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Migranten an der Grenze : Widersprüchliche Angaben zu angeblichem Todesopfer

  • Aktualisiert am

Griechische Polizisten an der Grenze zur Türkei in Kastanies Bild: Reuters

Die Türkei wirft Griechenland vor, an der Grenze einen Migranten getötet zu haben. Athen dementiert. Hunderte Migranten versuchen offenbar, in die EU zu gelangen.

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          Die griechische Regierung hat Berichte dementiert, wonach Migranten auf der türkischen Seite durch Schüsse griechischer Sicherheitsleute verletzt oder getötet worden seien. „Angebliche Verletzte durch griechische Schüsse weise ich kategorisch zurück“, sagte der griechische Regierungssprecher Stelios Petsas am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Athen. „Wo sie vorher von Verletzten sprachen, reden sie nun von Toten“,  fügte er hinzu. „Die fake news haben kein Ende, es gibt keinen solchen Vorfall mit Schüssen von griechischen Beamten.“

          Zuvor hatte es in einer Mitteilung des Gouverneursamts der türkischen Grenzprovinz Edirne geheißen, dass durch Schüsse griechischer Grenzbeamter ein Migrant getötet und fünf weitere verletzt worden seien. Es handele sich bei den Opfern um Männer, zu ihrer Identität gebe es noch keine weiteren Informationen. Ein Opfer weise einen Einschuss an der Brust auf. Die Oberstaatsanwaltschaft in Edirne habe Ermittlungen eingeleitet.

          Der Übergang auf der türkischen Seite (Pazarkule) war weiträumig abgesperrt. Journalisten wurden nicht bis an das Grenztor gelassen. Krankenwagen und ein Bus mit neuen Migranten passierten am Mittwoch die Absperrungen, wie eine Reporterin der Deutschen Presse-Agentur (dpa) berichtete.

          Als sicher gilt, dass es an der griechisch-türkischen Grenze am Mittwoch abermals zu Unruhen gekommen ist. Fernsehbilder zeigten von der griechischen Seite aus, wie hinter dem Grenzzaun am Übergang Kastanies Hunderte Menschen ein Durchkommen suchten. Die griechische Polizei setzte Tränengas ein, auch von türkischer Seite wurden solche Geschosse über den Grenzzaun gefeuert. Nach Angaben griechischer Sicherheitskräfte sollen auch Migranten auf der türkischen Seite mit Tränengas ausgestattet sein.

           „Ich habe keine Hoffnung, dass ich durchkomme“

           

          Der 43 Jahre alte Fadi aus dem syrischen Hama, wartet seit Dienstag mit seinen fünf Kindern zwischen anderthalb und zehn Jahren und anderen Familienangehörigen im türkischen Grenzgebiet. „Ich habe keine Hoffnung, dass ich durchkomme“, sagte er der dpa. Er habe umgerechnet rund 1000 Euro bezahlt, um vom südosttürkischen Gaziantep bis an die Grenze zu kommen. „In den Nachrichten wurde gesagt, die Grenzen seien offen. Ich wäre niemals hierher gekommen, hätte ich gewusst, dass die Grenzen geschlossen sind“, sagte er.

          Der griechische Sender Skai berichtete, auf der türkischen Seite warteten rund 12.500 Menschen auf die Möglichkeit, die Grenze zu überwinden.

          Deutschland will Griechenland mit 20 zusätzlichen Grenzschützern und einem seetauglichen Hubschrauber unterstützen. Hintergrund ist die gestiegene Zahl von Flüchtlingen und Migranten, die seit dem Wochenende versuchen, von der Türkei nach Griechenland - und damit in die EU - zu gelangen. Das Bundesinnenministerium erklärte am Mittwoch auf Anfrage, die Bundespolizisten würden der europäischen Grenzschutzagentur Frontex unterstellt.

          Seit Dienstag seien zudem zwei Beamte vor Ort, um auf den griechischen Inseln zu prüfen, ob das Technische Hilfswerk die griechischen Behörden unterstützen könnte, etwa beim Aufbau winterfester Unterkünfte und einer funktionierenden Wasserversorgung für Geflüchtete. Bisher beteiligten sich 60 Bundespolizisten an den Frontex-Einsätzen in Griechenland.

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