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Luftangriffe in Syrien : Amerika und Arabien

Der amerikanische Außenminister John Kerry zu Besuch beim saudischen König Bild: AP

Im Kampf gegen die barbarischen Verbrechen von IS war wieder einmal nur auf Amerika Verlass. Unterstützt wird die Militäroperation auch von arabischen Staaten. Besonders Saudi-Arabien hat ein Interesse an deren Erfolg.

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          Die Vereinigten Staaten sind bei der größten direkten militärischen Intervention in Syrien seit dem Beginn des Konflikts vor mehr als drei Jahren nicht allein: Drei Golfstaaten um Saudi-Arabien und auch Jordanien haben sich an der Bombardierung von Stellungen des „Islamischen Staats“ beteiligt. Die Golfstaaten bestätigen ihre Teilnahme zwar nicht offiziell, und unklar bleibt, welchen Beitrag sie tatsächlich leisten. Saudi-Arabien aber, das sich lange gewunden hat, steht im Wort, an der Seite Amerikas gegen den „Islamischen Staat“ eine Führungsrolle zu spielen.

          Voreilig war es gewesen, die Vereinigten Staaten im Mittleren und Nahen Osten abzuschreiben. Makulatur ist die Prophezeiung, die Amerikaner würden ihr Interesse an der Region rasch verlieren, nur weil die Schiefergasrevolution sie energieautark mache. Das Gegenteil ist eingetreten: Als es galt, dem barbarischen Morden des „Islamischen Staats“ Einhalt zu gebieten, war, wieder einmal, nur auf die Amerikaner Verlass. Allein in den vergangenen Tagen hat die Terrormiliz weitere hunderttausend zu Flüchtlingen gemacht. Und sie hat die wichtigste Gedenkstätte der Armenier gesprengt, die in der syrischen Wüste an den Völkermord vor fast einem Jahrhundert erinnert.

          Zu lange haben die arabischen Regierungen und die Welt dem Treiben des „Islamischen Staats“ zugeschaut. Eine Illusion war die Hoffnung, dass er sich mit dem Landgewinn in der Levante fernab von Europa begnügen würde. Die Strategen der Barbarei haben aber angekündigt, den Krieg in die Gesellschaften des Westens zu tragen. In der arabischen Welt ist vor allem Saudi-Arabien bedroht. Im Norden zerfallen Syrien und der Irak, im Süden implodiert der Jemen. Der „Islamische Staat“ und Al Qaida füllen das Vakuum, und ihre Ideologie fällt in Saudi-Arabien auf fruchtbaren Boden. Fiele erst Saudi-Arabien, dessen königliche Familie alt ist und zu langsam handelt, stünde die Arabische Halbinsel in Flammen. Ob einer Niederschlagung des „Islamischen Staats“ der Sturz Assads folgt, wie heute noch vollmundig verkündet wird, sei dahingestellt. Denn so schnell wird sich der „Islamische Staat“ nicht in die Knie zwingen lassen. Und vor allem: Die arabische Welt erlebt die Restauration von Diktaturen. Einer wie Assad kann da das kleinere Übel sein.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

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