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Griechenland : Flammen im Wahljahr

Bild: reuters

Die Lage in Griechenland bleibt dramatisch. Ein Flammeninferno wie in diesem Jahr erlebte das Land noch nie. Nun wächst der Unmut über das Katastrophenmanagement unter Ministerpräsident Karamanlis. Von Rainer Hermann.

          4 Min.

          Die Lage in Griechenland bleibt dramatisch. Die Waldbrände auf der Halbinsel Euböa haben in der Nacht die Umgebung der Ortschaft Seta erreicht. Rund 300 Einwohner mussten in Sicherheit werden, teilten die Behörden mit. Eine kilometerlange Front mit bis zu 20 Meter hohen Flammen bewege sich in Richtung Ägäis.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Etwas entspannt habe sich dagegen die Situation auf den Bergen des Peloponnes um die Kleinstädte Andritsena und Karytena, im Raum der Hafenstadt Kalamata und in der Region von Sparta, berichtete am Dienstagmorgen der staatliche Rundfunk NET. An den Löscharbeiten sind Einsatzkräfte aus mehreren europäischen Ländern beteiligt. Auch drei Hubschrauber aus Deutschland wurden erwartet.

          Demonstrationen in Athen

          Am Dienstagabend demonstrierten in Athen zweitausend Menschen gegen die Zerstörung der Umwelt. Auch die Politik sei dafür verantwortlich, dass Bodenspekulanten ungehindert Brände legen könnten, erklärten die Demonstranten. Über dem Land liege der „Rauch des Todes“.

          Kamof gegen die Flammen auf dem Peloponnes

          Waldbrände gibt es in Griechenland regelmäßig. Aber in jedem Wahljahr brennen dort mehr Wälder als in anderen Jahren. Am 16. September sollen die Griechen ein neues Parlament wählen. Ein Flammeninferno wie in diesem Jahr erlebte Griechenland jedoch noch nie.

          Erst schien es, als ob sich die Griechen angesichts der Katastrophe um die Regierung unter Ministerpräsident Karamanlis scharen würden. Doch seit sich am Wochenende das Feuer den antiken Stätten von Olympia näherte, könnte jetzt diese Stimmung umschlagen. Feuerwehrleute riskierten ihr Leben und retteten zumindest das Museum. Der Hain aber brannte ab, in dem traditionell das olympische Feuer entzündet wird. Auch das Stadion, in dem einst die ersten Wettkämpfe stattgefunden hatten, wurde ein Opfer der Flammen.

          Aktionsplan von der Wirklichkeit überholt

          Die Regierung war eigentlich gewarnt, konnte den historischen Ort aber nicht gut genug schützen. Nur drei Dutzend der 1800 Feuerwehrfahrzeuge Griechenlands sind in der Provinz Elada um Olympia stationiert, in einer der waldreichsten Regionen des Landes. Dabei glaubte die Regierung in diesem Jahr gut für die Waldbrände gerüstet zu sein.

          Im Frühjahr hatte Ministerpräsident Karamanlis mit seinen Ministern einen Aktionsplan besprochen. Dann wurden sie von der Wirklichkeit überholt. Der Winter war extrem mild, die Wasserpegel sanken auf Rekordtiefe. Die Temperaturen im Sommer kletterten dreimal anhaltend auf mehr als 40 Grad, und die Winde bliesen stark wie selten.

          Keine Krisenmanager

          Eine erste Hitzewelle entfachte im Juni die Waldbrände auf den Bergen um Athen und um die Hafenstadt Volos, eine zweite wütete im Juli bei Korinth. Erst die dritte Hitzewelle ließ aber auf der Peloponnes, der Euböa und in anderen Landesteilen bei Windstärke 9 seit dem vergangenen Freitag das Inferno beginnen, in dem mehr als 60 Menschen getötet wurden. Das Feuer vertilgte mit Geschwindigkeiten von 80 Kilometern in der Stunde ausgetrocknete Nadel- und Olivenbäume, fegte über Dörfer und Menschen hinweg.

          Feuerwehrleute aus Zypern sagten im Fernsehen, die Brände seien einfach zu stark für sie. Andere klagten, sie tappten im dichten Rauch und könnten das Feuer einfach nicht sehen. Als Krisenmanager hat sich die Regierung Karamanlis nicht empfohlen. Die ersten Brände des Sommers hatten anscheinend als Warnung nicht ausgereicht.

          Im Juni, nach den Bränden auf dem Athener Hausberg Parnitha, hatte die Regierung noch Patrouillenflüge der Luftwaffe zur Früherkennung von Bränden angeordnet. Kein Flugzeug stieg seither auf. Die Chefs der Feuerwehr und des Zivilschutzes setzten zudem ihre Dauerfehde fort: Der erste hatte letzteren abgelöst und seine Gefolgsleute untergebracht.

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