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Großbritannien : Die Islamische Republik von Tower Hamlets

Ein Teil des Geldes floss in sogenannte „Islamische Gemeinschaftszentren“, hinter denen sich in der Regel Moscheen verstecken. Profitiert haben auch bengalisch-sprachige Zeitungen, die im Ruf stehen, Rahman zu unterstützen. Der Bürgermeister versuche seine Wählerbasis mit öffentlichen Geldern auszubauen, lautete der Vorwurf der BBC-Rechercheure. Rahman stritt dies im Fernsehen erbost ab. Rahman scheint sich um seinen Ruf in nicht-bengalischen Medien kaum zu scheren. Er gibt selten Interviews. Eine Anfrage der F.A.Z. wurde mit den Worten abgewiesen, man könne ein Gespräch „leider nicht anbieten“, zu keiner Zeit. Stadtrat Golds sagt, Rahman und seine politischen Freunde würden „lieber unter sich“ bleiben.

„Das sind nicht die Leute, mit denen man Fußball gucken und dabei ein Bier trinken würde“, sagt er und fügt an, dass dies leider für weite Teile der bengalischen Gemeinde gelte. Als kürzlich die Tour de France durch Tower Hamlets geleitet wurde, war der halbe Bezirk auf den Beinen und jubelte den Radfahrern zu. „Aber eben nur die eine Hälfte – kaum ein Bangale war auf der Straße zu sehen“, sagt Golds. Umso stärker ist die Präsenz, wo es um die Verteidigung der muslimischen Brüder und Schwestern geht, etwa am Sonntag, als Zehntausende in London gegen Israels Militäroffensive im Gazastreifen protestierten. „Die interessieren sich nicht für uns und nicht für das, was uns interessiert“, sagt Golds. „Die sind physisch anwesend, aber nicht mental.“

Die „Islamische Republik von Tower Hamlets“, wie es zuweilen heißt, ist ein ethnischer Sonderfall. Nirgendwo sonst im Königreich haben sich so viele Bengalen auf so engem Raum zusammengefunden. Islamische Parallelgesellschaften sind allerdings auch anderswo entstanden, in Vierteln von London, aber auch in Städten wie Bradford und Birmingham. Auch dort kommt das „Kapern“ staatlicher Institutionen in Mode. Große Aufmerksamkeit erhielt die „Affäre Trojanisches Pferd“: Pakistanische Islamisten in Birmingham betreiben die ideologische Übernahme staatlicher Schulen mit hohem Anteil muslimischer Schüler.

Immer deutlicher wird dabei, dass die Unterwanderung systematisch organisiert wird. Die Schulaufsichtsbehörde Ofsted identifizierte sechs staatliche Schulen in Birmingham, die unter islamistischen Einfluss geraten sind und stellte sie unter besondere Beobachtung. Am vergangenen Dienstag wurde der Untersuchungsbericht des früheren Anti-Terror-Chefs von Scotland Yard, Peter Clarke, vorgestellt, der die Lage in Birmingham mit drastischen Worten beschreibt: Es gebe „koordinierte, wohldurchdachte und anhaltende Aktionen, um ein intolerantes, aggressives islamistisches Ethos an einigen Schulen einzuführen“.

Tower Hamlets steht auch in dieser Disziplin nicht zurück. Anfang des Monats befand Ofsted, dass die „Kobi Nezrul School“, eine staatliche Grundschule in Nachbarschaft zum muslimischem Zentrum Londons, unter islamistischen Einfluss geraten und auf ein „ungenügendes“ Niveau abgerutscht sei. Das Schulverwaltungsgremium, in dessen Reihen auch ein Mitglied der Islamistenorganisation Hizb-ut-Tahrir saß, trat inzwischen geschlossen zurück. Kurz vorher hatte der Vorsitzende des Beirats den britischen Medien noch hinterhergerufen, sie würden die Schule und die Muslime „dämonisieren“.

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