https://www.faz.net/-gpf-792xu

Grenzgebiet zu Syrien : Türkisches Kampfflugzeug vermisst

  • Aktualisiert am

Ein F-16-Kampflugzeug im Einsatz - auf diesem Foto handelt es sich aber um eine Maschine der amerikanischen Streitkräfte Bild: AP

Das türkische Militär hat im Grenzgebiet zu Syrien den Kontakt zu einem Kampfflugzeug verloren. Die Regierung in Ankara beschuldigt derweil Linksextremisten, die Anschläge von Reyhanli gemeinsam mit dem syrischen Geheimdienst verübt zu haben.

          Das türkische Militär hat den Kontakt zu einem im Grenzgebiet zu Syrien fliegenden Kampfflugzeug verloren. Rettungsmannschaften begannen einen Sucheinsatz, teilte der türkische Generalstab am Montag mit.

          Der Pilot des F-16-Kampfflugzeugs habe um 13:15 Uhr einen letzten Funkspruch abgesetzt und gesagt: „Ich springe ab.“ Anschließend verschwand das Flugzeug von den Radarschirmen. Die Maschine war Medienberichten zufolge in der türkischen Süd-Provinz Osmaniye über dem Amanos-Gebirge unterwegs. Der türkische Fernsehsender NTV meldet unter Berufung auf Militärkreise, Grund für den Absturz sei ein Unfall.

          Im Juni vorigen Jahres hatte die syrische Flugabwehr angeblich ein türkisches Aufklärungsflugzeug abgeschossen. Die Regierung in Damaskus erklärte damals, die Soldaten hätten in einem Akt der Selbstverteidigung gehandelt und nicht gewusst, dass es sich um eine türkische F-4 gehandelt habe. Die Türkei widersprach: Die Maschine sei im internationalen Luftraum geflogen und als türkisches Flugzeug zu erkennen gewesen. Allerdings kamen in einem türkischen Regierungsbericht später wieder Zweifel auf, dass es sich tatsächlich um einen Abschuss gehandelt hatte.

          Linksextremisten sollen Anschlag in Reyhanli ausgeführt haben

          Der Doppelanschlag in der türkischen Grenzstadt Reyhanli soll unterdessen von türkischen Linksextremisten mit Kontakten nach Syrien verübt worden sein. Bei den neun am Sonntag festgenommenen Beschuldigten handele es sich um Mitglieder der „Revolutionären Volksbefreiungspartei/-front“ (DHKP-C) sowie einer Splittergruppe der „Türkischen Volksbefreiungspartei-Front“ (THKP-C), berichteten türkische Medien am Montag.

          Die türkische Regierung wirft ihnen vor, die Tat in Abstimmung mit dem syrischen Geheimdienst verübt zu haben. Auch der Sprengstoff soll aus Syrien gekommen sein.

          Nach der verheerenden Explosion am Anschlagsort in Reyhanli

          Unterdessen sagte der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan, Ankara werde sich nicht provozieren lassen. Sein Land müsse sehr vorsichtig sein und ruhig bleiben, sagte Erdogan bei einem Treffen seiner islamisch-konservativen Regierungspartei AKP in Istanbul. Provokationen zielten darauf ab, die Türkei in den blutigen Konflikt in Syrien zu verstricken. Erdogan hat aber keine Zweifel an der Verantwortung des syrischen Regimes für den Anschlag in Reyhanli. Sein Land werde auf die Tat zu gegebener Zeit reagieren, zitierten türkische Medien den Regierungschef am Montag weiter. „Hinter dieser Tat steckt das Regime. Das ist gewiss“, sagte Erdogan demnach.

          Ein syrischer Parlamentarier behauptete dagegen, die Sprengsätze seien von Terroristen für Anschläge in Syrien vorbereitet worden und nur versehentlich in der Türkei explodiert. Sherif Schehata, der als Sprachrohr des Regimes von Präsident Baschar al Assad gilt, sagte dem arabischen Nachrichtensender Al Dschazira: „Die Grenzen zwischen Syrien und der Türkei sind immer noch offen für diese Terroristen, die von Erdogans Seite kommen und nicht etwa von der „Schabiha“-Miliz oder von den Regierungstruppen.“ Das Einzige, was die türkische Regierung tun müsse, um den Terror zu stoppen, sei, den Strom von Waffen und arabischen Extremisten über die Türkei nach Syrien zu stoppen.

          Damaskus weist Tatbeteiligung zurück

          Bei der Explosion zweier Autobomben in der wenige Kilometer von der syrischen Grenze entfernt liegenden Stadt waren am Samstag mindestens 46 Menschen getötet worden, etwa 140 wurden verletzt. Damaskus wies die Vorwürfe einer Beteiligung an der Tat zurück. Die Anschläge wurden international verurteilt. Alle neun Festgenommenen seien türkische Staatsbürger, hatte der stellvertretende Regierungschef Besir Atalay am Sonntag erklärt. Nach seinen Angaben haben die Beschuldigten die Tat teilweise gestanden.

          Innenminister Muammer Güler sagte, unter den Festgenommenen sei auch ein Kopf der Gruppe. Nach weiteren Verdächtigen werde gesucht. Ein Selbstmordattentäter aus den Reihen der DHKP-C hatte im Februar einen Anschlag auf die amerikanische Botschaft in Ankara verübt. Dabei hatte er einen türkischen Wachmann mit sich in den Tod gerissen.

          Ziel der DHKP-C ist es, das Regierungssystem der Türkei durch einen revolutionären Umsturz zu beseitigen. Errichtet werden soll ein kommunistisches System mit marxistisch-leninistischer Prägung. Die Organisation hat in der Türkei zahlreiche Brand- und Sprengstoffanschläge verübt und Menschen getötet.

          Weitere Themen

          Kamera filmt zufällig Explosion Video-Seite öffnen

          Sri Lanka : Kamera filmt zufällig Explosion

          Bilder einer Kamera an Bord eines Autos zeigen einen der Anschläge in Sri Lanka: Die Kamera nahm zufällig die Explosion an der St.-Antonius-Kirche in Colombo auf. Bei den Anschlägen mutmaßlicher Islamisten wurden hunderte Menschen getötet oder verletzt.

          Was bisher bekannt ist Video-Seite öffnen

          Anschläge in Sri Lanka : Was bisher bekannt ist

          Nach den verheerenden Anschlägen in Sri Lanka macht die Regierung eine einheimische Islamistengruppe für die Bluttaten verantwortlich. Es wird geprüft, ob die Gruppe Unterstützung aus dem Ausland hatte.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.