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Gordon Brown : Wie ein Blair ohne den Bush

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Brillant oder instabil? Gordon Brown Bild: picture-alliance/ dpa

Gordon Brown gilt als Kandidat für die Nachfolge Tony Blairs. Doch der Schatzkanzler ist nicht unumstritten. Sollte er tatsächlich Premierminister werden, dürfte allenfalls in der Irak-Politik eine Wende bevorstehen.

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          Gordon Brown hat am Freitag in Edinburgh eine Rede gehalten, in der es um alles ging, was jetzt niemand von ihm hören wollte: um „das Britische“, um Schottland und England und um den Schaden, den die Konservativen hier wie dort anrichten. Es war nicht sein erster Auftritt als Staatsmann.

          Seit einem Jahr hält der Schatzkanzler vor wechselnden Kulissen und in verschiedenen Ecken des Landes Ansprachen über Dinge, die Festredner das „weithin Gültige“ nennen, um den Anspruch zu belegen, er sei zu mehr berufen als zum Amt des obersten Kassenwarts. Am Tag nachdem Premierminister Blair seinen Abschied angekündigt hatte, wirkte diese Zugabe je nach Publikum entweder besonders befriedigend, denn nun hatte Gordon es ja geschafft, oder besonders gewagt, denn: „Gordon soll sich bloß nicht einbilden, er hätte den Job schon in der Tasche!“

          „Dieses Grinsen im Auto formt ein schreckliches Bild“

          Das hat der frühere Innenminister Clarke am selben Tag zwar nicht wörtlich so gesagt; aber was er tatsächlich hören ließ, war noch bösartiger: „Er ist talentiert und brillant, aber da sind diese kleinen Sachen wie dieses Grinsen im Auto, die ein schreckliches Bild formen.“ Gemeint ist ein Foto, das gerade durch die Zeitungen gegangen war. Zugegeben, schon unter normalen Umständen lächelt Brown, als sitze er auf dem Stuhl des Zahnarztes; und diesmal hatte der Versuch, entspannt zu wirken, besonders furchterregend ausgesehen.

          Just am Tag nachdem Blairs Ankündigung für den Rest seiner Amtszeit eine Art Landfrieden schaffen sollte zwischen Downing Street Nummer zehn und Downing Street Nummer elf, den Adressen des Premierministers und des Schatzkanzlers, erinnert Clarkes Ausbruch an die schlimmsten Tage der Fehde, als Nummer zehn die Diagnose in die Welt gesetzt hatte, Gordon Brown sei „instabil“.

          Wohl keine Rückkehr zur Ideologie von Old Labour

          Dabei ist Clarke gar nicht mehr unbedingt ein Sprachrohr Blairs. Seit seiner Entlassung auf die Hinterbänke der Fraktion bei der letzten Kabinettsumbildung müßte er eigentlich anderes im Sinn haben, als Blair zu gefallen. In der Tat hatte er jüngst sogar ebenfalls eine „staatsmännische Rede“ über dies und jenes und mithin über sich selbst gehalten, die in Westminster Augenbrauen in Bewegung setzte. Gerade deshalb bedeutet seine Intervention, daß die Sache durchaus noch nicht ausgestanden ist. Nein, es fängt gerade erst an.

          Was aber ist die Sache nur? Politische Unterschiede zwischen einer Regierung Brown und einer Regierung Blair würde es kaum geben. Es geht nur um die Macht und um Browns persönliche Ambition. Eine Rückkehr zur Ideologie von Old Labour scheint ausgeschlossen, zumal so kurz vor dem nächsten Wahlkampf mit den geschäftig sich verjüngenden Konservativen. Brown würde sogar noch leidenschaftlicher alles um den Sieg geben als der vorgeblich prinzipienlose Blair; er würde sich beweisen müssen, daß er mit einer Wahl ins Amt gekommen sei, nicht mit einem Staatsstreich.

          Vielleicht könnte man sogar eine Parade halten?

          Allenfalls wäre vorstellbar, daß ein Premierminister Brown die britischen Truppen aus dem Irak heimholte. Denn das Unternehmen kostet Geld, und davon versteht Brown wirklich etwas; außerdem hängt er nicht derart innig an Präsident Bush wie Blair; und schließlich wäre das die einzige denkbare Entscheidung, die den neuen Regierungschef im Volk mit einem Schlag populär machen würde. Vielleicht könnte man sogar eine Parade halten und dann eine Art Khaki-Wahlkampf?

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