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Britische Impfstoff-Zulassung : Eine Erfolgsmeldung nach vielen Nackenschlägen

Vom Impfstoff elektrisiert: Premierminister Johnson schwärmt von „phantastischen Neuigkeiten”. Bild: dpa

In die Nachricht von der ersten Genehmigung eines Corona-Impfstoffs in der westlichen Welt mischen sich Töne der Genugtuung. Als hätte der Brexit den Durchbruch erst ermöglicht. Der Deutsche Botschafter widerspricht.

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          Die Zulassung des deutsch-amerikanischen Corona-Impfstoffs BNT162b2 schaffte im Königreich einen Moment seltener Harmonie. Nicht nur Boris Johnson, der Premierminister, schwärmte von „phantastischen Neuigkeiten” und sagte, das Serum werde „uns am Ende erlauben, unsere Leben zurückzugewinnen”. Auch seine Lieblingsfeindin, die schottische Ministerpräsidentin Nicola Sturgeon, sprach von der „besten Nachricht in einer langen Zeit”. Gesundheitsminister Matt Hancock war am Mittwoch so begeistert, dass er das Angebot eines Fernsehmoderators annahm und sich schnellstmöglich vor Kameras impfen lassen will, um den Briten die Sicherheitssorgen zu nehmen.

          Jochen Buchsteiner
          Politischer Korrespondent in London.

          In die Nachricht von der ersten Zulassung eines Corona-Impfstoffs in der westlichen Welt mischten sich auch Töne der Genugtuung. Zwar stellte niemand in den Vordergrund, dass die Genehmigungsbehörde in den Vereinigten Staaten erst in mehr als einer Woche entscheiden will und die der EU gar erst Ende des Monats. Und doch scheinen sich einige in der Regierung die Hände zu reiben, dass Post-Brexit-Großbritannien seine „neue Souveränität” mit einem eigenen, beschleunigten Prozess sichtbar machen konnte. Hancock bezeichnete den Austritt aus der EU als einen der Gründe für die beschleunigte Zulassung. Wegen des Brexits habe man sich „nicht ans Tempo der Europäer anpassen müssen, die sich ein bisschen langsamer bewegen”, sagte er in einem Interview. 

          Wirtschaftsminister Alok Sharma twitterte: „Großbritannien war das erste Land, das einen Vertrag mit Pfizer/Biontech geschlossen hat – jetzt werden wir die ersten sein, die den Impfstoff einsetzen.“ Noch in vielen Jahren werde die Nation diesen Moment „als den Tag erinnern, an dem das Vereinigte Königreich den Kampf der Menschheit gegen diese Seuche angeführt hat“. Dies interpretierte der deutsche Botschafter in London, Andreas Michaelis, als impfnationalistische Triumphgeste, weshalb er die Briten in einem Tweet daran erinnerte, dass der nun zugelassene Impfstoff keine britische Erfindung sei. „Warum ist es so schwer, diesen Schritt nach vorne als großartige internationale Anstrengung und Erfolg anzuerkennen?“, schrieb Michaelis. „Ich glaube wirklich nicht, dass dies eine nationale Geschichte ist.“ Auch wenn die deutsche Firma Biontech einen entscheidenden Beitrag geleistet habe, solle man von einem „europäischen und transatlantischen“ Durchbruch sprechen.

          Das Rumoren wurde sofort überstrahlt

          Sharma dürfte mit seinen Jubelzeilen wohl auch versucht haben, die jüngsten Nackenschläge der Regierung vergessen zu machen. In der vergangenen Woche hatte der „eigene” Impfstoff – ein in Oxford vom britisch-schwedischen Pharmakonzern AstraZeneca produziertes Serum – negative Presse bekommen. Unregelmäßigkeiten in der klinischen Studie zwangen die Produzenten zu weiteren Tests, was nicht nur auf den Börsenwert von AstraZeneca durchschlug, sondern den Genehmigungsprozess zurückwarf. Am Dienstagabend erlitt Johnson dann auch noch seine bisher größte parlamentarische Schlappe seit dem Wahlsieg vor einem Jahr. Mehr als 50 Tory-Abgeordnete stimmten gegen die Corona-Maßnahmen, die bis zur Wirkung der Massenimpfungen gelten sollen.

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