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Großbritannien : Die Prosecco-Verschwörung

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Für den angeschlagenen Premierminister muss die Nachricht, dass Labour einen Aufschwung von zehn Prozent erleben würde, wenn Tony Blair noch die Geschäfte führte, besonders verdrießlich sein. Obwohl Brown seinen Widersacher nach der langen Zeit in schmollender Wartestellung erst vor einem guten Jahr beerbt hat, steht schon jetzt in Frage, ob er überhaupt in der Downing Street 10 ausharren kann bis zur nächsten Wahl, die spätestens im Juni 2010 abgehalten werden muss. Von seiner zunehmend entmutigten Prätorianergarde abgesehen, gibt es, zumal seit dem bitteren Verlust der einstigen Labour-Hochburg Glasgow-Ost an die schottische Nationalpartei, kaum jemanden, der noch ein gutes Wort für den glücklosen Premierminister einlegt. Jetzt muss Brown auch noch eine weitere schottische Nachwahl fürchten, weil am Mittwoch der Labour-Abgeordnete John McDougall gestorben ist.

Miliband: „Tony ist zu spät gegangen“

Am allerwenigsten aber kann er auf die Unterstützung seines Vorgängers Tony Blair rechnen. Aus dessen Umkreis gelangte dieser Tage wohl nicht ganz zufällig ein Papier in die Öffentlichkeit, das ein vernichtendes Urteil über Browns Unzulänglichkeiten dokumentiert. Es stammt aus dem Herbst vergangenen Jahres, als die Konservativen plötzlich wieder wirkten wie eine Partei mit Siegesaussicht, während Labour welkte und ein unschlüssig wirkender Gordon Brown vor lauter Detailarbeit das große Bild aus den Augen verloren zu haben schien. Als „das eigentliche Problem“ wird „nicht die Brillanz des Tory-Parteitages, sondern die Selbstüberhebung und Leere unseres Parteitages“ ausgemacht. Der Verfasser, womöglich Blair selber, tadelt die „beklagenswerte Verwirrung von Taktik und Strategie“ und beanstandet „fatale Fehler“ wie das Überbordwerfen von „TBs politischer Agenda“, ohne Ersatz zu liefern. Wie zu hören ist, wollen altgediente Labour-Abgeordnete in den nächsten Wochen Vorschläge unterbreiten, um das „Vakuum“ zu füllen.

Es ist ein offenes Geheimnis, dass Tony Blair im vergangenen Jahr eine Kandidatur David Milibands bei der Abstimmung über die Parteiführung gutgeheißen hätte, statt Gordon Brown das Feld für den Führungswechsel zu überlassen. Miliband, damals knapp 42 Jahre alt und Umweltminister, hat sich nach einigem Zögern entschieden, nicht anzutreten, wohl weil der Ausgang ihm zu unsicher erschien. So konnte Brown, ungeachtet des schwelenden Unmutes unter den Mitgliedern, die Nachfolge Blairs mehr oder weniger unangefochten antreten. Miliband soll einem Freund anvertraut haben, dass „Tony zu spät gegangen ist für Gordon und zu früh für den Rest von uns“. Inzwischen rechnet sich der zum Außenminister beförderte Abgeordnete, der sich als Leiter von Blairs Planungsstab Sporen verdiente und seit 2001 den nordenglischen Wahlkreis South Shields vertritt, offenbar größere Chancen zu.

Mobiltelefone und Blackberries laufen heiß

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