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Johnson und der Brexit : Keine Lieferengpässe auf dem Kontinent – warum wohl?

Wer will diesen Job machen? Engpässe bei der Benzinversorgung in England. Bild: Reuters

Streit um das Nordirland-Protokoll, Liefer- und Versorgungsengpässe in England – der EU-Austritt hat offenkundig Konsequenzen, die unerfreulich sind.

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          Jetzt hat Premierminister Johnson eingestanden, dass Engpässe bei der Benzinversorgung und der Belieferung der Supermärkte doch etwas mit dem Brexit zu tun haben. Das dürfte der Regierung nicht leichtgefallen sein. Aber die Spannungen bei den Lieferketten und auf Teilarbeitsmärkten treten eben auch deshalb auf, weil viele Arbeitskräfte vom Kontinent das Vereinigte Königreich verlassen haben.

          Das festzustellen hat nichts mit Schadenfreude oder Rechthaberei zu tun, sondern gehört zur Kosten-Nutzen-Bilanz des Austritts dazu, mit dem Johnson sich brüstet. Das gilt ebenso für das Nordirland-Protokoll. Die Regierung, die es ausgehandelt hat, droht mit der Suspendierung, weil es sich in der Praxis als sperrig erweist. Den Streit über die faktische Zollgrenze in der Irischen See hatten viele genau so kommen sehen.

          Ein paar Tausend zeitlich befristete Visa für LKW-Fahrer werden nicht die Entspannung bringen, die sich Autofahrer und Konsumenten erhoffen. Denn zur freien Arbeitskräftemobilität, für die seinerzeit einer seiner Vorgänger, Blair, vehement geworben hatte, will Johnson natürlich nicht zurück. Die Brexit-Wähler hätten gegen ein gescheitertes Wirtschaftsmodell gestimmt, ein Modell, das übrigens auch die klare Handschrift Margaret Thatchers trägt. Nicht zuletzt daraus spricht der neue Wirtschaftspopulismus der Konservativen. Man wird sehen, ob sich das politisch rentiert und (ehemalige) Labour-Wähler bei der Stange bleiben. Jetzt fragt sich, ob die Leute das alles gleichmütig hinnehmen, dann, wie viele Briten jene Jobs annehmen werden, die einst „Europäer“ erledigt hatten.

          Klaus-Dieter Frankenberger
          Redakteur in der Politik.

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