https://www.faz.net/-gpf-84v3r

Golanhöhen : Lynchmord bestürzt Israel

Der Ort des Verbrechens in der Nacht zum Dienstag Bild: AP

Zwei Verletzte aus dem syrischen Bürgerkrieg sollten in einer israelischen Klinik behandelt werden. Aber Drusen auf den Golanhöhen zerrten sie aus dem Krankenwagen und schlugen sie. Was steckt dahinter?

          Die Wut der Drusen wächst. Beim ersten Angriff auf einen Krankenwagen der Armee gab es am Sonntagabend nur einen Verletzten. Am Montagabend zerrten dann mehr als hundert Drusen die beiden syrischen Patienten aus ihrem Ambulanzfahrzeug und prügelten auf die Männer ein: Einer der beiden Verwundeten kam ums Leben, der zweite wurde mit einem Hubschrauber in ein israelisches Krankenhaus geflogen - und überlebte. Israelische Politiker und führende Vertreter der drusischen Minderheit reagierten am Dienstag bestürzt auf den Lynchmord bei Madschd al Schams auf den Golanhöhen: Man werde die Täter finden und zur Rechenschaft ziehen, kündigte der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu an. Niemand dürfe das Recht in die eigenen Hände nehmen.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Die drusischen Angreifer waren überzeugt, dass es sich bei den Verletzten um Kämpfer der islamistischen Nusra-Front handelte, die in Syrien Drusen angreift. Dem widerspricht jedoch die israelische Armee. Seit dem Beginn des Bürgerkriegs wurden insgesamt etwa 1600 Verletzte aus Syrien in israelischen Krankenhäusern versorgt.

          Die Drusen bewaffnen sich

          Mitglieder der UN-Mission auf dem Golan hatten in der Vergangenheit mehrmals Kontakte zwischen Rebellen und israelischen Soldaten am Grenzzaun beobachtet. Im Unterschied zur Terrormiliz „Islamischer Staat“ ist der Hauptfeind der Nusra-Front das Regime des syrischen Präsidenten Baschar al Assad. Israelische Ziele griffen Nusra-Kämpfer von den Golanhöhen aus bisher nicht an. Jedoch verübten sie im Norden Syriens vor eineinhalb Wochen ein Massaker in einem drusischen Dorf.

          Seit dem Ausbruch des syrischen Bürgerkriegs hat Israel versucht, sich aus dem Konflikt im Nachbarland herauszuhalten. Nachdem die Kämpfer des „Islamischen Staates“ und der Nusra-Front nun auch Drusen ins Visier genommen hatten, wächst jedoch die Unruhe unter den gut 130.000 Drusen in Israel. Kaum ein Tag vergeht ohne eine Demonstration, in der sie verlangen, dass Israel mehr tut, um den bedrängten Drusen in Syrien beizustehen. Ihre Stimme hat Gewicht, denn als loyale Bürger leisten die meisten Männer Wehrdienst in der israelischen Armee. So versprach der israelische Generalstabschef Gadi Eizenkot, dass Israel ein Massaker an der drusischen Minderheit nicht zulassen werde.

          Bisher hielten die Drusen in Syrien dem Regime von Baschar al Assad die Treue, auf dessen Schutz sie sich auch nach dem Beginn des Bürgerkriegs verlassen konnten. Aber der syrische Präsident geriet in letzter Zeit militärisch immer stärker in Bedrängnis, und die Drusen fürchten, dass die islamistischen Extremisten sie bald ähnlich gnadenlos bekämpfen könnten wie im vergangenen Sommer die jezidische Minderheit. Deshalb haben sie begonnen, sich zu organisieren und zu bewaffnen.

          In den vergangenen Wochen sammelten Drusen in Israel und anderen Ländern für die bedrängte Minderheit. Die Rede ist von einem Betrag von umgerechnet zwischen 2,3 und fast 9 Millionen Euro. Unklar ist, wie die angeblich schon gekauften Waffen nach Syrien kommen sollen. Dafür müssten Israel oder Jordanien ihre Grenze öffnen.

          Weitere Themen

          Erdogan trifft Putin und Rohani

          Syrien-Gipfel : Erdogan trifft Putin und Rohani

          Die Türkei, Russland und Iran: Drei Länder mit unterschiedlichen Interessen im syrischen Bürgerkrieg. Beim Treffen in Ankara wollen die Präsidenten über die Lage in der Rebellenhochburg Idlib und die Rückkehr von Flüchtlingen sprechen.

          Stillstand in Spanien

          Regierungsbildung gescheitert : Stillstand in Spanien

          Pedro Sánchez hat keine Mehrheit im Parlament. Zum zweiten Mal in diesem Jahr wird im November ein neues Parlament gewählt. Doch die politische Blockade könnte andauern.

          Topmeldungen

          Demnächst möglicherweise seltener zu sehen: „Zu vermieten“-Schild an einem Haus in Berlin-Schöneberg.

          F.A.Z. exklusiv : Mietendeckel schadet den Mietern

          Der Mietendeckel in Berlin soll das Wohnen bezahlbar halten. Doch die Studie eines renommierten Forschungsinstituts zeigt jetzt: Tatsächlich könnte er genau das Gegenteil bewirken.
          Spaniens amtierender Ministerpräsident Pedro Sanchez nach dem Treffen mit König Felipe

          Regierungsbildung gescheitert : Stillstand in Spanien

          Pedro Sánchez hat keine Mehrheit im Parlament. Zum zweiten Mal in diesem Jahr wird im November ein neues Parlament gewählt. Doch die politische Blockade könnte andauern.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.