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Grenzschließung der Türkei : Das Virus als gesichtswahrender Ausweg für Erdogan

Türkische Sondereinsatzkräfte patrouillieren in einem Schnellboot auf dem Fluss Mariza entlang der griechisch-türkischen Grenze Bild: dpa

Viele Migranten, die auf dem Weg nach Europa waren, kehren zurück ins Landesinnere: Die Türkei hat die Grenze zu Griechenland und Bulgarien dicht gemacht – das Coronavirus war ein willkommener Anlass.

          2 Min.

          Die Türkei hat von Donnerstag an alle Landgrenzen mit den Nachbarstaaten für den Personenverkehr geschlossen. Laut einer Anordnung des Innenministeriums seien „vorübergehend“ für die Einreise wie für die Ausreise auch die Grenzübergänge mit Griechenland und Bulgarien geschlossen worden.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Begründet wird Maßnahme mit dem Coronavirus. Das gilt auch für für die zuletzt geschlossenen Grenzübergänge nach Griechenland und Bulgarien, was der Türkei einen gesichtswahrenden Ausweg aus der jüngsten Migrationskrise gibt, die sie am 29. Februar mit der Erklärung ausgelöst hatte, dass die Grenzen nach Europa offen seien. Vor allem am Grenzübergang Pazarkule hatten seither mehrere Tausend irreguläre Migranten versucht, sich teilweise gewaltsam Zutritt nach Griechenland zu verschaffen.

          Die Lage in Pazarkule hatte sich bereits in den vergangenen Tagen entspannt. Der Vorsitzende des Parlamentsausschusses für Einwanderung und Integration, Atay Uslu (AKP), hatte nach einem Besuch in Pazarkule am 4. März gesagt, vor dem Grenzzaun hätten sich 5000 Migranten versammelt. Bereits am vergangenen Wochenende hatte eine freiwillige Rückkehr von Migranten nach Istanbul und Ankara begonnen. Migranten, die das Lager bei Pazarkule verlassen haben, schätzen, dass nur noch jeder Vierte weiter an der Grenze sei und darauf hoffe, doch noch nach Griechenland zu kommen.

          Viele entschieden sich für die Rückkehr ins Landesinnere

          Die Rückkehrer benutzten für ihre Rückfahrten Busse der privaten Fernbuslinien. Der Fahrpreis wurde ihnen erlassen. Vom Regen, der Kälte und der Aussichtslosigkeit ihres Vorhabens verzweifelt, hatten sie sich für die Rückkehr ins Landesinnere entschieden. Da die verbliebenen Migranten an der Grenze das abgesperrte Lager nicht verlassen dürfen und sie keine Möglichkeit haben, die Akkus ihrer Mobilfunkgeräte aufzuladen, ist eine Kontaktaufnahme mit ihnen nicht mehr möglich.

          Von Mittwoch an sind damit die Grenzübergänge Ipsala und Pazarkule an der türkisch-griechischen Grenze für den Personenverkehr geschlossen. Ferner wurde der Schiffsverkehr zwischen der Türkei und Griechenland, einschließlich der Inseln, eingestellt sowie der Zugverkehr über die Grenzstation Uzunköprü. Dasselbe gilt für die Grenzübergänge Dereköy, Hamzabeyli und Kapikule mit Bulgarien.

          Der Chef der türkischen Landstreitkräfte ist am Coronavirus gestorben

          Den Anfang machte am 23. Februar die Grenze mit Iran, seit jenem Tag gibt es auch keine Flüge mehr aus Iran in die Türkei. Am 1. März folgte der Irak, seit dem 15. März ist der Personenverkehr mit Georgien und Aserbaidschan eingestellt. Der Güterverkehr wird an allen Grenzstationen weiter abgewickelt.

          Seit Mittwoch hat die Türkei Flugverbindungen mit 20 Ländern eingestellt. Zuletzt wurde die Liste um Großbritannien, Irland, die Schweiz, Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Ägypten verlängert. Am Mittwoch wurde bekannt, dass der frühere Chef der Landstreitkräfte, Aytac Yalman, an den Folgen des Coronavirus verstorben ist. Am Dienstag hatte Präsident Tayyip Erdogan in einer Ansprache an die Nation jeden aufgerufen, drei Wochen lang nur aus zwingenden Gründen das Haus zu verlassen. Schulen und Universitäten sind geschlossen. Fußballspiele sollen weiterhin vor leeren Rängen stattfinden.

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