https://www.faz.net/-gpf-14me6

Großayatollah Montazeri gestorben : Chameneis Gegenspieler

  • -Aktualisiert am

Großajatollah Hossein Ali Montazeri Bild: dpa

Einst war er einer der engsten Mitstreiter des Revolutionsführers Chomenei. Dann fiel er in Ungnade und wurde zum Gegenspieler von dessen Nachfolger Chamenei. Mit dem Tode von Großajatollah Montazeri hat die Reformbewegung in Iran ihre geistliche Führungsfigur verloren.

          Chomeini hatte ihn einst als „Frucht meines Lebens“ bezeichnet. Während der iranischen Revolution 1979 und in den ersten Jahren der islamischen Republik war Großajatollah Hussein-Ali Montazeri einer der engsten Mitstreiter des Revolutionsführers. 1985 wurde der 1922 im zentraliranischen Nadschafabad geborene Geistliche auch offiziell zum Nachfolger Chomeinis ernannt.

          Aber als er kurz vor dessen Tod die Massenhinrichtungen von Oppositionellen in den Gefängnissen des Landes offen kritisierte, fiel Montazeri in Ungnade. An seiner Stelle wurde Ali Chamenei, fast eine Generation jünger und ein Geistlicher niedrigeren Ranges, der neue Führer der Islamischen Republik.

          Die geistliche Führungsfigur der Reformbewegung

          Montazeri, der sich immer mehr zum Kritiker des Regimes entwickelte, wurde 1997, als der Reformer Mohammad Chatami zum Präsidenten gewählt wurde, in seinem Haus in Ghom unter Hausarrest gestellt. Trotzdem blieb er die geistliche Führungsfigur der Reformbewegung. Unterstützt von seinem Sohn Ahmad verbreitete der greise, herzkranke Großajatollah über Internet seine Botschaften und Rechtsauslegung, zuletzt im Sommer dieses Jahres, als er die umstrittenen Präsidentenwahlen in einer Fatwa für unrechtmäßig erklärte. Die Regierung von Präsident Mahmud Ahmadineschad habe keine Legitimität mehr, schrieb Montazeri.

          Aufgebahrt in Qom: Ayatollah Hossein Ali Montazeri

          Der Großajatollah, der während und nach der Revolution durchaus ein Hardliner gewesen war, entwickelte sich zum Vordenker eines aufgeklärten Islam, verurteilte die direkte Einmischung des Klerus in die Politik und wollte ihm - der iranischen Tradition entsprechend - nur noch eine beratende und überwachende Funktion zubilligen. Er plädierte für Meinungs- und Religionsfreiheit, einschließlich der Freiheit, die Religion zu wechseln. Die Menschenrechte müssten Grundlage jeder Rechtsordnung sein. Auch die iranische Frauenbewegung, die die rechtliche Gleichstellung der Frauen fordert, konnte sich auf die Rechtsauslegung Montazeris berufen.

          Ein Schlag für den Klerus

          Am Samstag ist Ajatollah Hussein-Ali Montazeri im Alter von 87 Jahren in Ghom gestorben. Sein Tod kommt zur Unzeit: Mit Montazeri verliert die iranische Reformbewegung ihren geistlichen Führer, der seine Autorität nicht zuletzt daraus bezog, dass er als Theologe weitaus höheres Ansehen genoss als Revolutionsführer Ali Chamenei.

          Sein Tod ist ein Schlag für den Klerus, der im politischen Leben der islamischen Republik immer weiter an Einfluss verliert. Und er schwächt die Reformer, die ohnehin unter Druck stehen durch die Repressalien der Regierung Ahmadineschad und durch eine immer radikalere Abwendung vieler junger Iraner vom religiösen System. (Siehe auch: Atomwaffen sind unislamisch: Großayatollah Montazeri spricht sich gegen den Bau von Atomwaffen aus)

          Weitere Themen

          Anerkennung in Uniform

          Kostenlose Bahnfahrten : Anerkennung in Uniform

          Soldaten fahren künftig in Uniform kostenlos Zug. Die Konkurrenten der Deutschen Bahn kritisieren die Einigung – der Konzern sei Spielball der Politik geworden.

          DDR-Grenzopfer in Bulgarien Video-Seite öffnen

          Erschossen und vergessen : DDR-Grenzopfer in Bulgarien

          Fast 700 DDR-Bürgern ist die Flucht in den Westen über die bulgarisch-griechische Grenze gelungen, mindestens 21 wurden beim versuchten Grenzübertritt getötet. Die meist jungen Opfer sind heute weitgehend vergessen.

          Topmeldungen

          Berlin im Juli 2017: Überschwemmung auf der Märkischen Allee nach einem Unwetter

          Schwierige Stadtplanung : Schwamm drunter!

          Starkregen und Hochwasser bringen Städte immer wieder an ihre Grenzen. Sie müssen sich anpassen – denn der Klimawandel dürfte das Problem noch verschärfen.
          Olaf Koch, 49, ist seit sieben Jahren Vorstandsvorsitzender des Handelskonzerns Metro.

          Metro-Chef Koch im Interview : Ist Ihr Job noch sicher?

          Metro-Chef Olaf Koch hat eine feindliche Übernahme durch den tschechischen Milliardär Křetínský abgewehrt, doch die Probleme bleiben. Wie geht es mit dem Handelskonzern und ihm selbst weiter?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.