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Griechenland : Gescheitert in Athen

  • -Aktualisiert am

Man könnte Griechenland inzwischen einen „gescheiterten Staat“ nennen. Es ist an der Zeit, dass die Europäer daraus Konsequenzen ziehen: Entweder muss das Land den Staatsbankrott anmelden oder die Eurozone verlassen.

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          Das griechische Elend nimmt kein Ende. Das gilt im doppelten Wortsinn: Die Art und Weise, wie sich die Verhandlungen über das nächste „Rettungspaket“ hinziehen, wie es im letzten Augenblick immer wieder zu Änderungen mit unbekanntem Inhalt kommt, lassen die Zweifel wachsen, dass Griechenland gerettet werden will, und ob es überhaupt gerettet werden kann. Die mit Vorschusslorbeer gestartete Regierung Papademos hat die Hoffnungen, die viele - auch viele Griechen - in sie gesetzt hatten, nicht erfüllen können.

          Das liegt an vielen Konstruktionsfehlern, deren größter ihre voraussehbar kurze Amtszeit war. Was kann in einem Land, das eine Grunderneuerung braucht, in einigen Monaten schon erreicht werden? Und dies in einer informellen großen Koalition mit Parteien, die auf den Tod verfeindet sind und sich schon auf den Wahlkampf vorbereiten? Papademos hatte im Grunde keine Chance, und er konnte sie - im Gegensatz zu dem Bonmot - auch nicht nutzen.

          Die andere Seite des griechischen Elends ist mit Händen zu greifen: Eine Abfolge von Austeritätsprogrammen, auch wenn sie nie in Gänze umgesetzt wurden, hat das Wirtschaftsleben zum Erliegen gebracht und die Leute, denen immer neue Opfer abverlangt werden, auf die Straße getrieben. Diejenigen, die Steuern zahlen könnten, haben ihr Geld außer Landes gebracht, die Dummen sind die weniger Vermögenden, die jetzt die Rechnung bezahlen sollen, aber das nicht mehr wollen oder können. Griechenland gibt, was Wirtschaftsstruktur, Wettbewerbsfähigkeit, politisches System und gesellschaftlichen Zusammenhalt angeht, ein desolates Bild ab. In anderen Teilen der Welt würde man von einem „gescheiterten Staat“ sprechen. Es ist an der Zeit, dass die Europäer sich dies eingestehen und Konsequenzen daraus ziehen.

          Ob diese Konsequenz heißt, dass Griechenland dem Staatsbankrott nicht mehr entgehen kann, oder dass es, mit mehr oder minder sanftem Zwang, dazu überredet werden muss, die Eurozone zu verlassen, ist letztlich ein Rechenexempel. Welche von beiden Möglichkeiten kommt Griechenland sowie seine privaten und öffentlichen Gläubiger teurer zu stehen? Kein Finanzminister weiß es, kein Ökonom kann es zuverlässig berechnen. Diese Unsicherheit ist tödliches Gift, für die Märkte wie die Staaten. Sie muss schnell beendet werden.

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