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Überschuldungskrise : Wie Griechenland den Euro rettete

Wieder bessere Gesprächspartner: Angela Merkel im März mit Tsipras in Brüssel Bild: EPA

Geheimtreffen in einer Aushilfsküche, Kurse im freien Fall, größte Nervosität: Wie Athen die europäische Gemeinschaftswährung rettete und welche Rolle Wolfgang Schäuble dabei spielte, beschreibt der frühere griechische Finanzminister Papakonstantinou in einem beachtenswerten Buch.

          10 Min.

          Ein Regierungschef, ein Finanzminister und der Direktor einer der mächtigsten Finanzinstitutionen der Welt wollen einander treffen, aber allen ist klar: Wenn die Öffentlichkeit davon erfährt, könnten Börsen verrückt spielen, Märkte kollabieren, ganze Staaten in Bedrängnis geraten, denn die Zeiten sind heikel. Es ist Januar 2010, die Finanzwelt ist nervös, der Euro wankt, und die drei vielbeschäftigten Männer wollen sich ausgerechnet auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos treffen, da die Sache eilt und dorthin alle eingeladen sind. Doch dort wimmelt es auch von Journalisten und Kameraleuten. Was tun?

          Michael Martens
          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Wien.

          „In der Konferenzhalle befand sich hinter den Sitzungszimmern ein großer Saal, der als Aushilfsküche diente. Dorthin wurde das Catering von außerhalb gebracht, bevor es den Teilnehmern während der Veranstaltungspausen serviert wurde. Ständig ging Bedienungspersonal durch Drehtüren rein und raus, Gläser und Tabletts tragend. Aber dort gab es keine Journalisten oder sonstige Spähaugen.“ So beschreibt es Giorgos Papakonstantinou, der von 2009 bis 2011 griechischer Finanzminister war – und einer der drei Teilnehmer an dem geheimen Treffen in der Schweiz. Die anderen waren Giorgos Papandreou, griechischer Ministerpräsident, und Dominique Strauss-Kahn, Chef des Internationalen Währungsfonds, kurz IWF. „Da trafen wir uns also und standen betreten herum – es gab keine Sitzgelegenheiten –, während die Sicherheitsleute beobachteten, wer durch die Drehtüren ein- und ausging“, schildert Papakonstantinou die Szene. Schließlich habe Strauss-Kahn das Gespräch eröffnet und gefragt: „Wie kann der IWF helfen?“

          Das Geheimtreffen endete damit, dass der Chef des IWF dem vor dem Staatsbankrott stehenden Griechenland in einer Schweizer Behelfsküche die Hilfe seiner Institution zusagte – sofern die EU einverstanden sei: „Er stimmte uns zu, dass es eine europäische Angelegenheit werden müsse. Die Europäer müssten davon überzeugt werden, einen Rettungsmechanismus zu etablieren. Er versprach, seinen Einfluss gegenüber jenem Land geltend zu machen, das unbedingt mit an Bord sein musste: Deutschland.“ Um nicht doch noch aufzufliegen, verließen die drei Männer die Küche nicht gemeinsam, sondern in Abständen von mehreren Minuten. Das Manöver gelang, die Öffentlichkeit erfuhr erst von dem Treffen, als Papakonstantinou Jahre später in seinem Buch „Game Over. Griechenland in der Krise“, dessen deutsche Übersetzung gerade auf der Frankfurter Buchmesse vorgestellt wurde, davon berichtete.

          Die griechische Überschuldungskrise, die Europa zwischen 2009 und 2015 in Atem hielt (und die keineswegs vorüber ist, auch wenn derzeit kaum jemand darüber spricht), ist bisher von keinem maßgeblichen Akteur so packend und detailliert aufgearbeitet worden wie von Papakonstantinou. Das improvisierte Treffen in den Schweizer Alpen berührt dabei eines der Leitmotive seiner Schilderungen. Immer wieder geht es darin nämlich um die in demokratischen Gesellschaften notwendigerweise fragile Balance zwischen Transparenz und Geheimhaltung, die in der Euro-Krise zeitweilig eine wichtige Rolle spielte.

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