https://www.faz.net/-gpf-6zf6e

Großbritannien : Murdoch bestreitet Einflussnahme auf Politiker

Im Zentrum: Rupert Murdoch Bild: AFP

Der Medienunternehmer Rupert Murdoch hat vor einer Londoner Untersuchungskommission bestritten, auf britische Politiker Einfluss genommen zu haben. Ein persönlicher Berater des Kulturministers trat in dieser Sache derweil zurück.

          2 Min.

          Der Medienunternehmer Rupert Murdoch hat in einer langen Zeugenvernehmung in London bestritten, Einfluss auf Politiker zur Förderung seiner eigenen Geschäftsinteressen ausgeübt zu haben. Sein Sohn James hatte zuvor vor der Untersuchungskommission des Londoner Richters Leveson ausgesagt, dass Murdochs Medienunternehmen News Corporation, welches den britischen Bezahl-Fernsehsender BSkyB zu 100 Prozent erwerben wollte, in enger Verbindung mit jenem Regierungsressort stand, dass den Verkauf aufsichtsrechtlich zu genehmigen hatte.

          Johannes Leithäuser

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Rupert Murdoch gewann als Medienunternehmer in Großbritannien an Bedeutung, nachdem er zunächst die Boulevardzeitung „Sun“ und später die Tageszeitungen „Times“ und „Sunday Times“ erwarb. Zu jener Zeit, im Jahre 1981, war Murdoch zum Mittagessen zu Gast auf dem offiziellen Landsitz der damaligen Premierministerin Thatcher. Am Mittwoch sagte er während seiner Vernehmung, er habe „niemals einen Premierminister um irgendetwas gebeten“.

          Unterdessen musste sich der aktuelle britische Kulturminister Hunt gegen Rücktrittsforderungen der Labour-Opposition wehren, die mit dem unziemlich engen Kontakt zwischen Hunt und dem Murdoch-Konzern während der Verkaufsgespräche über BSkyB begründet wurden. Aus Email-Nachrichten des Murdoch-Emissärs, welcher den Kontakt zu Hunts Ministerium hielt, ergaben sich Hinweise auf eine häufige, enge Verbindung zwischen dem Büro des Ministers und James Murdoch. Während Minister Hunt am Mittwoch vor dem Unterhaus beteuerte, er habe sich in der Sache untadelig verhalten, trat einer seiner persönlichen Berater von seinem Posten mit der Begründung zurück, er habe in den Verhandlungen über den - inzwischen gescheiterten - BskyB-Verkauf zu große Nähe zum Murdoch-Konzern gehabt.

          Den Hintereingang benutzt

          James Murdoch gestand in seiner Vernehmung ein, in den Tagen des anhängigen BSkyB-Verkaufs auch Premierminister Cameron persönlich auf einer privaten Feier begegnet zu sein, ohne aber mit ihm über dieses Geschäft gesprochen zu haben. Murdoch sagte, er habe mit Cameron mehrfach persönliche Begegnungen gehabt, als jener noch Oppositionsführer gewesen sei.

          Er habe Cameron vor der Unterhauswahl des Jahres 2010 auch persönlich darüber informiert, dass die „Sun“ offiziell ihre Unterstützung für die Labour-Partei aufgeben und stattdessen zur Wahl der Konservativen aufrufen werde. Rupert Murdoch bestätigte, dass er nach der Wahl Camerons zum Premierminister bei einem Besuch in dessen Amtssitz 10 Downing Street den Hintereingang benutzt habe; dies sei geschehen, weil man ihn darum gebeten habe.

          Die Untersuchungskommission des Richters Leveson hat zum Auftrag, die Umstände der Abhöraffäre aufzuklären, in die vor allem Zeitungen des Murdoch-Konzerns verwickelt waren; außerdem soll sie Indizien für eine zu große Nähe zwischen Medienunternehmen und Politikern und Vorschläge für eine wirksamere Pressekontrolle in Großbritannien sammeln.

          Weitere Themen

          Mehr Zeit für neue Skandale

          Trumps Impeachment-Prozess : Mehr Zeit für neue Skandale

          Der Impeachment-Prozess gegen Donald Trump soll erst am 9. Februar eröffnet werden. Bis dahin hoffen die Demokraten auf neue Skandale, die der Anklage weitere Munition liefern.

          Topmeldungen

          Donald und Melania Trump am vorigen Mittwoch in Washington

          Trumps Impeachment-Prozess : Mehr Zeit für neue Skandale

          Der Impeachment-Prozess gegen Donald Trump soll erst am 9. Februar eröffnet werden. Bis dahin hoffen die Demokraten auf neue Skandale, die der Anklage weitere Munition liefern.
          Mehr Unterstützung aus Washington: Amerikanische Forscher von Regeneron arbeiten am experimentellen Antikörper-Medikament.

          Antikörper-Medikament : Was auch bei Trumps Genesung half

          Ein amerikanisches Antikörper-Präparat erhält eine Notzulassung, 200.000 Dosen kauft die Bundesregierung. Deutsche Wissenschaftler vermissen Unterstützung bei ihrer Forschung – so würden Chancen verpasst, kritisieren sie.
          Verrammelt und verriegelt: Das Lamb & Flag in London (Symbolbild)

          Großbritannien : 10.000 Pubs und Restaurants schließen

          Großbritanniens Gastronomie ist von der Corona-Krise besonders hart getroffen. Während große Ketten sich frisches Kapital beschaffen, gehen die Kleinen unter.
          Aggressiv, schamlos, schnell gekränkt, selbstverliebt: Besaß Trump die Reife für sein Amt?

          Egozentrisch und rücksichtslos : Wenn der Partner ein Narzisst ist

          Narzissten wollen immer heller strahlen als ihr Gegenüber. Dafür ist ihnen meist jedes Mittel recht: Manipulation, Beschimpfungen und dreiste Lügen. Woran merkt man, dass einem das in der eigenen Beziehung widerfährt – und wie geht man damit um?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.