personalien.

          Anke Engelke im Interview : „Ich bin die, die beim Dreh am meisten lacht“

          Schauspielerin und Komikerin Anke Engelke spricht im Interview über Hygieneregeln im Tonstudio, fatale Frisuren – und erklärt, warum ihre ernste Rolle in „Das letzte Wort“ sich gar nicht so sehr von komischen Rollen unterscheidet.
          Newcastle im September

          Corona-Lage in Großbritannien : Auf dem Weg zum zweiten Lockdown?

          In Großbritannien steigt die Infektionsrate scharf an. Das wurde lange Zeit entspannt gesehen. Nun geht auch die Zahl der Krankenhauseinlieferungen nach oben. Schon gibt es lokale Lockdowns.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.