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Boris Johnson genesen : Demütiger Dank eines Geretteten

  • -Aktualisiert am

Johnson bei seiner Videoansprache nach der Entlassung aus dem Krankenhaus Bild: dpa

Der britische Premierminister hat eine Grenzsituation erlebt. Demütig dankt Boris Johnson dem Pflegepersonal und zeichnet ein paradiesisches Bild vom Nationalen Gesundheitsdienst. Zu schön um wahr zu sein?

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          Grenzsituationen machen Menschen demütig. Diese Erfahrung macht jetzt auch der britische Premierminister. Er musste in den vergangenen Tagen Dinge erleben, die man niemandem wünscht. Sein Leben war nach der Infektion mit dem Coronavirus in Gefahr.

          Das Personal im Londoner Krankenhaus St Thomas hat den Regierungschef glücklicherweise gerettet. Entsprechend groß fiel der Dank Johnsons aus, den er per Videobotschaft nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus sandte. Sein Dank gerade auch an einzelne Krankenschwestern verdient Anerkennung.

          „Unbesiegbarer“ NHS?

          Politisch wird man sehen, inwieweit das Bild, das Johnson in seiner kurzen Ansprache vom Nationalen Gesundheitsdienst (NHS) zeichnete, in der Breite der Wirklichkeit entspricht. Die Wortwahl des Premierministers lässt da durchaus Zweifel zu.

          Wenn jemand zu so martialischen Worten Zuflucht nehmen muss, wenn er sich gar dazu versteigt, den NHS für „unbesiegbar“ zu erklären, liegt der Verdacht nahe, dass da jemand aus – in diesem Fall verständlicher – Angst lautstark im Dunkeln pfeift.

          Kein Gesundheitssystem ist perfekt. Und Mangel an Schutzausrüstung gibt es in der Tat nicht nur in Großbritannien. Aber es kann ja kein Zufall sein, dass seit Jahren über eine chronische Unterfinanzierung des NHS geklagt wird. Und dieser unterfinanzierte Dienst soll jetzt „unbesiegbar“ sein? Man wünscht es jedem Patienten. Boris Johnson wurde gerettet, das Land noch nicht.

          Peter Sturm

          Redakteur in der Politik, zuständig für „Politische Bücher“.

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