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Krise in Großbritannien : Pietätlos gegenüber Land und Königin

  • -Aktualisiert am

Einsame Trauer: Königin Elisabeth II. während der Begräbniszeremonie für ihren Ehemann Bild: dpa

Wegen des Todes von Prinz Philip herrschte Staatstrauer. Aber in der Londoner Regierungszentrale wurde gefeiert, gegen die Corona-Regeln. Boris Johnsons Untergebene eifern ihm nach. Er trägt die Verantwortung.

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          Elisabeth II. verhielt sich, wie eigentlich immer, vorbildhaft. Einsam saß die trauernde Witwe bei der Beerdigung ihres Mannes in der Kirche. Die Corona-Bestimmungen verlangten es von ihr. Und da sie sich als oberste Dienerin des Reiches versteht, hielt sie sich an die Regeln. Was passierte derweil im direkten Umfeld ihres Ersten Ministers?

          Dessen Untergebene verhielten sich so, wie es ihnen ihr Chef vorgelebt hatte. Sie feierten am Vorabend der Trauerfeier eine offenbar ziemlich ausgelassene Party. Das war nicht nur ein weiterer Regelverstoß. Es war noch dazu überaus pietätlos, denn das Land hielt zu Ehren des Verstorbenen eigentlich Staatstrauer.

          Politische Verantwortung

          Boris Johnson war bei dieser Feier wohl nicht dabei. Aber hier greift das, was gemeinhin politische Verantwortung genannt wird. Somit wird auch diese Party dem politischen Sündenregister eines Premierministers hinzugefügt, der zwar Regeln erlässt – gerne auch mit reichlich Pathos –, der aber für sich und die Seinen nur das gelten lässt, was gerade gefällt.

          Es gehört nicht viel Phantasie dazu, sich vorzustellen, was die Abgeordneten der Konservativen Partei am Wochenende in ihren Wahlkreisen vom Wahlvolk zu hören bekommen werden. Schon in der kommenden Woche wird sich dann womöglich zeigen, ob die politische Karriere des Spielers Boris Johnson ein schnelles Ende nimmt. Verdient hätte er es.

          Peter Sturm
          Redakteur in der Politik, zuständig für „Politische Bücher“.

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