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Kurz vor Berlin-Besuch : Gorbatschow lobt Putin in höchsten Tönen

  • Aktualisiert am

Michail Gorbatschow (Archivbild 2011): „Problem der Ukraine ist für die Amerikaner nur ein Vorwand“ Bild: dpa

Zum 25. Jahrestag des Mauerfalls kommt auch der frühere Sowjetführer nach Berlin. Gorbatschow will den russischen Präsidenten bei seinem Treffen mit Kanzlerin Merkel verteidigen: Putin schütze „besser als alle anderen die Interessen Russlands“.

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          Der russische Friedensnobelpreisträger Michail Gorbatschow will die Politik des russischen Präsidenten Wladimir Putin bei seinem anstehenden Besuch in Berlin verteidigen. „Ich werde Russland und seinen Präsidenten Wladimir Putin entschlossen verteidigen“, sagte Gorbatschow am Donnerstag der russischen Nachrichtenagentur Interfax. „Ich bin absolut überzeugt, dass Putin heute besser als jeder andere die Interessen Russlands verfolgt. Es gibt natürlich in seiner Politik etwas, das kritisierbar ist. Aber ich will dies nicht tun, und ich will auch nicht, dass jemand anderes dies tut.“

          Gorbatschow, der Mitte der achtziger Jahre mit seiner Reformpolitik die politische Öffnung der Sowjetunion einleitete und damit auch den Weg für den Fall der Mauer bereitete, kommt am Wochenende nach Berlin, um dort unter anderem an den Gedenkfeiern zum 25. Jahrestag des Mauerfalls teilzunehmen.

          Bundeskanzlerin Angela Merkel will Gorbatschow am Montag im Kanzleramt empfangen, wie eine Regierungssprecherin in Berlin bestätigte.

          Der frühere Parteichef, der für seine Rolle bei der friedlichen Beendigung des Kalten Krieges mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde, kritisierte in dem Interview mit Interfax auch die Politik der Vereinigten Staaten. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion habe Russland neue Partnerschaften gegründet, doch dies habe Amerika nicht gefallen.

          Deutsch-russische Konsultationen: Der russische Präsident Wladimir Putin, Kanzlerin Angela Merkel, der letzte Ministerpräsident der DDR, Lothar de Maizière, und Michail Gorbatschow in Wiesbaden (Archivbild Oktober 2007)

          „Die Amerikaner haben andere Pläne, sie brauchen einen anderen Kontext, der es ihnen erlaubt, sich überall einzumischen“, sagte Gorbatschow. „Ich bin überzeugt, dass das Problem der Ukraine nur ein Vorwand für die Vereinigten Staaten ist, sich einzumischen in die Angelegenheiten anderer Länder“, sagte der 83 Jahre alte Gorbatschow.

          Wegen Putins umstrittener Politik im Ukraine-Konflikt hat der Westen Russland mit Sanktionen belegt, die der Wirtschaft des Landes zunehmend zusetzen. Russland sei nach dem Ende des Kalten Kriegs ein neues Verhältnis auch zu den Vereinigten Staaten eingegangen, betonte Gorbatschow. „Alles wäre gut, aber nicht allen in Amerika gefällt das“.

          Mit Blick auf den Ukraine-Konflikt hatte Gorbatschow zuletzt immer wieder Kritik am Westen geäußert und die Vereinigten Staaten als „Seuche der Welt“ bezeichnet. In der Vergangenheit hatte sich Gorbatschow stets als scharfer Kritiker Putins hervorgetan und immer wieder demokratische Rückschritte in Russland beklagt. Er sehe weiterhin viele Kritikpunkte in der Politik Putins, sagte er nun. „Aber ich werde mich nicht daran klammern“, fügte er hinzu.

          „Kann stolz sein darauf, was wir das getan haben“

          Der letzte Staatschef der Sowjetunion gilt als einer der Väter der deutschen Wiedervereinigung. Er erinnere sich mit Stolz an den Fall der Berliner Mauer vor 25 Jahren, sagte er in einem von seiner Stiftung veröffentlichen Redemanuskript zum Jubiläum. Es habe damals zwei Helden gegeben: das deutsche Volk, das wieder vereint sein wollte, und „unser Volk“. Es sei 1989 eine Entscheidung der obersten sowjetischen Führung gewesen, den Weg der Vereinigung zuzulassen. „Ich kann stolz sein darauf, was wir das getan haben“, sagte er. Vor allem seine Politik von Glasnost (Offenheit) und Perestroika (Umgestaltung) in der Sowjetunion habe bei diesem „schwierigen Prozess“ der deutschen Vereinigung geholfen.

          Gorbatschow ging auch auf den ihm zugeschriebenen Satz „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben!“ ein. Die Deutschen hätten seine Aussage etwas abgewandelt, meinte er. Bei den Gesprächen in der DDR habe er auf die Erfolge seiner Politik hingewiesen. Der Originalsatz lautete demnach: „Die einen liefen bei uns mit der Zeit, die anderen blieben zurück. Und den, der zurückbleibt, bestraft die Geschichte.“ Die Senioren-Union der CDU ehrt ihn am 10. November mit einer Medaille für seine Verdienste um Versöhnung und Verständigung.

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