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Nachwahlen in Großbritannien : Doppelte Niederlage für Johnsons Tories

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Anhänger der Tories nach der Ergebnisverkündung. Bild: AFP

Boris Johnsons Tories haben bei Nachwahlen zwei Sitze und damit den Stimmungstest verloren. Der Premierminister will auf die Wähler hören.

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          Eine schwere Niederlage für Boris Johnson: Die Konservativen des britischen Premierministers haben bei zwei Nachwahlen Niederlagen erlitten: Die Tories unterlagen am Donnerstag sowohl im Wahlkreis Tiverton und Honiton im Südwesten Englands als auch im Wahlkreis Wakefield in Nordengland bei Nachwahlen für je einen Sitz im britischen Unterhaus. Als Konsequenz daraus, trat der Parteivorsitzende Oliver Dowden zurück. Die Wahlen hatten als Stimmungstest für Johnson gegolten, der wegen der Affäre um Partys am Regierungssitz während des Corona-Lockdowns stark unter Druck steht. Die Tory-Mehrheit im Unterhaus ist durch den Wechsel der beiden Sitze nicht in Gefahr.

          Besonders schmerzhaft ist die Niederlage in Tiverton und Honiton. Den Sitz hielten die Tories in der ein oder anderen Form seit mehr als hundert Jahren und bei der vorigen Parlamentswahl hatte der Kandidat Neil Parish diesen noch mit mehr als 20.000 Stimmen Vorsprung gewonnen. Nun ging der Sitz jedoch an die Liberaldemokraten verloren. Diese hatten in dem Wahlkreis an alle Wähler appelliert, ihren Kandidaten zu unterstützen, um die konservative Kandidatin Helen Hurford zu schlagen. Das hat gefruchtet. Der Liberaldemokrat Richard Foord holte mehr als 6000 Stimmen mehr als die zweitplazierte Hurford. Liz Pole von Labour kam nur auf den dritten Platz mit gut anderthalbtausend Stimmen. Die Nachwahl in Tiverton und Honiton wurde nötig, weil der Abgeordnete Neil Parish sich im April nach Beschwerden darüber zurückgezogen hatte, dass er im Parlament auf seinem Mobiltelefon Pornos geschaut hatte.

          Grund zum Feiern gab es für Labour hingegen im nordenglischen Wakefield. Diesen Sitz hatte die Partei vorher lange gehalten, bevor den Tories bei der Parlamentswahl 2019 ein großer Einbruch in die sogenannte rote Wand – traditionell von Labour gehaltene Sitze – in Nordengland gelang. In Wakefield konnte sich der Labour-Kandidat Simon Lightwood mit knapp 5000 Stimmen Vorsprung vor dem Konservativen Nadeem Ahmed durchsetzen. Der Erfolg ist wichtig für den Labour-Vorsitzenden Keir Starmer, der darauf hoffte, um zu zeigen, dass die Partei auch unter seiner Führung Wahlen gewinnen kann. Die Nachwahl in Wakefield wurde angesetzt, nachdem sich der Abgeordnete Imran Ahmad Khan nach seiner Verurteilung wegen eines sexuellen Übergriffs auf einen 15 Jahre alten Jungen zurückgezogen hatte.

          Der Parteivorsitzende der Konservativen Oliver Dowd zog noch in der Nacht die Konsequenzen aus den schlechten Ergebnissen und stellte sein Amt zur Verfügung. In einem Brief an Premierminister Boris Johnson schrieb er, die jetzigen Niederlagen seien nur die neuesten in einem Lauf sehr schlechter Ergebnisse für die Partei. „Unsere Anhänger sind verstört und enttäuscht von den jüngsten Ereignissen und ich teile diese Gefühle. Wir können nicht einfach weitermachen wie bisher.“ Deshalb übernehme er die Verantwortung und trete zurück, so Dowden.

          Vom Parteivorsitzenden der Liberaldemokraten Ed Davey kamen noch in der Nacht Rücktrittsforderungen an die Adresse des Premierministers. Das Ergebnis in Tiverton und Honiton zeige, dass es der richtige Zeitpunkt für die Konservativen sei, „das Richtige zu tun“ und Johnson abzusägen. Der Premierminister war am Freitagmorgen in britischen vom Commonwealth-Gipfel in Ruanda zugeschaltet. Er sagte, er wolle auf die Wähler hören. Er fügte aber hinzu: „Wir werden weitermachen und auf die Sorgen der Menschen eingehen.“

          Zu den Ergebnissen selbst hatte er sich bis in den frühen Morgen nicht geäußert. Johnson ist auch gar nicht im Land, sondern weilt beim Commonwealth-Gipfel in Ruanda. Danach reist er erst zum G-7-Gipfel nach Deutschland und dann zum NATO-Gipfel nach Spanien, kommt mithin erst nächste Woche zurück nach London, was ihm ein wenig Zeit verschafft.

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