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Thunberg vor der UN : „Wie könnt Ihr es wagen!“

  • Aktualisiert am

Bild: Reuters

Greta Thunberg kritisiert beim UN-Klimagipfel in New York die zögerliche Haltung der Politik beim Klimaschutz und reicht eine Menschenrechtsbeschwerde ein. Bundeskanzlerin Merkel antwortet: „Wir alle haben den Weckruf der Jugend gehört.“

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          Die junge schwedische Klimaschutzaktivistin Greta Thunberg hat Politikern aus aller Welt eklatantes Versagen beim Klimaschutz vorgeworfen. „Menschen leiden. Menschen sterben. Wir befinden uns im Anfang eines Massenaussterbens, und alles, woran Ihr denken könnt, sind Geld und Märchen von ewigem Wachstum. Wie könnt Ihr es wagen!“, sagte die 16-Jährige am Montag zu Beginn des UN-Klimagipfels in New York. An dem Treffen nahmen rund 60 Staats- und Regierungschefs teil, darunter Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).

          „Wir sind Zeugen einer massiven Zerstörung“, sagte die Initiatorin der Bewegung „Fridays For Future“. Die Zukunft der Jugendlichen werde gefährdet. Obwohl Wissenschaftler seit mehr als 30 Jahren vor einer massiven Erderwärmung warnten, täten die Regierungen nicht genug, sondern sorgten sich vor allem um das Wachstum der Wirtschaft. „Meine Botschaft ist: Wir beobachten euch“, so Thunberg. „Ihr enttäuscht uns“, sagte die Schwedin. Ihr sei ihre Jugend durch „leere Worte“ der Politiker gestohlen worden, sagte sie sichtlich aufgewühlt. Das Verhalten der Regierungen mache sie „wütend und traurig“. Sie wolle aber immer noch nicht glauben, dass die Regierungen „böse“ seien. „Aber die Jugend versteht Euren Verrat. Die Welt wacht auf. Der Wandel kommt, ob ihr es wollt oder nicht“, sagte sie.

          Am Rande des Gipfels trafen Merkel und Thunberg aufeinander.

          Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Verantwortung Deutschlands in ihrer Rede anerkannt und die Industrienationen mit großer Dringlichkeit aufgefordert, gegen die globale Herausforderung der Erderwärmung aktiv zu werden. „Wir alle haben den Weckruf der Jugend gehört“, sagte Merkel am Montag bei der Eröffnung des UN-Klimagipfels. Merkel hatte Thunberg vor den Eröffnungsreden des Klimagipfels getroffen. In einem von Regierungssprecher Steffen Seibert getwitterten Foto ist zu sehen, wie Merkel in einem Sessel neben der jungen Schwedin sitzt und mit ihr spricht. Seibert schrieb dazu: „Begegnung vor den Reden beim @UN #ClimateActionSummit“.

          Deutschland soll seinen Beitrag leisten

          „Es gibt keinen Zweifel, dass der Klimawandel, die Erderwärmung im Wesentlichen von Menschen gemacht ist“, sagte Merkel, ohne den amerikanischen Präsident Donald Trump zu erwähnen, der ihrer Rede im Publikum folgte. Trump hält den Klimawandel nicht für menschengemacht. Merkel sagte, die Erderwärmung sei „eine globale Herausforderung, die nur gemeinsam bewältigt werden kann, denn wir haben alle nur eine Erde“. Die Industriestaaten seien Verursacher der Erderwärmung, die Entwicklungsländer die Hauptleidtragenden. „Deshalb haben wir als Vertreter der Industrieländer die Pflicht, Innovation, Technologie und Geld einzusetzen, um den Weg zu ebnen, um die Erderwärmung zu stoppen.“

          Deutschland stehe vor einem tiefgreifenden Wandel, bei dem man durch Anreize die Menschen mitnehmen müsse, sagte die Kanzlerin. „Es gibt diejenigen, die aktiv sind und demonstrieren und uns Druck machen. Aber es gibt auch die Zweifler.“ Aufgabe jeder Regierung sei es, „alle Menschen mitzunehmen“. Dieser Aufgabe stelle sich Deutschland. „Wir werden unseren Beitrag zu einer nachhaltigen Wirtschaft und zu einem nachhaltigen Leben weltweit leisten“, versprach die Bundeskanzlerin.

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