Griechisch-türkischer Konflikt : Säbelrasseln im Mittelmeer
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Das türkische Explorationsschiff „Oruc Reis“ am Mittwoch im östlichen Mittelmeer Bild: AP
Die Konfrontation im östlichen Mittelmeer spitzt sich zu, denn Erdogan treibt dort die Suche nach Erdgas voran. Nun musste sogar Bundeskanzlerin Merkel eingreifen und zwischen Athen und Ankara schlichten.
So nahe vor einem Krieg wie in diesen Tagen standen die Türkei und Griechenland zum letzten Mal vor 24 Jahren. Am 30. Januar 1996 standen sich um ein Felsenriff in der Ägäis, das die Griechen Imia und die Türken Kardak nennen, 15 griechische und 18 türkische Kriegsschiffe gegenüber. Vorausgegangen war, dass ein türkischer Zivilist auf dem griechischen Eiland die türkische Flagge gehisst hatte. Der amerikanische Präsident Bill Clinton legte den Konflikt in Telefonaten bei, die die ganze Nacht gedauert haben sollen.
Damals ging es lediglich um territoriale Ansprüche, heute wird auch über die Erschließung der Bodenschätze im östlichen Mittelmeer gestritten. Und ein weiterer Unterschied: Damals vermittelte der amerikanische Präsident, in dieser Woche telefonierte Bundeskanzlerin Angela Merkel mit dem griechischen Ministerpräsidenten Kyriakos Mitsotakis und dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan.
Erdogan will nicht mehr lange warten
Die Spannungen zwischen den beiden Staaten haben über das ganze Jahr hinweg zugenommen, seit Erdogan am 16. Januar verkündet hatte, die Türkei werde nicht lange warten, um ihr Recht wahrzunehmen und im östlichen Mittelmeer nach Erdgas zu suchen. Vorausgegangen war ein Abkommen, das die Türkei mit der von den UN anerkannten Regierung in Libyen unterzeichnete hatte. Damit beansprucht die Türkei Gebiete im östlichen Mittelmeer, die völkerrechtlich als griechisches Hoheitsgebiet gelten.
Jetzt macht die Türkei Ernst. Anfang der Woche lief von Antalya das türkische Explorationsschiff Oruc Reis mit dem Ziel aus, südlich der griechischen Insel Kastellorizo die Arbeit aufzunehmen. Nach dem Seerechtsabkommen der Vereinten Nationen von 1982 stehen bewohnten und bewohnbaren Inseln eines Landes wie diesen ebenfalls eine Ausschließliche Wirtschaftszone von 200 Seemeilen zu. Die Türkei akzeptiert dies jedoch nicht länger für die griechischen Inseln in der Ägäis und im Mittelmeer. Kastellorizo liege drei Kilometer vom türkischen Festland entfernt, aber mehr als 500 Kilometer von Athen, beanspruche jedoch zu Lasten der Türkei 200 Seemeilen als ausschließliche Wirtschaftszone, sagte jüngst der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu.
Am Mittwoch ging in Ankara sein Sprecher Hami Aksoy in die diplomatische Offensive. Der „maximalistische griechische Anspruch auf einen Festlandsockel“ stehe im Widerspruch zum Völkerrecht und den Entscheidungen der Gerichte, sagte Aksoy. Daher treffe die griechische Behauptung nicht zu, die Türkei betreibe „illegale Explorationen“. Es könne nicht sein, dass die Insel Kastellorizo im Mittelmeer ein Gebiet von 40.000 Quadratkilometern beanspruche.
Kampfflugzeuge jagen über die griechische Insel
Das militärische Säbelrasseln begann, als am Montag aus türkischen Marinehäfen in der südlichen Ägäis 15 Kriegsschiffe ausliefen. Am selben Tag versetzte Griechenland seine Marine in höchste Alarmbereitschaft. Am Dienstag jagten dann türkische F16-Kampfflugzeuge über Kastellorizo. Schon am 30. Juni hatten sie die Inseln Agathonisi and Farmakonisi provozierend überflogen, einen Tag nach dem Besuch der griechischen Präsidentin Katerina Sakellaropoulou auf Kastellorizo. Angeheizt werden die Spannungen dadurch, dass die Türkei Marinemanöver südlich von Kastellorizo angekündigt hat und Griechenland nahe der Insel Kythira südlich der Peloponnes. Am Mittwoch hieß es aus griechischen Marinekreisen: „Einheiten der Marine sind seit gestern im Süden und Südosten der Ägäis im Einsatz.“
Die Türkei sieht sich im östlichen Mittelmeer einer Allianz von Ländern gegenüber, welche die türkischen Ansprüche ablehnen. Griechenland und Ägypten wollen im August ein Abkommen unterzeichnen, in dem sie ihre exklusiven Wirtschaftszonen im Mittelmeer festlegen. Die überschneiden sich jedoch mit den Ansprüchen, die die Türkei aus ihrem Abkommen mit der Regierung in Tripolis ableitet. Zudem hat das ägyptische Parlament Anfang der Woche die Regierung ermächtigt, die Armee nach Libyen zu entsenden, um dort den Vormarsch der – von türkischen Soldaten unterstützten – Einheiten der Tripolis-Regierung zu stoppen.
Auch Israel stellt sich gegen die Türkei. Am 19. Juli stimmte das israelische Kabinett dem Projekt einer 1900 Kilometer langen Pipeline zu, das gegen den Widerstand der Türkei Gas aus den Vorkommen im östlichen Mittelmeer nach Europa befördern soll. Partner des Projekts sind neben Israel Griechenland, Zypern und Italien.