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Golanhöhen : Tote bei antiisraelischen Protesten

  • Aktualisiert am

Hunderte von Demonstranten hatten sich zum „Naksa-Tag” auf syrischer Seite versammelt Bild: REUTERS

Am Jahrestag des Sechstagekriegs von 1967 sind bei Protesten auf den Golanhöhen an der Grenze zu Syrien mindestens 20 Demonstranten umgekommen, und mehr als 300 weitere Palästinenser verletzt worden.

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          Bei antiisraelischen Protesten hat es am Sonntag auf den Golanhöhen und im Westjordanland mehrere Tote und zahlreiche Verletzte gegeben. Mehrere hundert pro-palästinensische Aktivisten marschierten aus Syrien auf den Grenzzaun zu, worauf israelische Soldaten das Feuer eröffneten. Nach syrischen Fernsehberichten kamen bis zu 20 Demonstranten um, mehr als 300 weitere Palästinenser und Sympathisanten wurden verletzt. Eine israelische Armeesprecherin bestritt die Zuverlässigkeit der syrischen Zahlen und warnte vor absichtlicher „Desinformation“. Die Soldaten hätten nach mehreren Warnungen Tränengas eingesetzt und nur auf die Füße von Demonstranten geschossen, die weiterhin versuchten, den Grenzzaun zu überwinden. Die Demonstranten harrten auch nach Einbruch der Dunkelheit an der Grenze aus.

          Im Libanon sagten dagegen die Organisatoren kurzfristig eine für Sonntag geplante Großkundgebung an der israelischen Grenze unweit von Marun ar Ras ab. Zuvor hatte die libanesische Armee die Gegend zum militärischen Sperrgebiet erklärt. In Israel vermutet man in Sicherheitskreisen, dass das bedrängte Regime in Syrien ein Interesse daran haben könnte, mit einer neuen Eskalation an der israelischen Grenze von den eigenen innenpolitischen Schwierigkeiten abzulenken. So habe es in der Nähe der Grenze keine Straßensperren gegeben. Zudem habe das syrische Fernsehen, das die Proteste gegen die Regierung oft übergeht, am Sonntag ausführlich vom Golan berichtet. Es könne aber auch sein, dass seine Sicherheitskräfte nicht mehr in der Lage seien, die syrische Seite der Golanhöhen zu kontrollieren.

          Im Westjordanland ging die israelische Armee am Übergang in Qalandija zwischen Jerusalem und Ramallah gegen mehrere hundert palästinensische Demonstranten vor, die Steine warfen und Reifen anzündeten. Armeesprecher wiesen Berichte von bis zu 50 Verletzten zurück; es sei nur Tränengas eingesetzt worden. Am Sonntag jährte sich zum 44. Mal der Beginn des Sechs-Tage-Kriegs. Ihrer Niederlage im Juni 1967 gedenken Araber am Naksa-Tag („Rückschlag“). Am 15. Mai hatten arabische Demonstranten die syrisch-israelische Grenze auf den von Israel annektierten Golanhöhen überrannt und auch vom Libanon aus versucht, nach Israel zu gelangen. Mehr als zehn Menschen kamen um, als die von dem Massenansturm offenbar überraschten israelischen und wohl auch libanesische Soldaten in die Menge feuerten. Dieses Mal hatte sich die israelische Armee besser vorbereitet und die Grenzbefestigungen auf dem Golan verstärkt. Zudem forderte die israelische Regierung die libanesische Führung sowie die im Libanon stationierte UN-Truppe Unifil dazu auf, Demonstranten davon abzuhalten, bis an den Grenzzaun zu kommen.

          Israelische Soldaten an der Grenze nahe der der drusischen Ortschaft Madjal Shams
          Israelische Soldaten an der Grenze nahe der der drusischen Ortschaft Madjal Shams : Bild: REUTERS

          Im Gazastreifen versuchten am Wochenende empörte Palästinenser in Rafah den Grenzübergang nach Ägypten zu stürmen, der erst eine Woche zuvor wieder geöffnet worden war. Am Samstag hatten ihn die ägyptischen Behörden wegen dringender Bauarbeiten zeitweise geschlossen, wie die Nachrichtenagentur „Maan“ meldete. Die Regierung in Gaza habe daraufhin am Sonntag die Grenze geschlossen, weil es „Koordinierungsprobleme“ mit Ägypten gebe.

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