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Konflikt in der Ägäis : Deutsche Technik auf beiden Seiten

Das türkische Forschungsschiff „Oruc Reis“ wird bei seiner Erkundung möglicher Erdgasvorkommen am 6. August von Kriegsschiffen begleitet Bild: Reuters

Zum Streit der beiden Nato-Staaten Griechenland und Türkei über Seegebiete gehören militärische Drohgebärden. Welches der beiden Länder hat die stärkere Flotte?

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          Seit einiger Zeit wachsen im Mittelmeer zwischen der Türkei und Griechenland die Spannungen um Rohstoffvorkommen in der Ägäis. Begleitet von Kriegsschiffen und wüsten Drohungen, lässt der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan wochenlang das Forschungsschiff „Oruc Reis“ vor griechischen Inseln kreuzen, während die türkische Marine ihre Manöver ausweitet. Auch Griechenland hat den Ton verschärft, unterstützt von der Europäischen Union, in der manche Sanktionen gegen die Türkei fordern. Alte Konflikte, etwa um Zypern, spielen in der Auseinandersetzung ebenso eine Rolle wie die der türkischen Küste vorgelagerten griechischen Inseln.

          Peter Carstens

          Politischer Korrespondent in Berlin

          Die Konflikte zwischen Athen und Ankara sind alt. Deswegen haben beide Seiten ihre jeweiligen Flotten seit Jahrzehnten stets an den Fähigkeiten am jeweils anderen Ufer der Ägäis ausgerichtet. Die griechische Flotte ist daher viel größer, als man es angesichts einer Bevölkerung von zehn Millionen Einwohnern und einer Wirtschaftskraft erwarten könnte, die dem Bundesland Hessen ähnelt. Der griechischen Marine gehören 21.000 Soldaten an, dazu rund 6000 Reservisten. In der deutschen Marine, zum Vergleich, dienen etwa 16.000 Männer und Frauen. Was für die Truppenstärke gilt, betrifft auch die Zahl der Kriegsschiffe, darunter 13 Fregatten und sechs Korvetten. Die Flotte leidet allerdings unter den Sparzwängen der Regierung.

          Auch die Türkei baut seit längerem ihre Seestreitkräfte aus – jedoch unabhängig von der aktuellen Wirtschaftsentwicklung. In ihrer Marine, die auch das Schwarze Meer befährt, dienen rund 45.000 Soldaten. Zu den größeren Schiffen gehören 19 Fregatten und sechs Korvetten. Im weiteren Vergleich stehen rund 40 griechischen Küsten- und Patrouillenbooten 50 türkische gegenüber. 19 Landungsboote für amphibische Operationen besitzt die griechische Flotte. Die türkische Marine hat nach Angaben des Verzeichnisses „Military Balance“ 34. Darunter sind fünf große Landungsschiffe, die eine beachtliche Streitmacht an Land bringen können, jeweils bis zu 250 Soldaten und bis zu 17 Kampfpanzer.

          Anders als die Türkei hat Griechenland keine eigenen Marineflieger. Beide Länder verfügen weder über Hubschrauber- noch Flugzeugträger. Allerdings baut die Türkei mit Hochdruck an einem Träger mit dem Namen „Anadolu“, auf dem nach ursprünglicher Planung auch die hochmodernen F-35-Jets landen sollten. Die bekommt Ankara wegen eines Streits mit den Vereinigten Staaten nun aber nicht. Stattdessen ist wohl geplant, Kampfhubschrauber auf dem Schiff zu stationieren. Die eigentlich für dieses Jahr geplante Auslieferung verzögert sich.

          Allerdings ist die türkische Luftwaffe auch ohne Flugzeugträger deutlich größer als die griechische (360 zu 270 Kampfflugzeuge). Aus alledem ergibt sich maritim eine zahlenmäßige Überlegenheit der Türkei, allerdings mit einer wesentlichen Ausnahme: Unter Wasser sind die Griechen deutlich stärker. Beide Seiten setzten dabei auf deutsche Marinetechnik. Daher könnte es geschehen, dass im Falle eines Krieges im U-Boot-Kampf deutsche Boote gegen deutsche Boote eingesetzt werden.

          Entscheidend für die Überlegenheit in einer maritimen Auseinandersetzung ist nicht die Größe der Schiffe oder ihrer Bordkanonen, sondern die Gesamtfähigkeit der maritimen Plattformen. Hier hat, was die U-Boote betrifft, Griechenland die Nase relativ weit vorn. Beide Seiten verfügen über jeweils mehrere ältere U-Boote. Als neueste Waffe gelten die extrem leisen dieselelektrischen Unterseeboote des Typs 214 mit jeweils acht Torpedorohren.

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