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Golfkrise : Saudi-Arabien und Qatar streiten über ein Telefonat

  • Aktualisiert am

Qatars Emir Scheich Tamim bin Hamad al-Thani Bild: AFP

Das erste Gespräch zwischen Saudi-Arabiens Kronprinz und dem Emir von Qatar sollte die Krise am Golf entschärfen. Doch der öffentliche Umgang mit dem Telefonat führt nun zu einem neuen Konflikt.

          In der seit rund drei Monaten dauernden Qatar-Krise gibt es Hoffnung auf Bewegung: Erstmals seit Beginn des Konflikts telefonierten der Emir von Qatar und Saudi-Arabiens Kronprinz miteinander, wie Staatsmedien beider Länder am frühen Samstagmorgen berichteten. Kurz darauf erklärte jedoch ein Regierungssprecher in Riad, jeglicher Kontakt zur Regierung in Doha sei „suspendiert“. Qatar habe das Telefonat falsch dargestellt.

          Die saudiarabische Nachrichtenagentur SPA meldete zunächst, der Emir Scheich Tamim bin Hamad al-Thani habe den saudiarabischen Kronprinzen angerufen, um diesem seinen Wunsch zu übermitteln, sich an den Verhandlungstisch zu setzen und die Krise beizulegen. Kronprinz Mohammed bin Salman habe diesen Wunsch begrüßt.

          Dialog suspendiert

          Details sollten demnach bekannt gegeben werden, wenn sich Saudi-Arabien mit Ägypten, Bahrain und den Vereinigten Arabischen Emiraten verständigt habe. Die vier Länder hatten Anfang Juni ihre diplomatischen Beziehungen zu Qatar abgebrochen und eine Blockade verhängt. Sie werfen dem gasreichen Golfemirat vor, Terrororganisationen zu unterstützen und zu enge Beziehungen zu Riads Rivalen Iran zu unterhalten. Qatar weist die Vorwürfe zurück.

          Doch nur kurze Zeit nach den ersten Meldungen kündigte ein Sprecher der saudiarabischen Führung verärgert an, „jeglicher Dialog und jeglicher Kontakt“ mit Qatar werde „suspendiert“. Er begründete den Schritt mit der Art und Weise, wie Doha über das Telefonat berichtet habe. Dabei sei der Inhalt des Gesprächs „verzerrt“ worden, zitierte SPA den Regierungssprecher.

          Die qatarische Nachrichtenagentur QNA hatte gemeldet, das Telefonat sei auf Bitten des amerikanischen Präsidenten Donald Trump zustande gekommen, der seine Vermittlung angeboten hatte. Nach Darstellung Riads hingegen geht die Initiative auf den Emir von Qatar zurück, der den Dialog gesucht habe.

          QNA sprach auch nicht von einem Wunsch des Emirs, in einen Dialog zu treten, sondern schrieb vage, beide Seiten seien sich einig gewesen „über die Notwendigkeit, die Krise beizulegen“, indem sie sich an den Verhandlungstisch setzten. Damit solle die Einheit des Golfkooperationsrats bewahrt werden, der aus Saudi-Arabien, Qatar, Bahrain Kuwait, Oman und den Vereinigten Arabischen Emiraten besteht. Laut QNA akzeptierte der Emir von Qatar ferner einen Vorschlag des saudiarabischen Kronprinzen, wonach pro Land zwei Persönlichkeiten damit beauftragt werden sollten, die Streitpunkte zu untersuchen. Dagegen hatte die Regierung in Riad Wert darauf gelegt, dass die Modalitäten des Dialogs noch geklärt werden müssten.

          Der Analyst Kristian Ulrichsen vom Baker Institute for Public Policy der Rice University wertete das Telefonat dennoch als „bedeutsam“. Er sei überzeugt, dass es in Zusammenhang mit dem Treffen des Emirs von Kuwait mit Präsident Trump stehe, die am Freitag im Weißen Haus beraten hatten, sagte Ulrichsen. Scheich Sabah al-Ahmed al-Sabah versucht in der Qatar-Krise zu vermitteln. Trump hatte sich zuversichtlich gezeigt, er glaube, dass der Streit „ziemlich einfach“ gelöst werden könne.

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