https://www.faz.net/-gpf-cxj

Grenzkonflikt : Nordkorea droht mit „Gegenangriff ohne Gnade“

  • Aktualisiert am

In Alarmbereitschaft: ein südkoreanischer Soldat bewacht den Strand von Taean, 170 Kilometer südwestlich von Seoul Bild: AFP

Der Konflikt zwischen Seoul und Pjöngjang spitzt sich weiter zu: Nach dem Beginn einer gemeinsamen Militärübung Südkoreas und der Vereinigten Staaten droht Nordkorea mit einer heftigen Reaktion. Unterdessen will China, Bündnispartner Nordkoreas, nun offenbar doch vermitteln.

          Angesichts eines gemeinsamen Militärmanövers Südkoreas und der Vereinigten Staaten hat Nordkorea für den Fall eines Eindringens in seine Hoheitsgewässer mit einem gnadenlosen Militäreinsatz gedroht. Nordkorea werde „auch in der Zukunft beim geringsten Versuch eines Eindringens in seine Gewässer einen militärischen Gegenangriff ohne Gnade unternehmen“, zitierte die Zeitung der in Nordkorea herrschenden Kommunistischen Partei, „Rodong Sinmun“, am Sonntag aus einer von der amtlichen Nachrichtenagentur KCNA verbreiteten Erklärung der Regierung in Pjöngjang. Der Regierung in Seoul wurden darin „Provokationen“ im Rahmen „ihres brutalen Vereidigungsprogramms der nördlichen Grenzlinie“ vorgeworfen. Pjöngjang erkennt die sogenannte nördliche Grenzlinie, die Seegrenze zu Südkorea, nicht an, die die Vereinten Nationen nach dem Ende des Korea-Kriegs 1953 gezogen hatte.

          Die Erklärung ging indes nicht ausdrücklich auf das gemeinsame Militärmanöver der südkoreanischen und der amerikanischen Armee ein, das am Sonntag im Gelben Meer begann. Das viertägige Manöver findet nach Angaben des südkoreanischen Militärs allerdings weiter südlich der Seegrenze vor der Küstenstadt Taean statt, die etwa 150 Kilometer von Seoul entfernt ist. Mit dem Großmanöver, an dem auch der Flugzeugträger „USS George Washington“ teilnimmt, wollen die beiden Bündnispartner militärische Stärke demonstrieren und ein Signal der Abschreckung an das kommunistische Nordkorea senden. Das Manöver, das schon seit langem geplant gewesen sei, sei verteidigungsorientiert, hieß es. Nordkorea hatte Südkorea zuvor wiederholt vor der Übung gewarnt und mit Konsequenzen gedroht.

          Bericht: Nordkorea hat weitere Raketen aufgestellt

          Die nationale südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap berichtete am Sonntag unterdessen unter Berufung auf Regierungsbeamte in Seoul, Nordkoreas Militär habe angesichts des Manövers bereits weitere Raketen nahe der umstrittenen Seegrenze an der Westküste aufgestellt. Man stelle sich auf „weitere Provokationen“ des Nachbarlandes ein, hieß es.

          Nimmt an der groß angelegten Militärübung Südkoreas und der Vereinigten Staaten teil: der Flugzeugträger „USS George Washington”

          Anfang der Woche hatte Nordkorea die südkoreanische Insel Yeonpyeong mit Dutzenden Granaten beschossen. Bei dem Artillerieangriff wurden zwei Soldaten und zwei Zivilisten getötet sowie 18 weitere Menschen verletzt. Pjöngjang hatte den Angriff damit gerechtfertigt, dass die südkoreanische Armee zuvor in nordkoreanische Hoheitsgewässer gefeuert habe. Dass die südkoreanische Armee nach dem Angriff in höchste Alarmbereitschaft versetzt worden war, wurde in der Regierungserklärung als Versuch verurteilt, die Verantwortung für den Konflikt abzuwälzen. Solche „Schritte zur Konfrontation und zum Krieg“ mit Nordkorea würden dem Süden „nur schändliche Selbstzerstörung“ einbringen.

          China will vermitteln

          In Seoul führte unterdessen der chinesische Staatsrat Dai Bingguo Gespräche mit der südkoreanischen Regierung über mögliche Wege zur Entspannung der Lage. Südkoreas Präsident Lee Myung Bak habe die Führung in Peking aufgerufen, mit Blick auf die Beziehungen zwischen Süd- und Nordkorea eine „verantwortungsbewusste und faire“ Haltung einzunehmen, teilte ein Sprecher Lees am Sonntag mit. Damit könne China einen Beitrag zum Frieden leisten. Lee habe gewarnt, dass Südkorea eine „starke Antwort“ geben werde, falls das Land weiter von Nordkorea provoziert werde.

          Dai habe zugesichert, dass sich China um eine Entspannung der Lage auf der koreanischen Halbinsel bemühen wolle. Wie die amtliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua berichtete, wird der Vorsitzende der Obersten Volksversammlung (Parlament) in Nordkorea, Choe Tae Bok, am Dienstag nach China reisen. Choe sei von Dai Bingguo zu einem fünftägigen Besuch eingeladen worden.

          Weitere Themen

          Zwei kubanische UN-Diplomaten ausgewiesen

          Vereinigte Staaten : Zwei kubanische UN-Diplomaten ausgewiesen

          Kurz vor der UN-Vollversammlung hat Amerika zwei Vertreter Kubas ausgewiesen. Deren Aktionen seien laut Außenministerium gegen die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten gerichtet gewesen. Kuba spricht von Verleumdung.

          Merkel ermutigt junge Forscher Video-Seite öffnen

          Preisverleihung in Berlin : Merkel ermutigt junge Forscher

          Bei der Vergabe des Preises für die originellste Arbeit beim Bundeswettbewerb „Jugend forscht“ wies Bundeskanzlerin Angela Merkel auf den Fachkräftemangel im IT-Bereich hin. Gewinner waren dieses Jahr der 17-jährige Anton Fehnker und der ein Jahr ältere Simon Raschke.

          Topmeldungen

          Das Hauptquartier der Vereinten Nationen in New York

          Vereinigte Staaten : Zwei kubanische UN-Diplomaten ausgewiesen

          Kurz vor der UN-Vollversammlung hat Amerika zwei Vertreter Kubas ausgewiesen. Deren Aktionen seien laut Außenministerium gegen die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten gerichtet gewesen. Kuba spricht von Verleumdung.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.