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Streit um Grenzmauer zu Mexiko : „Trump hat gefragt, ob Mexiko wirklich ,bad hombres‘ schickt“

  • -Aktualisiert am

Im November 2018 brachte die amerikanische Armee Stacheldraht am Ufer des Rio Grande aus. Bild: AP

Als Bürgermeister von Laredo hat Pete Saenz Donald Trump zum ersten Mal die Grenze zu Mexiko gezeigt. Im Gespräch mit FAZ.NET erzählt er, warum seine Stadt keine Mauer braucht – und was intelligentere Lösungen sein könnten.

          Fast ein bisschen verschlafen wirkt Laredo, die Grenzstadt im Süden von Texas, gegen Abend. Tagsüber ist sie einer der wichtigsten Warenübergänge zwischen den Vereinigten Staaten und Mexiko. In einigen Läden in Laredo kommt man ohne Spanischkenntnisse nicht weit; 95 Prozent der Bewohner sind lateinamerikanischer Herkunft. Bürgermeister Pete Saenz, ein Mann mit einem auf den Millimeter genau gestutzten Schnurrbart, der viel lacht, wenn er redet, regiert die Stadt seit November 2014. Saenz selbst hat mexikanische Vorfahren. Im Juli 2015 bekam die Stadt ungewöhnlichen Besuch: Donald Trump wollte zum ersten Mal die Grenze sehen. Der Bürgermeister nahm ihn noch in seinem Privatflugzeug sitzend in Empfang. Nach ein paar Minuten Plauderei, erzählt Saenz, habe Trump gefragt: „Muss ich mir Sorgen um meine Sicherheit machen, wenn ich gleich aussteige?“

          Bürgermeister Saenz, im Juli 2015 hatten Sie Donald Trump hier in Laredo zu Besuch, als er sich kurz nach Ankündigung seiner Kandidatur ein Bild von der Grenze machen wollte. Erinnern Sie sich noch an den Termin? War Trump gut vorbereitet?

          Er schien mir gut vorbereitet und natürlich war er neugierig, wie es an der Grenze aussieht. Ich vermute mal, wenn ich mich an unsere Unterhaltung damals zurückerinnere, dass er eine gewisse vorgefertigte Meinung davon hatte, wie es hier aussieht, und die wollte er mit mir und dem Vorsitzenden der Stadtverwaltung abgleichen.

          Und, wie groß war die Übereinstimmung?

          Wir haben ihn gefragt, ob seine Vorstellung, wie es an der Grenze zugeht, sich mit dem deckt, was wir ihm erzählten. Das war ein großer Unterschied. [lacht]

          Pete Saenz, Bürgermeister von Laredo, in seinem Büro

          Zum Beispiel? Was hatte Donald Trump denn für Vorstellungen?

          Er hat uns gefragt, ob Mexiko wirklich „bad hombres“ schickt, also ob das offizielle Politik der Regierung sei, böse Buben über die Grenze zu schicken. Natürlich haben wir ihm gesagt, dass wir das so noch nicht gehört hatten und dass laut unserem Wissensstand eine solche Strategie von offizieller Seite in Mexiko nicht existiere. Ich habe ihm gesagt, dass Menschen aus Mexiko über die Grenze kommen, selbstverständlich auch auf illegalem Wege. In der Tat haben wir nicht erfasste Einwanderer, die seit zwanzig, dreißig Jahren hier leben. Die dürften inzwischen Großeltern sein. Ich habe Donald Trump gesagt, dass es meiner Meinung nach ein grundlegend reformiertes Einwanderungsgesetz braucht, um das Problem zu lösen.

          Hat er damals schon mit Ihnen über die Mauer gesprochen?

          Er hat sich erkundigt, ob eine Mauer notwendig sei. Er hat das Gespräch immer wieder in diese Richtung gelenkt. Wir haben ihm gesagt: Nein, das ist nicht notwendig. Wir haben eine natürliche Mauer, unseren Fluss, den Rio Grande. Wir haben ihm versucht klarzumachen, dass es bei allem Respekt für seine Idee ineffektiv wäre, Millionen aus dem Bundeshaushalt und Steuergeld dafür auszugeben.

          Haben Sie einen Gegenvorschlag gemacht?

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